W:O:A – Wacken Open Air, Tag 2, Donnerstag 04.08.2022

(Bildergalerien der Konzerte über Link bei den Bandnamen erreichbar)

 

Ludicia aus Indonesien

Den Donnerstag läute ich entspannt mit Torfrock auf der Louder Stage ein. Der Vierer ist hier im Norden Kult, und keiner kommt auch nur auf den leisesten Gedanken, dass die plattdeutschen Texte mit der rockigen Mucke eventuell in Wacken fehl am Platze sein könnten. Ein paar Tage später sieht das bei den Höhnern allerdings anders aus; aber dazu später.
Torfrock machen Spaß, nehmen sich und ihr Publikum nicht allzu ernst und rocken die zahlreich erschienen Fans auf leichte Betriebstemperatur. 
Meine Meinung: warum denn nicht!

Ludicia aus Indonesien zeigten auf der Headbanger Stage, dass es eigentlich egal ist, ob Death Metal/Deathcore aus England, Deutschland, den USA oder Indonesien kommt. Die Musik verbindet und schlägt Brücken. Lediglich das Outfit mit den traditionellen indonesischen Gewändern der 2019 gegründeten Band machte deutlich, dass es sich bei Ludicia um eine fernöstliche Band handelt.

Auf der Wackinger Stage spielten anschließend Reliquiae aus Wallenhorst. Bisher ist die Band komplett an mir vorübergegangen, und nur auf das erneute Drängen meines Kollegen Stefan Haarmann machte ich mich zur Bühne auf.
Angenehm überraschte mich dann die Band, nicht nur musikalisch, sondern vor allen Dingen auch optisch. Für einen Fotografen sind Reliquiae ein Muss.

Thundermother: DIE Abräumer

Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich Thundermother aus den unterschiedlichsten Gründen auf Tour verpasst habe. Es ist ja nicht so, dass die Schwedinnen recht selten touren. Eigentlich sind sie dauernd unterwegs, und selbst die Pandemie Restriktionen konnten das Quartett kaum bremsen.
In Wacken sollte es endlich soweit sein; und die Vorfreude wurde in keinster Weise getrübt. Die Mädels sind (nicht despektierlich gemeint) wahre Tiere auf der Bühne und somit nicht nur musikalisch, sondern auch in Bezug auf das Stageacting ein Volltreffer.

Mister Misery: Anwärter auf die Hauptbühnen

Die größte Überraschung beim W:O:A waren  für mich definitiv Mister Misery. Musikalisch voll auf meiner Wellenlänge, überboten die Schweden auch alles, was optisch Kamera schmeichelte. Dass die Band lediglich auf der W:E:T Stage spielte, war für mich eine Fehlentscheidung. Das nächste Mal gehört die Band definitiv auf eine der drei großen Bühnen!

Für mich war das Konzert von Cirith Ungol auf der Faster Stage Plicht; schließlich genießt die 1972 (!!!) gegründete Band aus Ventura Kalifornien Kult Status. Der Doom der Jungs ist nicht so ganz mein Ding; leider war die Show bis auf Basser Jarvis Leatherby (Night Demon) sehr statisch. Auf alle Fälle einen Haken mehr auf meiner Bucket List.

Die Black Metaller Mork legten anschließend die Headbanger Stage in Schutt und Asche. Ein derber Auftritt, der jede Menge Headbanger vor die Bühne lockte.

Zur Zeit touren Grave Digger im Powermodus und machen einiges an verlorenem Corona-Boden wieder gut. Wacken, mit der großen Harder Stage, war für die Totengräber genau der richtige Platz, um sich zu präsentieren. Mit dabei im Gepäck, wie schon beim Rock Hard Festival Pfingsten, die Baul Muluy Pipes And Drums.
Leider war die Harder Stage in Wacken so hoch, dass man kaum die Möglichkeit hatte, die Dudelsackspieler und Trommler zu sehen und zu fotografieren. Ganz zu schweigen von Banddrummer Marcus Kniep, der irgendwo im Nirgendwo der Bühne unterging.
Der Set der Band kam gewohnt energiegeladen und mit jeder Menge Spaß an der Arbeit rüber; eigentlich so, wie man es von Grave Digger gewohnt ist.

Ob 18:00 Uhr für Rose Tattoo einfach zu früh ist, um auf die Bühne zu gehen? Wer weiß. Jedenfalls machten die Tatts allesamt einen nicht wirklich motivierten Eindruck, als sie auf die Louder Stage krochen. Und obwohl die Songauswahl klasse war und auch spieltechnisch alles sauber rüberkam, wirkten die Australier alles andere als motiviert. Vielleicht sollten die Macher des W:O:A für Angry Anderson und Co beim nächsten Mal ein Zeit Fenster um Mitternacht freihalten.

Herr Dirkschneider: eine Bank für geile Unterhaltung

Was den jetzt: Dirkschneider, U.D.O., Dirkschneider and the Old Gang oder Udo Dirkscheider?!?
Ist doch scheißegal, denn wenn Herr Dirkschneider himself mit welcher Formation auch immer auf der Bühne steht, geht’s ab wie Schmitz Katze. Und dass Udo die Grenzen zwischen U.D.O. und Dirkschneider aufgeweicht hat, ist das Beste, was er tun konnte. Getreu Konrad Adenauer scheint sich der Herr mit der Reibeisenstimme zu denken: „was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“ und spielt alte Accept Songs gemischt mit Tacks der späteren Karriere.
Und so brennt die komplette Band ein Feuerwerk ab, wie man es selten gesehen hat. Diese Formation ist in meinen Augen die beste Konstellation, die Udo jemals um sich geschart hat. Und so gingen auch zehntausende vor der Bühne ab, als gäbe es kein morgen, klasse!!!

Das skurrilste Konzert ever lieferten Guardians Of Asgaard aka Amon Amarth. Lediglich im Netz vorab als Live Stream angekündigt, wusste niemand bis ein paar Stunden vorher, dass die Schweden einen geheimen Gig unter dem Wacken Schädel zwischen der Harder und Faster Stage spielen würden.
Fotografen waren zugelassen…. Nur, vom Fotograben war höchstens mal in schwindelnder Höhe ein Kopf der Musiker zu sehen. Aus dem Infield ging es etwas besser. Das war aber so proppe voll, dass man einfach nicht für vernünftige Fotos nah genug an die Bühne kam.

Mercyful Fate: Zeitreise in die Achtziger

Mercyful Fate standen schon von Anfang an auf meiner Foto-Wunschliste für Wacken. Ich hatte zwar befürchtet, dass es aus irgendeinem Grund dann doch nicht klappen würde, aber alle Bedenken umsonst.
Als ich 1982 die EP von Mercyful Fate kaufte, faszinierte mich von Anfang an der einzigartige Gesang von King Diamond. Alle vier Songs sind heute noch meine Mercyful Fate Lieblingsnummern; entgegen der einhelligen Meinung vieler Kollegen, waren die folgenden Alben „Melissa“ und „Don’t Break The Oath“ für mich musikalisch geradezu nichtssagend.
Dass ich die Band nun live erleben und auch fotografieren konnte, war die Erfüllung eines Traumes. Die Show war klasse, auch, und vielleicht gerade, weil King Diamond’s Stimme extrem polarisierte. Viele, besonders jüngere, Leute konnten mit dem Gesang nicht viel anfangen. Für mich eine Zeitreise in die frühen Achtziger.

 

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