Wenn der Chefredakteur sich plötzlich darüber bewusst wird, dass er (fast) der Älteste im Team ist, definitiv der Gesichtsälteste, und in Erinnerungen schwelgt, was es doch so in der Anfangszeit des Heavy Metals für (vermeintlich) geile Bands gab, die nie den „verdienten“ Durchbruch geschafft haben. Einige kamen über den Demo-Status nicht heraus, andere haben zwar Platten veröffentlicht, allerdings verrotteten die in den Plattenläden.
Diese „Lost Pearls“ müssen unbedingt wieder ans Tageslicht und so wurde die Idee ans Team kommuniziert, die dann auch begeisterten Anklang fand.
In loser Abfolge werdet Ihr nur immer wieder Reviews präsentiert bekommen. Wir hoffen, dass wir Euch da auch einige Überraschungen präsentieren können.
Die Briten Wrathchild (nicht zu verwechseln mit der glaichnamigen US-Combo) fielen in erster Linie wegen ihrer krassen Videoclips auf, die etwas an die frühen WASP Clips erinnerten. Der Sound der Band war extrem rough und die Produktion von „Stakk Attakk“ extrem scheiße. Das ist meiner Meinung nach auch der Grund dafür, dass die Mucke der Jungs schlichtweg geskippt wurde, da es zu dieser Zeit schon richtig gute Produktionen gab, die schon mit dem Label DMM (Direct Metal Mastering) warben. Die Songs hatten jede Menge Punk Spirit, was das Schubladendenken gerade in Deutschland auf eine harte Probe gestellt hat. Ich bedaure es sehr, dass Wrathchild es nicht auf ein höheres Level gebracht haben, weil mir die Songs extrem gefielen und auch heute noch gefallen.

Geschrieben von: Klaus S.
Band: Wrathchild
Album: Stakk Attakk
Genre: Hard Rock
Plattenfirma: Fearless Records
Veröffentlichung: 30.06.1984
WRATHCHILD wurde 1980 in Evesham, England von Marc Engel und Phil „Wrathchild“ Vokins gegründet. Sie rekrutierten Rocky Shades als Leadsänger und Brian „Thunderburst“ Parry am Schlagzeug. Phil Vokins und Brian Parry verließen die Band im Jahr 1981. Hierauf kamen der anerkannte Gitarrist Lance Rocket von der Band Medusa und der Schlagzeuger Eddie Starr dazu. Nach der Veröffentlichung einer Reihe von Demos wurde der Band ein Plattenvertrag von Bullet Records angeboten. Hier veröffentlichten sie 1983 ihre erste EP „Stackheel Strutt“. 1984 veröffentlichte die Band dann ihr Debüt-Album „Stakk Attakk“, welches Coverversionen der Gary-Glitter-Klassiker „Alright With The Boys“ und „Trash Queen“ enthielt.
Nach einer erfolgreichen Tournee mit W.A.S.P. musste die Band aufgrund von Rechtsstreitigkeiten drei Jahre pausieren, löste sich 1987 auf, nur um im darauffolgenden Jahr mit dem Album „The Biz Suxx“ zurückzukehren. Aus diesem Album wurde die Single „Nukklear Rokket“ veröffentlicht, dessen dazugehöriges Video von niemand geringerem als Bruce Dickinson produziert wurde. Der Maiden Frontmann ließ es sich auch nicht nehmen, einen kurzen Gastauftritt von ihm als Demonstrant(in) hinzulegen.
Kommen wir zur Musik und widmen uns dem besagten Erstlingswerk: Der Titeltrack wirbelt rasant und mit einer leichten Punk Note, im Ergebnis klingt die Nummer ein wenig wie Sigue Sigue Sputnik auf Speed und ohne deren elektronischen Spielereien. „Too Wild To Tame“ geht dann schon eher in Richtung sleazigen Hard Rock, und mit „Trash Queen“ wird das Ganze in eine partykompatible Form gegossen.
„Law Abuzer“ klingt wie etwas, dass ich mir stilistisch in den 80ern von Kiss hätte vorstellen können. „Sweet Surrender“ mit seinen „Oooooohhh“ Gesängen greift ganz tief in die Kitsch-Kiste, auch „Alrite With The Boyz“ ist mir ein wenig zu seicht. Dafür wird zum Schluss mit „Tonite“ und „Wreckless“ noch mal richtig abgerockt, was die Scheibe dann doch zu einem versöhnlichen Ende führt.
Warum WRATHCHILD letztlich weitestgehend in Vergessenheit geraten sind, erschließt sich mir nicht, denn schlecht ist ihr Debüt keineswegs, auch wenn sich aus heutiger Sicht nicht bei jedem Song vollends Begeisterung einstellt. Wer sich für eine Mischung aus Glam und Sleaze Rock erwärmen kann, der sollte „Stakk Attakk“ mal antesten, zumindest wenn man kein Problem mit kultigen 80er Jahre Produktionen hat. WRATHCHILD sind übrigens immer noch aktiv und wollen wohl im Laufe des Jahres ein neues Album veröffentlichen.
Tracklist:
01 Stakk Attakk
02 Too Wild To Tame
03 Trash Queen
04 Sweet Surrender
05 Kick Down The Walls
06 Alright With The Boyz
07 Shokker
08 Law Abuzer
09 Tonite
10 Wreckless
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