Agathodaimon – Die Konzerte sind für mich immer der Lichtblick am Horizont, bzw. das Darbieten der Songs das eigentlich Reizvolle.

© Agathodaimon

 

Mit dem Hellfire Interview versuchen wir für unsere Leser möglichst interessante Infos aus den Musikern rauszukitzeln, ohne dass sie sich seitenlangen Fragen/Antworten hingeben müssen. Wir vom Hellfire bemühen uns dabei, (mehr oder weniger) kurz und prägnant im Rahmen von wenigen Fragen zu agieren (manchmal kann eine Frage auch gedoppelt oder getrippelt sein); den Musikern obliegt es, nach ihrem Gutdünken zu antworten: kurz und knapp bis hin zu ausschweifend und umfangreich.

Die Mainzer Dark Metal Band AGATHODAIMON hat vor kurzem ihre Reunion bekannt gegeben. Anlass genug für uns, mal beim Gitarristen und Kopf Sathonys nachzufragen.

 

HF:Hallo Sathonys. Das nenne ich mal eine gelungene Überraschung. Mitte / Ende der 1990er Jahre wart Ihr mit Agathodaimon eine der hoffnungsvollsten Black Metal Bands in Deutschland. Sechs Alben sind bis 2014 entstanden, bevor das vorläufige Ende verkündet wurde. Wieso jetzt die Reunion?

Agathodaimon/ Sathonys: Ich hatte bereits bei der Auflösung gehofft, es würde eines Tages weiter gehen, das hatten wir damals auch so kommuniziert. Der Grund für die Auszeit war ganz lapidar familiärer Natur. Ich hatte bereits 2009 am eigenen Leib erfahren, wie sehr Nachwuchs das Leben umkrempeln kann, und als klar war, dass auf “Sathonys junior” noch eine Tochter folgt, musste ich eine Entscheidung treffen. Mittlerweile ist sie sechs Jahre alt, und die Situation entspannt genug, um wieder ausreichend Zeit für und mit einer Band zu verbringen. Es hätte keinen Sinn gemacht, damals fortzufahren – beides zu kombinieren und auch beidem adäquat gerecht zu werden hielt ich für unmöglich. Deshalb entschlossen wir uns, die Band komplett auf Eis zu legen, bis es definitiv weiter gehen kann.

 

HF: Einige unsere Leser kennen Euch möglicherweise nicht (mehr). Erzähl doch mal kurz wie es 1995 zur Gründung kam und was Euch damals beeinflusst hat, Agathodaimon zu gründen. Gab es Vorbilder / Bands, denen Ihr nacheifern wolltet, bzw. wohin sollte die musikalische Reise zu Beginn gehen? Immerhin hat sich der Sound der Band über die paar Jahre doch etwas geändert.

Sathonys: In jungen Jahren sind es sicherlich andere Bands, die einen beeinflussen. Bei mir war die erste Band, welche mich begeisterte, Iron Maiden – aber es waren dann Overkill, die meine Begeisterung für Live-Musik richtig entfachten, was mich letztlich dazu brachte, Gitarre zu lernen. Dann kam Death Metal, und etwas später langsam die Black Metal-Szene in Bewegung, die etwas völlig neues, rebellisches hatte. Allerdings würde ich es nicht nacheifern nennen – wir hatten bereits damals die Einstellung, dass wir uns in einem gewissen musikalischen Rahmen bewegen, aber nicht vorsätzlich einschränken wollen. Zudem hatte jeder von uns eigene musikalische Favoriten, was die Sache teils recht schwierig, aber auch abwechslungsreich gestaltete.

 

HF: Leider seid auch ihr nicht immer von Besetzungswechseln verschont geblieben, wenn auch durch die unterschiedlichsten Gründe. Was wohl letzten Endes mit zum Split 2014 geführt hat. Habt ihr dann komplett die Instrumente in die Ecke gestellt? Dich habe ich öfter mal mit Kamera im Fotograben getroffen, von eurem ehemaligen Drummer weiß ich, dass er eine neue Band in den Aufsteigern „The Spirit“ gefunden hat. Wie war die allgemeine Motivation nach der Auflösung?

Sathonys: Nein, erzwungene Besetzungswechsel waren damals nicht das Problem, die Chemie innerhalb der Band war sehr gut – aber als das Gespräch auf eine Auszeit kam, wurde deutlich, dass es wohl früher oder später zu weiteren Wechseln gekommen wäre. Unser Gitarrist Thilo hatte schon längere Zeit keine Lust mehr, auf der Bühne zu stehen, weshalb wir mitunter Nicco von Steorrah als Ersatzmusiker dabei hatten. Und Bassist Till sagte, er wolle nach dem Split generell keinen Metal mehr spielen, und so war es dann auch. Ashtrael und Manuel allerdings waren nach wie vor motiviert, aber Manuel spielte zwischenzeitlich in ein paar anderen Bands und war zuletzt so sehr mit The Spirit engagiert, dass es klar war, dass er hier jetzt seine musikalische Heimat gefunden hatte.

 

HF: Mittlerweile ist auch das neue Line Up öffentlich. Drei Neuzugänge gibt es zu vermelden. Abgesehen von Sänger Chris „Ashtrael“ Bonner und Dir an der Gitarre alles neue Gesichter. Wo kommen die drei „Neulinge“ her?

Sathonys: Ashtrael und ich hatten bereits 2018 begonnen, uns nach Musikern umzusehen. Wir hatten einige Auditions, was den Posten des Gitarristen betrifft, und uns aus mehreren Kandidaten letztlich für Nakhateth entschieden – er kannte einen Schlagzeuger (Mortos), den wir ebenfalls antesteten und mit dem wir uns direkt gut verstanden. Der Platz des Bassisten war etwas komplizierter – wir hatten bereits eine Bassistin gefunden, Fotosessions gemacht und diverse Proben hinter uns, bis sie dann letztlich zu verstehen gab, dass sie nicht genügend Zeit für den Job aufbringen könnte. Das warf uns letztlich wieder ein paar Monate zurück – nach ein paar weiteren Auditions stießen wir dann auf Von Yanesh – und nachdem wir gemeinsam diverse Proberaumsessions hinter uns hatten, fühlten wir uns letztlich sicher genug, die Rückkehr ankündigen zu können

 

HF: Zu aktiven Zeiten wart Ihr live gern gesehene Gäste. Unter anderem seid ihr mit ‚Benediction‘, ‚Hypocrisy‘, ‚Siebenbürgen‘, ‚Graveworm‘ und ‚Atrocity‘ unterwegs gewesen. Aber auch das Wacken Open Air, Summer Breeze und Wave Gotik Treffen stehen in Eurem Lebenslauf. Nun gibt es die Reunion Show beim diesjährigen Ragnarök Festival und auch in Rumänien hat Euch das Metal Gates Festival gebucht. Gerade mit Rumänien verbindet Euch doch einiges mehr. Haben da alte Kontakte ihre Hand im Spiel? Ich denke da an Euren früheren Sänger Andrei „Vlad Dracul“ Rusu.    

Sathonys: Tja, Ragnarök wurde ja leider schon auf nächstes Jahr verschoben, so wie fast alle anderen Veranstaltungen in den nächsten Wochen. Bis zum Gig in Rumänien ist Corona hoffentlich kein globales Thema mehr.  Und ja, es waren auch alte Kontakte im Spiel, Vlad ist allerdings nicht mehr in der Szene aktiv – wir hatten den Kontakt über unseren vorigen Booker dort hergestellt. Wir wollten ein paar wenige Gigs zur Reunion bekannt geben können, uns aber nicht in Live-Aktivitäten verzetteln. Vorrangig konzentrieren wir uns gerade auf neue Songs, aber die Konzerte sind für mich immer der Lichtblick am Horizont, bzw. das darbieten der Songs das eigentlich Reizvolle.

 

HF: Wie ist es denn nun mit neuen Songs bestellt? Inwieweit haben denn die Neuzugänge Einfluss auf das neue Material? Oder steht Ihr generell noch am Anfang? Wohin wird die musikalische Reise gehen? Und mal angenommen, dass Ihr relativ schnell einen neuen Plattenvertrag bekommt, wann ist denn mit der neuen Platte zu rechnen? Schon irgendeine Tendenz?

Sathonys: Momentan sind sechs Titel mehr oder minder fertig und noch diverse Ideen in der Hinterhand am entstehen. Allerdings ist es immer schwer abzusehen, wie lange die Feinarbeit braucht, und ob sich ein Song nicht doch als schwächer als anfangs gedacht entpuppt und verworfen wird. Unser Ziel ist es, genug Songs für ein Album bis Ende des Jahres fertig zu bekommen – ob wir es dann schon aufgenommen oder gar veröffentlicht haben, kann ich noch nicht sagen, aber ich würde lieber vorsichtig auf 2021 setzen, wer weiß, was mit den Einschränkungen bzgl. Corona noch ansteht. Oh, und die Neuzugänge haben natürlich Einfluss aufs Material- Agathodaimon ist kein diktatorisches Egoprojekt, auch wenn ich das ganze quasi zusammenhalte. Da ich mich aber meist um das komplette Drumherum kümmere und letztlich zu wenig Zeit für das Arbeiten an Musik oder Texten bleibt, versuchen wir, Aufgaben zu verteilen. Vor kurzem, und darüber bin ich sehr glücklich, haben wir mit Redback Promotion auch einen Booker gefunden, was mich ebenso zeitlich spürbar entlasten sollte.

 

HF: Am Schluss habe ich noch eine (nicht ganz ernst gemeinte) Fanboy Frage 😉.  Ich bin stolzer Besitzer Eurer ersten drei Alben in der jeweiligen Erstauflage. Würdest Du diesen Alben einen gewissen Sammlerwert eingestehen? Und wieso kann man Eure letzten drei Alben (Serpent’s embrace, Phoenix und In Darkness) nicht mehr auf Bandcamp streamen?

Sathonys: Nun, eher einen emotionalen Wert, immerhin kamen die Dinger über Nuclear Blast in recht hoher Erstauflage auf den Markt. Die LP’s waren schon eher limitiert- ich musste mit Schrecken feststellen, dass ich nicht einmal mehr eine Kopie der ersten Picture LP besitze.
Was Streaming angeht, sind die Dinge manchmal kompliziert. Die Handhabung und Verwaltung der digitalen Rechte ist teils komplex, gerade jetzt, nach der Übernahme von Nuclear Blast durch Believe. So ist beispielsweise Serpent’s Embrace kürzlich komplett von Spotify, iTunes und co verschwunden, und ich versuche seit Wochen die Scheibe wieder online zu bringen. Aber trotz Kontakt über Nuclear Blast ist es nicht so leicht, an den richtigen Mann dort zu kommen, da das Ganze erstmal durch ein Ticket-System geht.. dennoch denke ich, dass der komplette Katalog bald wieder auf Spotify, iTunes und Co zur Verfügung stehen sollte.

 

HF: Dann bin ich und wahrscheinlich auch Eure alten Fans sehr gespannt was in diesem Jahr noch alles so um Euch herum passiert. Wir wünschen auf jeden Fall nur das Beste und viel Erfolg. Auf dass wir noch lange Spaß an Agathodaimon haben werden.

Sathonys: Vielen Dank- wir hoffen, wir sehen Euch auf dem ein oder anderen Konzert! Vermutlich werden wir im July noch ein kleines Event in meiner Heimatstadt Mainz planen. Näheres in Kürze!

Interview: Marco Gräff

 

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