
Wenn der Chefredakteur sich plötzlich darüber bewusst wird, dass er (fast) der Älteste im Team ist, definitiv der Gesichtsälteste, und in Erinnerungen schwelgt, was es doch so in der Anfangszeit des Heavy Metals für (vermeintlich) geile Bands gab, die nie den „verdienten“ Durchbruch geschafft haben. Einige kamen über den Demo-Status nicht heraus, andere haben zwar Platten veröffentlicht, allerdings verrotteten die in den Plattenläden.
Diese „Lost Pearls“ müssen unbedingt wieder ans Tageslicht und so wurde die Idee ans Team kommuniziert, die dann auch begeisterten Anklang fand.
In loser Abfolge werdet Ihr nur immer wieder Reviews präsentiert bekommen. Wir hoffen, dass wir Euch da auch einige Überraschungen präsentieren können.
Die Veröffentlichung des Debüts und auch einzigen Albums der Bonner Truppe, stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Zum einen waren sie bei dem Label Atom H untergekommen, bei dem sonst durchaus härte Act wie Accuser, Protector oder Rumble Militia ihr Zuhause gefunden hatten, schwerwiegender war indes, dass der Band zu ihrer Release Show in der Bonner Biscuithalle vom Sänger Harry Amthor verkündet wurde, dass er die Band nach diesem Auftritt verlassen werde und zu Energy wechseln würde, der neuen Band von ex-Warlock Gitarrist Peter Szigeti. Dort versprach sich der Sänger den großen Durchbruch, der bekanntermaßen ausblieb.
So wurde das Release Konzert mit einem sternhagelvollen ex-Sänger in Spe mehr schlecht als recht durchgezogen. Nach Harrys Ausscheiden übernahm Capital Rose Sänger Xaver Drexler das Micro, was bei ihm meiner Meinung nach deutlich besser aufgehoben war. Harry hatte übrigens zum zweiten Mal eine falsche Entscheidung getroffen. Zuvor war er bei der Band Roxx ausgestiegen, die dann mit neuem Sänger zu Vamp firmierten, die wenigsten zu Anfang recht gut punkteten und einen Major Deal an Land ziehen konnten.
Der Namenswechsel von Forced Entry zu StS8Mission war nach meinem dafürhalten eine weiterere schlechte Entscheidung, weil die Fans echt Probleme hatten, sich das „Konstrukt“ zu merken. Alles sehr sehr schade; ich denke, Forced Entry wären nie eine Supergroup geworden, hätten aber unter günstigeren Vorzeichen deutlich mehr erreichen können.

Geschrieben von: Klaus S.
Band: Forced Entry
Album: Forced Entry
Genre: Heavy Metal
Plattenfirma: Atom H Records
Veröffentlichung: 1988
Neben zwei US-amerikanischen Formationen gleichen Namens gab es in den Achtzigern auch die aus Bonn stammenden FORCED ENTRY. Die Truppe wurde nach der Auflösung der Bands Stainless und Red Hot von Rüdiger Blindert, Achim Meyer (beide ex-Red Hot) und Willi Schwäbig (ex-Stainless) gegründet, wobei das Jahr je nach Quelle zwischen 1986 und 1987 schwankt. Im November 1987 nahmen FORCED ENTRY ein Demo mit vier Songs auf und konnten anschließend einen Vertrag beim Label Atom H ergattern. Im darauffolgenden Jahr erschien ihre einzige, selbstbetitelte LP und nicht lange danach verschwand die Band wieder von der Bildfläche.
Grund hierfür waren diverse Umbesetzungen: Der ehemalige Matrix-Bassist Ronald Wedel ersetzte Achim Meyer, während Xaver Drexler (ex-Capital Rose) für Harry Amthor einsprang, der zur Band Energy gewechselt war. Nach einem weiteren Demo mit reichlich Speed-Metal-Material, das im Januar 1989 mit dem neuen Sänger aufgenommen wurde, firmierte die Band kurzzeitig unter dem Namen The Pakk. Schließlich entschied man sich für den Namen STS 8 Mission, unter dessen Deckmantel man in den Neunzigern drei Longplayer veröffentlichte.
Stilistisch bieten FORCED ENTRY klassischen Metal, bei dem der eine oder andere Track auch mal in Hochgeschwindigkeits-Gefilde abdriftet. Mit Harry Amthor hat man einen ausdrucksstarken Sänger an Bord, der seinen Job ordentlich erledigt, auch wenn er es mit seinen langgezogenen Screams hier und da ein wenig übertreibt. „Desperate For Your Love“ oder „Forced Entry“ sind schwungvolle Uptempo Nummern, die durchaus gefällig sind, denen aber gleichzeitig ein wenig das Gewisse Etwas abgeht, um mehr als wohlwollendes Kopfnicken einzusacken. „Carry The Light“, „Guardians Of The Lost“ und „Lost For Love“ hingegen sind Midtempo Banger, die nach nur wenigen Wiederholungen mitgegrölt werden können, wobei man bei den beiden letztgenanntem in den ruhigeren Zwischenspielen durchaus mal gen Queensryche schielen darf.
Wer es lieber etwas dynamischer mag, dürfte mit den speedigen Tracks „Last Dawning“ und „(Don’t) Fall For The Dark“ auf seine Kosten kommen, während Anhänger kuscheliger Balladen mit „Heart Of Man“ bedient werden. Und auch für diejenigen, der gerne mal einen Blick über den Tellerrand hinaus in Richtung klassische Musik werfen, haben die Bonner etwas übrig, denn neben der Akustik Nummer „Sonat In E Major“, bei der sich ein Bezug in diese Richtung herleiten lässt, findet sich beim bereits angesprochenen „(Don’t) Fall For The Dark“ ein kurzer Auszug aus Haydns Kaiserquartett.
„Forced Entry“ mag zwar nichts als vergessenes German Metal Juwel in die Annalen eingehen, aber die Scheibe lässt erahnen, welches Potential in der Band schlummerte. Bei konsequenter Fortführung und mit den richtigen Leuten an ihrer Seite hätte aus FORCED ENTRY durchaus etwas werden können, auch wenn dies mit dem quasi-Nachfolger STS 8 Mission nichts so wirklich gelungen ist.
Tracklist:
01 Desperate For Your Love
02 Carry The Light
03 Guardians Of The Lost
04 Ionic Storm
05 Last Dawning
06 Sonat In E Major
07 Forced Entry
08 Lost For Love
09 Heart Of Man
10 (Don’t) Fall For The Dark
Mehr Infos:
https://thecorroseum.org/features/germanmetal/index.php?char=J#res













