YOUTH OKAY – Immer noch die gleichen Macken

© YOUTH OKAY

Mit dem Hellfire Quick5 Interview versuchen wir für unsere Leser möglichst interessante Infos aus den Musikern rauszukitzeln, ohne dass sie sich seitenlangen Fragen/Antworten hingeben müssen. Wir vom Hellfire bemühen uns dabei, (mehr oder weniger) kurz und prägnant im Rahmen von 5 Fragen zu agieren (manchmal kann eine Frage auch gedoppelt oder getrippelt sein); den Musikern obliegt es, nach ihrem Gutdünken zu antworten: kurz und knapp bis hin zu ausschweifend und umfangreich.

Diesmal sprachen wir mit den Jungs von YOUTH OKAY aus München, die gerade ihre zweite Single „Supposed To Do“ veröffentlicht haben. Ihr Album „Turns“ erscheint im Herbst dieses Jahres.

HF: Der Name und Sound von YOUTH OKAY ist ziemlich neu, aber als Band seid ihr schon lange eine eingeschworene Gemeinschaft. Als ihr euch zum Neustart entschlossen habt, wusstet ihr da schon wie ihr klingen wolltet – oder nur, wie ihr nicht mehr klingen wolltet?

YO: Es war eine Mischung aus beidem. Zum einen haben wir unsere alte Band Naked Superhero gegründet, als wir noch in der Schule waren. Der Sound, den wir damals produziert hatten, hat sich für uns Stück für Stück nicht mehr nach unserer Musik angefühlt. Zum anderen entstand vor mittlerweile mehr als einem Jahr diese Idee von einem neuen Klang, in der wir für einen neuen Sound unserer Bläser (Posaune und Trompete) mit digitalen Effekten experimentieren wollten. Damals war es wirklich nur ein verrückter Gedanke, aber wir wussten, dass diese neue Art und Weise, unsere Songs zu produzieren, in einem neuen Projekt stattfinden musste. Aus diesem Wunsch ist YOUTH OKAY entstanden. Wir sind nach wie vor erst am Anfang unserer neuen Klang-Technik angekommen, aber wir sehen jetzt schon, wie man mit der Kombination einer menschlich erzeugten Welle und digitalen Synthesizer-Effekten eine komplett neue Klangwelt öffnen kann.

HF: Gibt es eigentlich irgendetwas aus eurer Zeit als Naked Superhero, was ihr auch als YOUTH OKAY weiterführt? Bestimmte Abläufe, Band-Rituale oder vielleicht auch einen alten Lieblingssong, den ihr live weiter im Programm habt? Oder gibt es außer den Bandmitgliedern keinerlei Verbindung mehr zwischen den Bands?

YO: Wir sind immer noch dieselben Menschen mit alten Macken. Wir lassen uns zum Beispiel immer noch unglaublich viel Geld durch die Lappen gehen, weil wir auf regional produzierte Fair-Trade Produkte mit miserablen Gewinnmargen setzen. Aber das ist uns wichtig und davon lassen wir uns auch nicht abbringen. Unser Zusammenhalt und unsere Liebe zur Bühne sind genau so groß wie früher, aber wir wollen etwas ernstere Themen ansprechen. Unserer Meinung nach sollte jeder die Reichweite, die er hat und es ist egal wie groß sie ist, nutzen, um die Welt jeden Tag ein bisschen besser zu machen.

HF: Stichwort „live“, ihr habt ja im Mai eure ersten eigenen Shows als YOUTH OKAY gespielt. Wie fühlte sich das an? Hatte es ein bißchen was vom allerersten Auftritt überhaupt oder konntet ihr routiniert die „alte Hasen“-Karte spielen und nur die Setliste war eine andere als sonst?

YO: Wir waren das erste Mal seit langem wieder richtig nervös. Es hatte etwas von dem ersten Aufritt vor deinen Eltern als kleines Kind in der stickigen Schul-Aula. Egal wie sehr du hinter deinem Produkt stehst, egal wie viel Feedback du dir eingeholt hast, egal mit wie vielen Menschen du an deinem Album über ein Jahr gearbeitet hast – dieser Moment, in dem man sein Werk das erste Mal vollkommen ungeschützt und blank anderen Menschen zeigt, ist einfach nicht zu vergleichen. Und genau dieses Gefühl hat sich unfassbar gut angefühlt. Die Shows waren eine krasse Bereicherung für uns alle, und obwohl nicht immer alles glatt lief und wir nicht die „alten Hasen“ auf der Bühne waren, die wir von uns selbst gewohnt waren, hatten wir das Gefühl, nach ca. 14 Monaten Transformation endlich dort angekommen zu sein, wo wir seit Jahren hinwollten.

HF: Eure neue Single „Supposed To Do“ fühlt sich sehr persönlich an. Kostet es Überwindung, persönliche, teils auch schmerzhafte Erfahrungen in die Musik einfließen zu lassen oder ist es für euch ein guter Weg, Dinge zu verarbeiten? Fühlt man sich bei solchen Songs verletzlich auf der Bühne?

YO: Es ist für mich eine komplett neue Erfahrung, über so persönliche Dinge zu sprechen. Zwar habe ich schon früher Lieder mit einer Aussage oder einem tieferen Inhalt geschrieben, aber meine persönliche Vergangenheit war niemals das Thema der Songs. In „Supposed to do“ und anderen Liedern des Albums habe ich die Vergangenheit mit meiner manisch-depressiven Mutter verarbeitet. Dieser Song handelt genau von dieser Sicht eines Angehörigen, allein gelassen in einer schwierigen Situation, in der man so gerne helfen möchte, aber nicht weiß, wie. Die Frage, „What am I Supposed to do?“, ist dein ständiger, täglicher Begleiter, und durch die Hilflosigkeit entsteht oftmals eine zweite, selbstidentitäre Frage: „What am i supposed to feel?“ Es ist unglaublich schwierig aus dieser Spirale auszubrechen, und oft leiden auch Angehörige von psychisch Kranken stark an dieser Situation. Meine Mutter nahm sich vor einigen Jahren das Leben. Eine Frage geht mir seitdem bis heute durch den Kopf, und ich suche nach wie vor nach der Antwort: „Is it okay that you died? Should I be happy for you now?“
Über diese persönlichen Dinge zu schreiben, ist nicht einfach, und man öffnet Schubladen, die seit Jahren geschlossen und verstaubt waren. Gleichzeitig ist es befreiend, seine Last mit anderen teilen zu können. Auf der Bühne ist es noch einmal etwas anderes. Es ist nicht möglich, mehrmals in einer Woche dieses Thema vor fremden Menschen an dich heran zu lassen. Deshalb ist es wichtig, sich ein Schutzpanzer aufzubauen, den man in einer Live-Situation tragen kann. Natürlich hat dieser Panzer Risse, weil man nie alles zurückhalten kann, aber es hilft dabei meine Geschichte in die Welt zu tragen, um Menschen, denen es im Moment genauso geht wie mir damals, zu zeigen: Du bist nicht allein, lass dich nicht in die Spirale der Selbstzweifel und Schuldzuweisung hinein ziehen, und vor allem, kümmer dich auch um dich selber!

HF: „Turns“ wird im Herbst erscheinen. Was könnt ihr uns schon über das Album verraten und was habt ihr bis zum Release noch alles vor?

YO: Es werden noch mehr Songs kommen, bevor das komplette Album erscheint. Wir arbeiten mit einer unfassbar motivierten Musikvideo-Crew zusammen, mit denen wir ein Gesamtkonzept erstellt haben, um mit den kommenden Releases eine kleine Geschichte zu erzählen. Schaut einfach regelmäßig bei uns auf Facebook, Instagram und YouTube vorbei, um immer wieder etwas Neues zu entdecken. Außerdem werden wir neben der klassischen CD und Schallplatte noch eine neue Form von Release ausprobieren, die einen starken visuellen Fokus hat. Wir sind schon sehr gespannt, wie das bei euch ankommt!

HF: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen euch für die Zukunft alles Gute und freuen uns auf euer Album.

Interview: Katja Maeting

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