Übergang – Auf Erfolg zielen wir es überhaupt nicht ab

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Mit dem Hellfire Quick5 Interview versuchen wir für unsere Leser möglichst interessante Infos aus den Musikern rauszukitzeln, ohne dass sie sich seitenlangen Fragen/Antworten hingeben müssen. Wir vom Hellfire bemühen uns dabei, (mehr oder weniger) kurz und prägnant im Rahmen von 5 Fragen zu agieren (manchmal kann eine Frage auch gedoppelt oder getrippelt sein); den Musikern obliegt es, nach ihrem Gutdünken zu antworten: kurz und knapp bis hin zu ausschweifend und umfangreich.

Diesmal sprachen wir mit Sebastian Walkenhorst, Sänger der Band Übergang, die am 31. Mai 2019 ihr neues Album „Evolution“ veröffentlichen.

HF: Herzlichen Glückwunsch zu eurem Album. Mein erster Gedanke beim Hören war: ich habe keine Ahnung, was ich da bei Genre-Bezeichnung eintragen würde. Wie würdet ihr selber eure Musik beschreiben und wie kommt diese Mischung zustande?

Sebastian: Vielen Dank, wir freuen uns über das Interview. Nun, die Sache mit dem „einordnen“ verfolgt uns seit Tag 1 und wir selbst tun uns da auch ein bisschen schwer. Vor allem da wir uns ja nicht hingesetzt haben und gesagt haben: wir wollen jetzt das und das spielen und sind dann eine … (setze beliebiges Genre ein) Band. Die Musik und der Sound entstanden beim Songwriting und wenn jemand mich fragt, würde ich sagen: wir spielen modernen Metal mit Hardcore Kante/Attitüde.

HF: Mit welchem eurem Songs, egal von welchem Album, würdet ihr euch jemandem vorstellen, der noch nie etwas von euch gehört hat? Warum ausgerechnet dieser Song?

Sebastian: Hm, aus dem Stegreif sage ich jetzt „Im Auge des Sturms“. Der Song ist melodiös und hat Singalongs im Chorus, hat einen feinen Blast-Teil und die Strophen sind sehr im klassischen Crossover Stil gehalten. Fast schon poppig die Nummer, aber durch die Blastbeats auch sperrig. Fragst Du mich morgen nochmal, würde ich wahrscheinlich einen anderen Titel nennen.

HF: Als nächstes dann natürlich unvermeidlich die Frage: warum eigentlich deutsche Texte? Neben der wahrscheinlichen Verringerung der potenziellen Hörerzahl, ist es nicht auch schwerer mit deutschen Texten, weil reines Füllmaterial sofort auffällt?

Sebastian: Mit englischen Texten würde ich mich nur halb so wohl fühlen, da mir da einfach die Wortspielerei fehlen würde. Sagen wir es so: ich als kompletter Fan von vielen verschiedenen Bands und Platten erwische mich oft dabei, dass ich so manche deutschen Bands aufgrund des schwachen englischen Textes und dadurch fehlenden Tiefgangs einfach nicht hören kann. Ich verstehe, was sie ausdrücken wollen, aber auf Deutsch hätten sie wahrscheinlich weitaus mehr auslösen können. Und das möchte ich über ÜBERGANG einfach nicht hören. Dadurch habe ich als Texter auch nicht die Möglichkeit, so etwas wie „Füllmaterial“ in den Songs zu verwenden, sondern bin gezwungen, meine Worte immer und immer wieder zu überdenken. Nur so entstehen m.E. tiefgehende Songs mit Ausdruck.
Eine Verringerung der potenziellen HörerInnen sehe ich da überhaupt nicht, es gibt ja viele erfolgreiche Bands, die es vorgemacht haben. Und auf Erfolg zielen wir es überhaupt nicht ab, denn dann würden wir ja aus Berechnung Punk-Pop-Rock oder sowas machen.

HF: Bezieht sich der Albumname eigentlich auch auf die Veränderungen in der Band? Ihr musstet ja zwischen euren beiden Alben Besetzungswechsel verkraften. Ist Übergang in der aktuellen Form eine Version 2.0 oder eine komplett neue Band im Vergleich zu eurem Debütalbum?

Sebastian: Der Titel „Evolution“ kann aus dem von Dir Beschriebenen interpretiert werden, ist aber durch die Texte des Albums und die behandelten Themen für mich auch ein bisschen eine Bestandsaufnahme, wo die Gesellschaft in der wir leben müssen, sich gerade befindet und was da vor sich geht um uns herum. Ich benutze dazu gerne eine Metapher: Möchtest Du das Nashorn in der Steppe sein, welches sich am Ende auf der Liste bedrohter Tierarten sieht oder doch ein Rind? Dieses hat sich, u.a. mit Schweinen und Schafen, zwar evolutionär durchgesetzt, aber zu welchem Preis? Dafür dass es ein Leben voller Leid und Qualen ertragen muss. Wir leben auf einem einzigartigen Planeten und die Menschheit hat es, seit sie sesshaft geworden ist, nicht geschafft, im Einklang mit der Natur zu leben. Jedes Lebewesen der letzten 100.000 Jahre, welches unseren Weg kreuzte und uns was zu bieten hatte, starb aus oder wurde versklavt. Und es scheint für alle selbstverständlich zu sein bzw. wird totgeschwiegen. Dazu die Probleme untereinander: Ausgrenzung, Faschismus, Rassismus, Sexismus, Homophobie, totaler Kapitalismus usw. Niemand gönnt jemandem etwas. Moralisch betrachtet sollten wir von diesem Planeten gefegt werden, aber die „Evolution“ kennt keine Moral, hier geht es einfach um Naturgesetze, nüchtern und ohne Gefühle.

HF: Nachdem ihr u.a. wegen der Veränderungen in der Band nach dem Release eures Debüts nicht wirklich oft live zu sehen wart, wird sich das nach der Veröffentlichung von „Evolution“ ändern?

Sebastian: Das ist der Plan. Wir spielen überall dort, wo mensch uns sehen möchte. Die ersten Shows sind gebucht und auch Touren sind in Planung.

HF: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen euch für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg mit eurem Album.

Interview: Katja Maeting

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