OIL – Viel losgelöster und kompromissloser abrocken als früher

© punchline studio

Wir vom Hellfire reden nicht nur davon, den Untergrund zu unterstützen, wir wollen Euch dieser Tage eine Menge Bands vorstellen, die „unsigned“ sind, also keinen Deal bei einer Plattenfirma haben oder zumindest aber ihre komplette Promo-Arbeit selber machen.

Diesmal sprachen wir mit Marc Vetter, Drummer und Sänger von OIL, die gerade ihr Live-Album veröffentlicht haben.

HF: Fangen wir doch mal klassisch an. Wer sind OIL und für wen seid ihr der perfekte Anspieltipp?

Marc: OIL ist ein Hardrocktrio, das für ehrlichen Rock ohne Schnickschnack steht. Ein bisschen Heavy Metal der 80er oder 90er Jahre, ein bisschen klassischer 70er Hardrock mit Prog-Rock-Anleihen, mehrstimmiger Gesang – und fertig ist OIL…Wer also all das liebt, kommt bei uns voll auf seine Kosten…Eine Besonderheit ist sicherlich auch, dass sich unser Gitarrist Gert Endres seinen Frontgesang mit den Lead Vocals des Drummers (also mit mir ;-)) teilt, was dadurch weitere Variationsmöglichkeiten ergibt… außerdem ist es ungewöhnlich, wie stark auch unser Bassist Rainer Jauch mit seinen Songideen und seinem kreativen Bassspiel stilprägend für die Band ist; das hab ich eigentlich nie in Bands so erlebt…bei nur drei Musikern kann sich jeder voll ausleben und viele seiner Ideen einbringen…das ist klasse…

HF: Ihr seid ja alle definitiv keine Neulinge mehr im Musikgeschäft. Was hat für euch damals den Reiz ausgemacht, mit OIL nochmal ein neues Projekt zu starten?

Marc: Wir alle hatten viele Jahre hinter uns, in denen man immer wieder das gleiche Spiel gespielt hat: neue Songs, neue Aufnahmen, neues Album, ein Gig nach dem anderen…und dann immer wieder die Frage: was ist im Trend? Welche Sounds müssen es sein? Wie könnte man nun auch noch endlich eine erfolgreiche Single produzieren und auskoppeln? Was kann man machen, damit man nicht verstaubt oder altmodisch daher kommt… usw….Ich hatte davon einfach die Nase voll und sag mir heute, es ist mir egal , ob das old-fashioned oder im Trend ist, bzw. ob das „modern“ klingt (was ist das überhaupt?)….wir sind eh keine 20 mehr, der deutsche Musikmarkt wird derzeit mit über 50% sowieso vom Deutschrap dominiert, da sind wir sowieso eine andere (kleine) Baustelle…man könnte auch sagen: Rockmusik ist eh nur ein ganz kleiner Teil im gesamten Business und somit sowieso nicht trendy…also: wenn schon, denn schon…und wenn es nur wenige gibt, die drauf stehen, die stehen dann aber extrem drauf…das wäre mein Ziel: von mir aus zwar eine kleine Marktlücke, die aber extrem und euphorisch voll bedient…ich sehe lieber bei jedem Gig in 100 restlos begeisterte Gesichter als in 10.000, die sagen „ist echt ok“. Man kann mit der Einstellung jetzt viel losgelöster und kompromissloser abrocken als früher, weil man sich die Frage nach dem Erfolg erst gar nicht stellen will. (Aber natürlich würde ich auch gerne in 10.000 begeisterte Gesichter bei einem Gig sehen…aber es ist eben kein unbedingtes Ziel mehr)…ich will mir selbst mit meiner Musik auf keinen Fall finanziellen Erfolgsdruck mehr machen…dazu ist sie mir viel zu schade und viel zu wertvoll…ich glaube, weil wir drei da gleich denken, ist es toll, dass wir uns gefunden haben und mit viel Spaß und Ideen weitermachen und uns selbst und die Rockwelt da draußen beglücken dürfen….

HF: Ihr habt ja z.B. mit „War Is Hell“ Songs im Portfolio, die eine klare Botschaft enthalten. Hättet ihr so einen Song auch als 20jährige schreiben können, oder braucht es für manche Dinge echte Lebenserfahrung?

Marc: Vielleicht hätten wir früher zu viel drüber nachgedacht, ob man das bringen kann und soll…die Texte sind ja fast ausschließlich von unserem Gitarristen, Frontmann und Entertainer Gert…er sagte letztens, dass gute Texte das Schwierigste am Songwriting sind…sie müssen ja nicht nur gut klingen sondern man will ja nicht (wie vielleicht früher) einfach nur ein abgedroschenes Thema besingen, wo es um das Übliche geht…das gut hinzukriegen, Klang und Inhalt zusammenbringen, ist hohe Kunst; witzigerweise schreibt Ian Gillan von Deep Purple ja auch heute die interessanteren Texte, mit Doppeldeutigkeiten, Wortspielen, Tiefgang usw….früher ging es halt eher einfach um Rock`n`Roll: wine , women and song…Also: ja – ich glaube dazu braucht es tatsächlich eine gewisse Lebenserfahrung…

HF: Apropos Lebenserfahrung, wie bringt man eine Band mit Familie und Job im Einklang und wart ihr euch von Anfang an einig, welchen Stellenwert OIL bei euch haben wird?

Marc: Erstens: wir sind nur zu dritt…wie genial ist das denn? Ich muss mich immer nur mit zwei anderen abstimmen. Zweitens: Man ist nicht mehr 20, alle drei haben inzwischen Frau und Kinder, einen wichtigen Job…also wird man nicht wie früher um jeden Preis alles stehen und liegen lassen für eine Band…gleichzeitig merken wir aber auch, dass man das auch gar nicht mehr muss; wir haben von Anfang gesagt, dass wir uns gegenseitig nie stressen wollen; dazu kommt, dass wir sehr eng befreundet sind…wir haben so viele Jahre so viel in die Musik investiert, dass das als Kapital uns immer dient und bei unserer Arbeit behilflich ist: man arbeitet effektiver, kann auch mit weniger Gigs im Jahr eine fette Show hinlegen und man kriegt nicht die Vollkrise, weil einer wegen dem Geburtstag seines Kindes auch mal eine Probe ausfallen lassen möchte. Trotzdem arbeitet man auf hohem musikalischen Niveau und erntet die musikalischen Früchte der vergangenen 35 Jahre…:-) Klingt toll, oder? Ist es auch!!!!

© punchline studio

HF: Ihr habt ja nicht nur ein Live-Album, sondern das zugehörige Konzert kann man sich im Rahmen der „Live In Concert“ Dokumentation anschauen. War das für euch ein ganz normales Konzert oder denkt man im Hinterkopf doch die ganze Zeit über die Kameras etc. nach?

Marc: Ich glaube, als Musiker muss man doch eh ein wenig Exhibitionist sei; natürlich haben wir alle größere oder kleinere Profilneurosen, warum sonst sollte man sich das alles geben…da ist es doch logisch, dass es uns Spaß macht vor der Kamera zu agieren…man ist stolz darauf, gefilmt zu werden und genießt es, wenn solche Profis (Maik und Pirmin Styrnol vom punchline studio) ein so tolles Ergebnis von Dir auf die Beine stellen…also die Kameras haben uns eher angetörnt als verunsichert, oder schlicht nicht interessiert…
HF: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen euch für die Zukunft alles Gute und sind gespannt, was wir als nächstes von euch hören werden.
 
Interview: Katja Maeting
 

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