Traced By Enemies – Man kann es nie allen recht machen

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Traced by Enemies haben in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon einige Hürden nehmen müssen. Am 06. April 2018 erscheint ihre zweite EP „Where The Sun Turns Grey“, mit der sie bei mir einen äußerst guten Eindruck hinterlassen haben. Natürlich habe ich da direkt die Gelegenheit genutzt, die Band im Interview zu löchern. Sänger Dennis Stahl war so nett, meine Fragen zu beantworten.

HF: Herzlichen Glückwunsch zu eurer neuen EP. Ihr habt „Where The Sun Turns Grey“ im Mega Blaster Studio von Timo Bonner (Our Mirage) aufgenommen. Kanntet ihr euch schon vorher oder war das eher eine „zufällige“ Wahl? Wie verlief die Zusammenarbeit und welche Erfahrungen habt ihr für euch daraus mitgenommen?

Dennis: Hallo und danke erst mal. Wir haben “Monuments”, das erste Lied der EP  – damals noch als Single gedacht – vor fast einem Jahr aufgenommen. Timo kannten wir vorher nur von seinen Produktionen, als wir uns nach Studios umgeschaut haben. Seine Arbeit ist sehr akkurat und durchdacht, gleichermaßen gibt er seinen Produktionen auch seinen unvergleichlichen kreativen Stempel. Wir waren so beeindruckt von ihm, dass wir direkt nach der Single sagten, dass wir eine komplette EP bei ihm einspielen möchten.

HF: So ein Aufnahmeprozess ist ja immer eine ziemliche Belastung. Zusätzlich musstet ihr in der Zeit auch noch den Ausstieg zweier langjähriger Bandmitglieder auffangen. Wie sehr hat sich das auf euch als Band ausgewirkt? Sowohl im Hinblick auf die eingespielte Einheit, die eine Band ja sein sollte als auch vielleicht musikalisch?

Dennis: Nun ja, es hat uns natürlich erst mal gebremst, finanziell und auch ein bisschen die Stimmung. Direkt an dem Abend, als die beiden uns verlassen haben, haben wir uns jedoch gesagt, dass wir weitermachen, da wir schon zu weit gekommen sind, um damit aufzuhören. Wir haben unseren jetzigen Drummer kontaktiert und ihn direkt eingearbeitet. Der Bass kommt nun vom Band mit dem Backing Track. Dan ist mit dem Schreiben der Drums sehr vertraut und weiß, wo welcher Schlag wann kommen muss. Das hat uns beim Schreiben der Demos für die EP, so wie beim Recording sehr geholfen. Außerdem passt es auch persönlich. Generell würde ich sagen, dass wir nun noch ungehemmter sind, ohne jemals eingeschränkt gewesen zu sein.

HF: Ihr habt in den vier Jahren eurer Bandgeschichte schon gegen mehr Widerstände ankämpfen müssen als „gleichalte“ Bands, habt aber auch schon zwei EPs herausgebracht. Was ist für euch die Motivation, immer weiter zu machen? Gibt es vielleicht spezielle Momente / Erlebnisse, die euch vorantreiben?

Dennis: „Was uns nicht tötet, macht uns nur härter.” Ich möchte es nicht so ausdrücken, aber irgendwie passt der Spruch gerade. Es macht uns einfach Spaß. Wenn wir zusammen auf größere Konzerte gehen, finden wir Sachen, die wir besser machen können und sagen uns „da will ich auch mal hin!”. Wir werden in letzter Zeit aus mehreren Teilen der Welt angeschrieben – und irgendwann müssen wir uns den Leuten doch auch mal vor Ort zeigen können.

HF: Ein Ergebnis vergangener Besetzungswechsel war, dass du die Vocals übernommen hat. Stand das damals direkt für euch fest? War das eher so der Wurf ins kalte Wasser oder gab’s da schon Vorerfahrung in diese Richtung?

Dennis: Nee, ich war vorher schon in einer Band als Frontmann aktiv. Ich habe diese Band als Gitarrist mitgegründet, weil ich auch einfach mal an der Gitarre auf der Bühne abgehen wollte. Als wir uns dann aber von unserem damaligen Sänger – rückblickend leider sehr unsanft – getrennt haben, brauchten wir kurzfristig einen neuen Sänger. So habe ich dann die Gitarre wieder gegen das Mikro getauscht.

HF: Orientiert ihr euch eigentlich an Vorbildern? Nicht nur musikalisch innerhalb der Core-Szene, sondern vielleicht auch generell an anderen Künstlern/Persönlichkeiten?

Dennis: Natürlich, wer macht das nicht? Der tragischerweise verstorbene Tom von Architects, Corey Taylor von Slipknot/Stone Sour, alle Jungs von The Ghost Inside – es gibt so viele gute, beeindruckende Menschen in der Szene. Man sammelt sich quasi von jedem etwas und macht das beste daraus.

HF: Ihr nehmt bei euren Texten nicht immer ein Blatt vor den Mund und auch sonst habe ich den Eindruck, dass ihr kein Problem damit habt, eure Meinung klar zu vertreten. War das auch eine Motivation, um mit der Musik anzufangen? Wie sehr eckt man als Musiker an, wenn man eine (kritische) Meinung äußert?

Dennis: Textlich bin ich schon immer gerne provokativ aufgetreten, was selbst innerhalb der Band(s) als durchaus kontrovers empfunden wurde. Man kann es nie allen recht machen und manchen (Faschos, Nazis, homophobe Ungestalten, …) möchte man es erst gar nicht recht machen. Wenn man mit jemanden einfach keine Sympathie aufbauen kann, dann ist das leider so. Aber solange man uns (Achtung: Schleimspur!) wie ihr freundlich begegnet, sehen wir keinen Grund, jemanden nicht freundlich zu behandeln.

HF: Am 07. April ist die Release-Party für „Where The Sun Turns Grey“. Wie konkret sieht die weitere Planung für 2018 schon aus? Und aus persönlicher Neugier: Wie stehen die Chancen, dass es beim nächsten Mal ein komplettes Album gibt?

Dennis: Ganz klar, abrackern und nicht stagnieren. Und wir können dich erfreuen: wir planen als nächstes ein Album. Es soll sogar etwas düsterer werden und wir rechnen derzeit damit, dass wir Timo damit wieder auf den Keks gehen möchten.

HF: Vielen Dank für eure Zeit. Wir wünschen euch für die Zukunft alles Gute und vor allem viel Erfolg mit der neuen EP.

Dennis: Allerherzlichsten Dank! 🙂

Interview: Katja Rohloff

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