Riccochet: Es an der Zeit, Neues entstehen zu lassen

© Riccochet

Unlängst hat Kollege Jürgen die Band Riccochet und ihr neues Album „Lovers & Sinners“ vorgestellt. Das Album wurde in der Besetzung Peter Wendland-git., Andy Malm-voc., Rolf Sander-bs., Michael Stil-key./ham., Jürgen Stephani-dr. eingespielt und ist für Jürgen Riccochet‘s beste Veröffentlichung.
Ein feines Hardrock-Werk, aus dem man die Vorbilder der 70er Jahre heraushört, die aber kein bisschen „unmodern“ klingt. Gitarrist Peter erzählt uns alles über dieses feine Album.

 

HF: Hallo Peter, lange nichts von euch gehört! Ihr wart aber in der Pandemie nicht untätig, sondern habt eine neue CD eingespielt.

Peter: Nun, die Welt ist im Wandel. Andy und ich haben viel Energie in unsere Kinder und andere Dinge, die uns das Leben gebracht hat, gesteckt. Nun war es an der Zeit, mit Kreativität und Mut an die Sache zu gehen und Neues entstehen zu lassen.

 

HF: Neben dir und Andy hast du neue Musiker an Bord; wie bist du an diese gekommen, Rolf Sander spielt nur die CD (früher schon CD eingespielt), wer ist da nun der Live-Bassist?

Peter: Jürgen „Poppel“ Stephani, der Drummer, ist ein sehr liebenswerter Mensch und klasse Musiker, mit einem unglaublichen Groove. Wir haben vor vielen Jahren in Andernach miteinander Musik gemacht, uns über die Jahre aus den Augen verloren, und dann hat uns das Leben wieder zusammengeführt. Er hat eine Trommelschule in Andernach und spielt noch in weiteren Bands (Captain P, One).
Rolf Sander war so gut und hat uns bei dieser CD ebenfalls geholfen. Diesmal hat er uns mit seinem magischen Spiel und seinem pre-CBS Bass in den Bann gezogen. Ein wahnsinnig toller Musiker und Mensch. Ich danke ihm von Herzen für diesen glücklichen Moment.
Michael Stiel, der Mann, der mit einem Fußtritt, die ganze Luft in einem Raum wirbeln lässt ;-). Mik arbeitet mit Achim Ludwig zusammen. Ich habe ihn angesprochen, da wir ein paar Songs zusammen hatten und wir unsere Idee des Vintage-Rock umsetzen wollten. Außer alten Gitarren und Amps gehört da auch einfach eine echte (fette) Hammond dazu. Mik ist ein begnadeter talentierter Organist mit einem guten Feeling und entsprechendem musikalischen Know-how. Und wie sollte es anders sein, auch er ist ein toller Mensch.
Luisa Lehnberg ist eine sehr begabte kreative junge Sängerin aus Köln, mit der ich auch in einem anderen Zusammenhang Weihnachtslieder und mittelalterliche Lieder spiele. Sie lebt Musik mit einer Wahnsinnsstimme! Als ich sie fragte, ob sie die Backingvocals singen möchte, war sie direkt dabei! Sie überzeugte sogar Andy voll und ganz, was nicht einfach ist. Ich hoffe, sie auch für Live-Auftritte dabei haben zu können.
So passte es und fügte sich mit allen zusammen.
Jorgo Siochos ist nun unser fester Bassist. Er spielte bereits mit uns vor vielen Jahren. Karsten Drexler führte uns zusammen. Jorgo ist ein temperamentvoller Bassist und unser Videospezialist. Er hat unser aktuelles Video zu Pretender geschnitten. Das war kein einfacher Job, da zuvor jemand anderes mit uns ein Videoprojekt gestartet hat und mitten im Prozess ausgestiegen ist. Dank Jorgo, konnte es somit zu einem Ergebnis gebracht werden.
Auch Jorgo ist ein besonderer Mensch, den ich ebenfalls wie die anderen sehr schätze.

 

HF: Sehr positiv ist mir der Sound von Michael Stiels Hammond-Orgel aufgefallen, das alte Deep Purple-Duell (Lord/Blackmore)?

Peter: Wart mal ab, was die Zukunft noch bringt. Wir arbeiten schon wieder an neuen Songs. Es ist ein glücklicher Moment, mit Michael zu spielen, seiner schönen alten C3 Orgel zu lauschen.
Da gibt es eine schöne Gemeinsamkeit. Seine Orgel ist von 1965 und ich habe auch eine Stratocaster aus diesem Jahr.
Nur duellieren wir uns nicht. Ich würde es eher so bezeichnen, dass wir uns die Bälle zuspielen.

 

HF: Man hört eure Vorbilder heraus, aber ich finde, ihr klingt hier viel eigenständiger als früher, nie als Kopie oder altmodisch, ein frischer Sound. Wichtig?

Peter: Hmm. Danke für das Kompliment.
Na, einen frischen Sound machst Du, wenn Du weißt, dass alle so spielen, dass die Musik nach vorne kommt, Dein Instrument Dich inspiriert und Du Freude an dem hast, was du tust. Es ist ein Geschenk und dieses ist zu würdigen.
Poppels Drums, Michaels Hammond und der alte Fender-Bass – ja, das berührt mich!

 

HF: Konntet ihr zusammen aufnehmen oder ist vieles einzeln eingespielt und dann beim Mix zusammengesetzt worden?

Peter: Wir nehmen, soweit es geht, live auf. Das ist ein besseres Feeling. Das machen wir meist bei mir im Wohnzimmer. Dann muss das Sofa temporär für das Schlagzeug weichen. Bei der schweren Hammond müssen wir einen Kompromiss finden. Da fahre ich zu Michael nach Hause und nehme sie dort auf. Für die Sessions hat er eine leichte digitale Orgel. Das analoge schwere Monstrum bringt aber mehr seine musikalische DNA hervor.
Die Gitarrenamps stehen dann im Keller und Schlafzimmer. Alles alte Röhrenamps. (Marshall, Fender, Hiwatt, etc.). Ich greife da auf mein Gitarren und Amp „Museum“ zurück.
Da stecken Jahrzehnte Sammelleidenschaft drin.
Jorgo spielt über einen Studio-Röhrenpreamp direkt in den Rechner, da ich keinen weiteren Raum für einen Bassamp habe.
Gesang kommt dann nachher dazu. Ich habe keine Gesangskabine im Wohnzimmer.
Percussion und andere exotische Instrumente (Gong, Monochord, Klangschalen, etc.) nehme ich später in meiner musiktherapeutischen Praxis auf.

 

HF: Habt ihr das meiste im Proberaum/Homestudio aufgenommen, wer hat dann den Mix gemacht?

Peter: Aufnehmen tun wir bei mir. Da ist das Equipment vor Ort. Gemixt hat Freio vom Big Easy Studio und gemastert hat Armin Rave vom Sound Sight Studio. Das war eine sehr schöne Kooperation mit zwei kompetenten Musikern.

 

HF: Ist es vielleicht so gut geworden, weil ihr in der Pandemie bedingt länger an den Stücken, Solos etc. gearbeitet hattet ohne Zeitdruck, großem Kostenapparat?

Peter: Andy und ich haben unabhängig von der Pandemie gesagt, wir wollten nochmal ein gutes Album machen. Konzept war, die guten Songideen der letzten Jahre auszuarbeiten und neue Songs zu schreiben.
Augenmerk war, das Ganze so gut wie eben möglich zu performen, deshalb live aufzunehmen und halt eigene Stücke zu schreiben. Gleichwohl haben wir uns zum Ziel gesetzt, nur mit altem Equipment aufzunehmen. Die älteste Gitarre ist von 1964, die Jüngste von 1977, der älteste Amp von 1962 und der jüngste von 1971. Auf Gitarreneffekte haben wir verzichtet. Andy und ich saßen bei mir, und haben unter vielen Gitarren und Verstärkern die geeigneten ausgesucht. Rolf haben wir gebeten, mit Vintage-Bässen aufzunehmen. Und halt die Hammond. Alles so, wie es für uns passend ist und heute kaum noch gemacht wird.
Wenn Du eine Vision hast, sollst Du ihr folgen. Es wird dann schon werden.

 

HF: Mit gefällt u.a. „Life After Death“ klasse, wo in der Mitte ein MERCYFUL FATE-artiges Solo von dir kommt. Wie ist die Nummer entstanden?

Peter: In der Jugendherberge in Hellenthal/Eifel. Wir haben uns öfter mal für ein Wochenende von der Welt ausgeschlossen und zum Musizieren eingeschlossen. Damals war ein junger Drummer dabei, der wollte schnell trommeln. Andy hatte eine Idee zu einem schleppenden Riff. Dann war ich gefragt, ein Powerriff zu schreiben und es mit einem schnellen Drumbeat zu kombinieren. Das Solo hat Spaß gemacht und ich konnte zwischen Blues und Neoclassical-Einflüssen hin- und herspringen.

 

HF: Wie kommt man auf die Idee zu „Erlkönig“ mit Texten von Goethe/Schubert?

Peter: Durch meine Arbeit auf Schloss Drachenburg tauchte ich viele Jahre in vergangene Zeiten und deutsche Kulturgeschichte ein. Goethes Erlkönig ist einfach wundervoll. Was der junge Schubert komponiert hat, ist so tricky und verzaubernd. Hör Dir an, wie sich die Musik ändert, wenn die drei verschiedenen Akteure auftreten!
Es gibt so viele Coverversionen im Bereich Metal oder Rock, aber keine, die ich gehört habe, orientiert sich an Schubert. So nahm ich mir die Partitur vor und arrangierte für eine Band mit Gitarre, Bass und Schlagzeug um. Der Reggae-Groove von Rolf im ersten Teil in dem der Erlkönig erscheint ist echt toll!

 

HF: Ein Instrumental durfte nicht fehlen oder?

Peter: Du meinst die Bach-Sonate? Ich liebe J.S. Bach. Er und Blackmore sind meine Lieblinge seit Kindheitstagen. Die Mama brachte mir Bach nahe und meine Schwester Deep Purple ;-). Another Day ist ja fast auch ein Instrumental mit wenig Gesang. Auch von einem Bach-Menuett inspiriert.

 

HF: Demnächst geht es auch live wieder los. (Harmonie) Ihr spielt dann die komplette CD? Ist die Zeit der Coverstücke vorbei?

Peter: The World is full of Kings and Queens…
Covern ist traditionell, gab es schon zur Beatzeit. Mittlerweile gibt es so viel spezialisierte Coverbands vom Anfänger- bis Profilevel. Der Markt ist voll.
Ich finde es gut, Vintage-Rock mit alten Instrumenten zu machen und eine eigene Message zu transportieren.
Bei uns gibt es dann ne alte Hammond, ein Ludwigdrum, wie bei Deep Purple, alte Marshalls und Fender-Gitarren zu sehen. Quasi ‘nen analoges Rock-Musikmuseum on stage.
Gespielt wird hauptsächlich von der neuen CD plus ein ganz neuer Song und ein bis zwei alte Nummern.
Da ich künstlerisch auch im Bereich Illumination/Lichtkunst unterwegs bin, schwebt mir vor, auch hier etwas zu kombinieren.

 

HF: Habt ihr überlegt, von den älteren CDs mal ein paar Nummern mit der aktuellen Besetzung neu aufzunehmen?

Peter: Schon passiert! Es gibt eine Hammerversion unserer Ballade „Fallen Angel“. Die ist gerade in Arbeit. Das Ganze mit großem Chor!
Daneben arbeite ich aktuell parallel an alten Aufnahmen mit einer Besetzung aus 2012, wo wir unsere erste CD neu aufgenommen hatten.

 

HF: Wo bekommt man die CD?

Peter: Aktuell gibt es die CD und bald auch die Vinyl-Platte bei mir. Order unter: info@peter-wendland.de Die LP ist eine Doppel LP und hat noch einen Bonustrack.
Später wird es auch einen Vertrieb über die bekannten Portale geben.
Streamen kann man sie ebenfalls unter den bekannten Portalen.

 

Interview: Jürgen Both

 

Mehr Infos:

https://www.facebook.com/Riccochet-110337374260074

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