Till Lindemann steht für das Projekt Heldmaschine nicht zur Verfügung

© Think-Tank-Art for Heldmaschine

 

Die Koblenzer Industrial / NDH Band HELDMASCHINE veröffentlichte vor einer Woche ziemlich überraschend ihr bereits fünftes Album “Im Fadenkreuz” (Review). Grund genug für das Hellfire-Magazin, um mit der Band in deren Tourbus vor ihrem Auftritt letzten Samtag in Duchroth bei “Rock uffm Bersch” übers Album, die Vergangenheit und die besonderen Fans zu reden.

 

HF: Hallo Jungs. Da habt Ihr mich ja eiskalt erwischt, einfach mal so ohne Vorwarnung das neue Album IM FADENKREUZ zu veröffentlichen. Ich hatte eigentlich ganz andere Fragen vorbereitet, doch nun müssen wir natürlich mehr übers neue Album sprechen. Ihr seid damit seit zwei Tagen auf Tour. Am Donnerstag München, gestern Jena, heute Duchroth. Eine Steigerung der Locations ist klar erkennbar 😉 Doch ernsthaft. Wie waren die ersten beiden Auftritte und wie kommen die neuen Songs bei den Fans an? Was erwartet Ihr Euch jetzt von der Tour?

René: Also die neuen Songs kommen erstaunlich gut an. Man weiß immer nicht so genau, wie kommt das jetzt an. Es ist ja bei vielen Bands so, wenn die sich eine bestimmte Richtung ändern , dass einem die Fans das übel nehmen. Aber bei uns ist es irgendwie so gewesen, dass jeder einzelne Song wirklich gefeiert wurde, von Anfang bis zum Ende.
Dirk: Und das obwohl die Leute die Songs noch nicht mal gekannt haben. Normalerweise ist es ja so , dass die Platte vorher rauskommt, und dann kennen es die Leute zumindest schon mal ein bisschen. Und da war es gerade in München so wie ins kalte Wasser. Da kannte ja niemand die Songs, es war ja Veröffentlichungstag. Da hat man schon zuerst mal Fragezeichen gesehen, aber dann wurde es richtig gefeiert.

 

HF: Wieso diese Überraschung? War das von Anfang an so geplant oder hat sich das letzten Endes so ergeben, „Volles Brett“ im März war ja auch mehr oder weniger aus der Not geboren.

René: Uns ist natürlich bewusst, dass das Promomäßig natürlich ein totaler Reinfall ist, wenn Du irgendwie auf Tour gehst und keinem was davon sagst, dass da eine neue Platte kommt. Aber uns war es dann irgendwie wichtiger die Leute zu überraschen um zu sehen wie kommen die neuen Songs an, wenn die Leute das zum ersten Mal hören. Das war die Intension dahinter, und wir als Heldmaschine können das ja auch so machen, da wir keine Plattenfirma hinter uns haben, die uns sagt wie wir das zu machen haben. Die Chartzahlen können wir mit dieser Vorgehensweise nicht erreichen, aber am Ende sind das auch nur Zahlen die einem nix bringen. Und deshalb war es uns das dann mehr wert die Leute zu überraschen.
Wir sind ja auch im März schon auf Fadenkreuztour gegangen und die Leute dachten wir hätten die neue Platte im Programm, aber dadurch, dass ich mein Studio komplett neu eingerichtet habe, hat sich das am Ende natürlich auch deswegen raus gezögert. Und am Ende ist uns dann dieser Einfall gekommen, dass wir das dann so machen und es wird auch super angenommen. Die Leute sind wirklich überrascht.

 

HF: Nun ist das Album also da. Es ist unverkennbar ein Heldmaschine Album geworden, leider sehen das immer noch nicht alle so und führen wieder und wieder die alten Vergleiche auf. Mit einem bestimmten Song habt Ihr nun erneut, ohne dass Ihr das eigentlich müsst, konkret, direkter als noch auf „R“ aber auch mit einem fetten Augenzwinkern darauf reagiert. Wie kam es konkret dazu, und vor allem zum Songtitel?

Dirk: Wir haben uns gedacht, wenn immer alle sagen „Klingt wie Rammstein“, machen wir doch mal einen Song, der wirklich wie Rammstein klingt.
René: Eigentlich war es ja andersrum. Tobi kam mit dem Song um die Ecke und ich hab den dann eingesungen. Nur meinte dann unser Produzent (Tom Dahms – Anm.) das können wir nicht auf die Platte bringen, das ist zu nah an Rammstein dran. Der Song sollte ursprünglich ja heißen „Alles fliegt in die Luft“. Das hat uns aber so gewurmt das Tom dagegen war, weil der Song eigentlich schon geil ist. Und da wir ja keine Plattenfirma haben und wir die Heldmaschine sind, dann kam der Vorschlag, nennen wir den Song einfach „Klingt wie Rammstein“. Um direkt zu sagen, okay so isses halt.
Tobias: Dann haben wir noch gefragt ob jemand anderes den Song einsingen würde für uns…
René: Ich hab dann tatsächlich das Rammstein Management angeschrieben, und hab gefragt ob Till Lindemann zufällig Lust hätte die Strophen einzusingen, als Antwort kam dann aber: “Till Lindemann steht für das Projekt „Heldmaschine“ nicht zur Verfügung, wir hoffen auf Dein Verständnis.” (Lacht)
Dirk: Sehr nett geschrieben, aber wir haben gefragt.

HF: Immerhin kam ne Antwort.

Dirk: Aber wir haben gefragt 😉 Dann hat’s der René gemacht und ich finde, das ziemlich gut. Er hat den Till Lindemann würdig vertreten.
René: (lacht) aber ohne es zu wollen. Wir haben den Song vorproduziert, dann stand die Nummer, so wollen wir ihn haben und dann sagen alle, klingt ja voll wie Lindemann, geht ja gar nicht. Aber warum denn nicht? Dann nennen wir den Song einfach so und fertig.

 

HF: Und noch ein Song fiel mir gleich besonders auf. MASCHINENLIEBE klingt im ersten Moment eher wie ein in Auftrag gegebener Remix. Vielleicht könnt Ihr mir dazu ein paar Worte sagen und dürfen wir in Zukunft mehr solcher Songs erwarten.

René: Das war eigentlich Zufall. Eine alte Idee von mir die ich mal wieder rausgekramt hatte. Und dann wirkte der Song anders als zuvor. Und völlig fremd ist der Sound der Heldmaschine ja auch nicht. Dann hatten wir einfach mal Bock einen rein elektronischen Song ans Ende des Albums zu packen. In der Vergangenheit gab es ja schön öfter so Specials am Ende, denkt man an „La Paloma“, „Propaganda“ oder auch „Roboter“.

 

HF: Okay. Wie schafft Ihr es eigentlich immer wieder Euch beinahe jedes Wochenende auf die Bühne zu stellen. Gerade René, Tobi und Dirk, die Ihr ja auch noch mit einer anderen Band eigentlich ganzjährig unterwegs seid. Woher nehmt Ihr die Motivation? Oder ist das mittlerweile Routine? Es ist ja nicht so, dass Ihr zwischen den einzelnen Gigs, die meist am Wochenende sind, frei habt.

Dirk: Also Routine ist es immer noch nicht. Natürlich gibt es ne Routine im Ablauf, klar. Aber jeder Gig ist irgendwie immer wieder frisch und neu und gerade jetzt, wo die Platte quasi auf diese Art raus gebracht haben, ist es natürlich total neu für uns. Also mir geht es so und ich glaube ich spreche für alle, wir sind echt nervös gewesen. Also so richtig. Und es war das erste Mal wieder so wie ganz am Anfang als wir angefangen haben Musik zu zu machen, das erste Mal auf die Bühne geht, weil man nicht weiß was erwartet einen eigentlich. Nehmen es die Leute an oder oder eben nicht.
(Marco kommt dazu, Eugen schläft weiter in der Kabine 😉 )

 

HF: Wenn ihr jetzt so die letzten fünf bis sechs Jahre Revue passieren lasst, wie sehr seid Ihr mit dem bisherigen Weg zufrieden? Was bereut Ihr, was hättet Ihr lieber anders gemacht und was macht Euch am meisten Stolz?

René: Also natürlich hatten wir einen steinigen Weg in den letzten Jahren, aber Bereuen kann man glaube ich nicht sagen. Ob man was besser machen würde kann man auch nicht sagen, weil ich finde, durch den Weg lernt man, und wenn man ja vorher alles besser wüsste, würde man ja nix dazu lernen. Und der Weg macht auch Spaß, man entwickelt sich ja auch. Man bekommt sein eigenes Gesicht und geht dadurch gerade auf die Bühne und nicht geduckt wie vielleicht in der Anfangszeit. Wir können schon sagen, dass wir stolz sein können, auf das was wir bisher erreicht haben. Auch was so auf den Festivals passiert. Was mir besonders aufgefallen ist, aufm M’Era Luna haben wir im Hangar gespielt der aus allen Nähten geplatzt ist und selbst draußen die Leute noch auf der Leinwand geguckt haben. Auch beim Volle Kraft Voraus Festival wo wir als Opener gespielt haben. Uns wurde gesagt, dass die Halle zu Beginn noch nie so voll gewesen sei. Wir werden also akzeptiert und angesehen und das macht dann einen schon stolz, klar. So klettern wir die Leiter also weiter hoch. Stück für Stück.

 

HF: Am Schluss bitte ich Euch noch ein paar Worte an Eure loyalen Fans und an alle die zu richten, die es noch werden sollen. Warum sollten sie in den nächsten drei Wochen unbedingt eines Eurer Konzerte besuchen?

Dirk: Als erstes, weil es die neue Platte natürlich um die Ohren gibt, wir haben eine Menge Überraschungen, eine sehr, sehr coole Show vorbereitet und wir freuen uns über jeden der kommt, egal ob alt oder neu. Die Heldmaschine Family wächst und wächst und das ist toll zuzuschauen. Und auch Mega cool was für Aktionen teilweise die Leute sich einfallen lassen, das ist wirklich der Wahnsinn, hab ich so noch nie gesehen, noch nie erlebt und ich bin schon stolz so ein Teil dieser ganzen Heldmaschine Family zu sein.
René: Gestern zum Beispiel sind „R“-Konfetti auf die Bühne geflogen, jedes Mal ist irgend etwas anderes, und denkst nur „WOW“ . Die Leute machen sich Gedanken , die überraschen uns so wie wir sie überraschen wollen.
Dirk: In München waren Leute aus Finnland, die extra zu dem Konzert gekommen sind, unfassbar. Oder in Jena waren Gäste aus der Schweiz eingeflogen. Das ist ein geiles Gefühl, zu wissen, da sind Leute, die wissen das zu schätzen.
René: Uns freut es auch immer, wenn wir Leute berühren mit unserer Musik, egal in welcher Richtung. In den letzten paar Tagen waren Leute dabei, die haben gesagt, sie hätten geheult bei dem und dem Song. Das ist halt geil. Wenn du Leute wirklich berührst, wo sie sich wieder finden. Das ist wohl auch der Grund, wieso uns gerade die alten Fans, die von Anfang an dabei sind, uns schätzen und wir auch sie schätzen. Die haben unseren ganzen Weg gesehen und sind den auch mitgegangen und haben uns mitgetragen. Das vergessen wir natürlich auch nicht. Weil ohne die Fans hätte es auch natürlich nicht geklappt. Das ist unser Sprit, damit die Maschine läuft und so ist es immer gewesen und so ist auch heute noch und dafür ein besonderer Dank.

 

HF: Dann wünschen wir euch für den Auftritt heute und die nächsten drei Wochen viel Erfolg und ne Menge Spaß!

Interview: Marco Gräff

 

Line-Up:

René Anlauff – Gesang
Tobias Kaiser – Gitarre
Eugen Leonhardt – Gitarre
Marco Schulte – Bass
Dirk Oechsle – Drums

 

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