Empathea – 6×8

© Empathea

Geschrieben von Katja Rohloff
Band: Empathea
Album: 6×8
Genre: Progressive Deathcore
Plattenfirma: unsigned
Veröffentlichung: 22. Februar 2018

Think global, listen local…ein Motto, mit dem man in meiner Wahlheimat Köln verdammt viele Bands entdecken kann. Okay, eine gute Portion Zufall gehörte auch dazu, dass ich auf Empathea aufmerksam wurde. Umso schöner, dass die vier Jungs gerade ein neues Album in den Startlöchern haben.

Dass es dieses Album überhaupt gibt, fällt wohl in die Kategorie Schicksal/Karma. Gegründet von Schulfreunden und nach ein paar Besetzungswechseln in Empathea umbenannt, legten die Jungs ab 2010 einen fulminanten Start hin, spielten zahlreiche Gigs, veröffentlichten im September 2012 die 8 Track EP “Fading Secrecy” und waren 2013 Teil des Euroblast Festivals. Doch dann zeigte sich, dass Bandstrukturen nicht umsonst gern mit Beziehungen verglichen werden. Empathea mussten jobbedingt eine Fernbeziehung führen, zu beruflichem und privatem Stress gesellte sich zwangsläufig eine Auseinanderentwicklung einzelner Bandmitglieder und so gab die Band Ende 2013 ihre Auflösung bekannt.

Aber für wahre Liebe und gute Bands gilt: Abwesenheit erhöht die Zuneigung und so ganz konnte man einfach nicht ohne einander. Schließlich fanden sich die Bandmitglieder im Laufe der Zeit alle wieder in Köln ein und die vier Jungs stellten fest, dass sie eindeutig (wieder) Bock auf Empathea haben. Songideen hatten sie eh schon fortwährend gesammelt, Mitte 2016 wurde dann der erste Gig seit der Auflösung gespielt und es deutete sich an, dass noch einiges folgen sollte.

Dieses “einiges” hört auf den Namen “6×8” und zeigt innerhalb von sechs Songs, dass das Quartett nichts verlernt hat. Fans aus den Anfangszeiten der Band dürfte beim Blick auf die Trackliste auch der ein oder andere Titel bekannt vorkommen. Ob man das Ganze nun Album oder 6 Track EP nennen möchte, ist wohl Geschmackssache.

Interessanterweise habe ich mir den konventionellsten Song, “And Finally It Works”, aus dem neuen Portfolio der Band ausgesucht, um auf Empathea aufmerksam zu werden. Soweit man Empathea und Konvention in Zusammenhang bringen kann. Selbst ich als überzeugte Progressive Hörerin war im ersten, und auch zweiten und dritten, Moment überrascht über den vielfältigen und gegensätzlichen Flickenteppich an Ideen, den die Band in sechs Songs gepresst hat. 

“6×8” hat ein paar Durchgänge gebraucht, um mir seinen Charme ins Hirn zu hämmern. Aber sobald die Synapsen wenigstens einen Teil der vielfältigen Reize verarbeitet hatten, hat es verdammt viel Spaß gemacht und aus dem Flickenteppich wurde ein sehr interessantes Album.

Empathea verfolgen mit ihrem vom Songwriting bis hin zum Vertrieb komplett in Eigenregie entstandenen Zweitwerk das Ziel, Musik zu erschaffen, die auch nach 100 Mal Hören nicht langweilig wird. Ich arbeite mich zwar gerade noch zu dieser Marke vor, aber wage zu behaupten: Mission erfüllt! Vorausgesetzt, man ist als Zuhörer bereit, sich auf das Album einzulassen. 

Die Kombination aus dem druckvollen Sound der Instrumentalisten und der gesanglichen Spannweite von Sänger Markus sorgt tatsächlich dafür, dass man die Musik gut fühlen kann. Da hatte Drummer und Produzent Ramon definitiv Recht, als er mir das Album so beschrieb. Das Hirn ist im Gegenzug durch die schnell wechselnden Stilelemente, seien es nun jazzige Melodien, Breakdowns, Cleangesang oder Pig Squeals, schnell mal überfordert. Also einfach zuhören anstatt analysieren.

Der Opener “Infiltrate” mit seinem dissonanten Beginn, der insgesamt düsteren, schnellen Klangwucht und den das komplette! Spektrum des gutturalen Gesangs umfassenden Vocals ist kein Song, den ich vorm ersten Kaffee verarbeiten kann, auch wenn er nach gut dreieinhalb Minuten durch eine Jazz Improvisation kurz aufgelockert wird.

“Cut Your Beards” bewegt sich hingegen in einer selbstgeschaffenen Schnittmenge aus Death- und Hardcore mit mehreren sehr melodisch unterlegten cleanen Gesangspassagen. Trotzdem lassen sich Empathea hier nicht auf traditionelle Verse/Chorus Muster einschränken.

Der letzte Song “Drugs And Shelter” beginnt im täuschend fragilen Klangmuster, um schon nach kurzer Zeit in nur leicht angebremster Soundwucht über den Hörer hereinzubrechen. Auch hier kann man fasziniert verfolgen, wie der Empathea- Frontmann scheinbar mühelos vom gutturalen in den cleanen Bereich und zurück wechselt. Das klingt noch lange nicht bei jedem so gut wie bei diesem Herrn. Respekt.

Wer harten und härtesten Core-Sound mag und musikalisch nicht festgefahren ist, sollte unbedingt in das neue Album von Empathea reinhören. Mehrmals und in alle Songs, denn Fast Food haben die Jungs definitiv nicht produziert. Und wenn man dann vom Album überzeugt ist, sollte man, wie ich, über den Besuch eines Auftritts von Empathea nachdenken. Das kann eigentlich nur mindestens gut werden.

 

Trackliste:
01. Infiltrate
02. A Bullet And A Backbone
03. Cut Your Beards
04. Bitter Taste of Ironknee
05. And Finally It Works
06. Drugs And Shelter

Line-up:
Markus – Vocals
Dave – Guitar
Moritz – Guitar
Ramon – Drums

Weitere Infos:
Empathea bei Facebook
Empathea bei Bandcamp

 

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