Wenn der Chefredakteur sich plötzlich darüber bewusst wird, dass er (fast) der Älteste im Team ist, definitiv der Gesichtsälteste, und in Erinnerungen schwelgt, was es doch so in der Anfangszeit des Heavy Metals für (vermeintlich) geile Bands gab, die nie den „verdienten“ Durchbruch geschafft haben. Einige kamen über den Demo-Status nicht heraus, andere haben zwar Platten veröffentlicht, allerdings verrotteten die in den Plattenläden.
Diese „Lost Pearls“ müssen unbedingt wieder ans Tageslicht und so wurde die Idee ans Team kommuniziert, die dann auch begeisterten Anklang fand.
In loser Abfolge werdet Ihr nur immer wieder Reviews präsentiert bekommen. Wir hoffen, dass wir Euch da auch einige Überraschungen präsentieren können.
Was bei Malice schiefgelaufen ist, hat sich mir bis zum heutigen Tag nicht erschlossen. Die Band hatte einen Major Deal bei Atlantic, ein hammermäßiges Debüt Album, wurde sogar in dem einen oder anderen zeitgenössischen Film mit Live Auftritten eingebaut, und dann gings eigentlich nur noch bergab. Sänger James Neal hatte eine Röhre, die stark an Judas Priest Sänger Rob Halford erinnerte; die Songs waren aber eigenständig und grandios.
Der Zweitling „Licence To Kill“ und die „Notveröffentlichung“ „Crazy In The Night“ erschienen eher als magerer Abgesang dessen, was das Debüt beinhaltete. Vielleicht erkannte Atlantic bei „Licence…“, dass die ihr Pulver bereits beim Erstling verschossen hatten. Die EP kam beim Roadrunner Pendant Roadracer heraus, die wohl große Hoffnung in die Band gesetzt hatten…. Leider vergebens

Geschrieben von: Bernd Kröninger
Band: Malice
Album: In the Beginning
Genre: Heavy Metal
Plattenfirma: Atlantic Recording
Veröffentlichung: 1985
Wollen wir mal sehen bzw hören, was für eine Perle seinerzeit an mir vorbei gegangen ist. „Malice“, eine 1980 gegründete amerikanische Band, begnügte sich lange nur mit Demos und einer Single „Rocking with you“. Erst 1985 erschien das Debut „In the Beginning“. Ein passender Titel des Albums, was die Hoffnung auf mehr Alben erweckte. Leider war es nur ein kurzes „Gastspiel“. Zwar erschien 1987 das Folge Album „License to Kill“, aber mit der „EP“ „Crazy in the Night“ 1989 schien das Ende der Band besiegelt zu sein. 2008 waren sie auf einer „Compilation“ („The Rare and Unreleased“) vertreten. Das war der Neugründung 2006 geschuldet. Trotz allem musste die Fanbase bis 2012 harren, bis „New Breed of Godz“ als drittes Album auf den Markt kam. Danach wurde es still um die Formation. Lag es eventuell daran, dass sie zwischendurch als „Rattleshack“ (1990 – 1992) bzw als „Monster“ (1992 – 1995) auftraten? Umbenennungen könnten der Karriere geschadet haben. Reine Mutmaßung. Legen wir einfach mal die Nadel in die Rille und lauschen dem Anfang.
Animalisch hart im Sound dröhnen Drums und Gitarren zu Beginn von „Rocking with you“. Mit Einsatz der Voice verfallen Drums und Gitarren in einen klassischen 80er Rhythmus (wen wundert‘s). Cooler Chor und schön lang gezogene Gitarrentöne geben hier den Ton an. Nicht zu vergessen, die Voice, die in schier unendliche Höhen aufsteigt. „Into the Ground“ scheint Programm zu sein. Rhythmisch stampft Dich der Song wirklich in den Boden. Was auch an dem hammerstarken Solo (1:50) liegt.
Dem Titel gemäß startet „Air Attack“ mit ohrenbetäubendem Sirenenalarm. So setzt es sich auch stimmlich weiter fort. „Stellar Masters“ liefert einen verdammt guten „Killer“ ab. Was der Kartenleger („Tarot Dealer“) bietet, ist mit hymnisch, episch zu bezeichnen. Welch Granaten Voice, welch riffiger Rhythmus. „Squeeze it dry“ lässt einem eingängigen Refrain genug Platz zur Entfaltung. Klingt ein wenig lyrisch (..„keep on rocking `til the day i die„..) und endet abrupt. Den rasanten Speed liefert „Hellrider“. Natürlich darf hier röhrender Motorradklang zu Beginn nicht fehlen. Ein Refrain wie eine Beschwörung mit lediglich einem Wort: „Hellrider“ (mehrfach). Gegenüber den anderen Songs ein Stahlharter Track. Hier zucken sämtliche Nerven mit.
Dass die Jungs auch anders können, beweist der „longrun“ „No Haven for the Raven“ (6:06). Eine Ballade, die den sanften Gemütern gebührend entgegentritt. Gleichwohl es zum Schluss doch noch kraftvoller wird. Pure Energie mit aufsteigendem Drum Rhythmus bietet „The Unwanted“. „Priest“ lässt grüßen. Wie ich finde, der stärkste Song des Albums. Den Speedmaster“ liefert „Godz of Thunder“. Eine Energie, die in den 4:23 steckt, die total mitreißt! Es scheint, als spielten die Götter des Donners die Gitarren höchstpersönlich. „Manowar“ ist hier hörbar.
Fazit: Nun ja, ein Album aus den 80ern, das doch recht gut klingt. Eventuell vergleichbar mit einer der vielen Bands, die seinerzeit aktiv waren. Jedoch habe ich nicht den Eindruck, dass es „Malice“ mit weiteren Alben und einer besseren Unterstützung nicht geschafft hätten, sich zu etablieren. Ich finde „Malice“ ist eine Band, die es verdient hätte der Musikszene weiterhin gute Musik zu liefern. Sollten sie mit ihrem Song „The Unwanted“ ihren Abgesang selbst eingeleitet haben? Schade um diese Band!
Tracklist:
01- Rocking with you
02- Into the Ground
03- Air Attack
04- Stellar Masters
05- Tarot Dealer
06- Squeeze it Dry
07- Hellrider
08- No Haven for the Raven
09- The Unwanted
10- Godz of Thunder
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