Lacrimas Profundere – Am Ende zählt nicht das Chartergebnis, sondern ob die Leute die CD auch so lieben wie wir das tun.

© Christian Vogel for Lacrimas Profundere

Mit dem Hellfire Quick5 Interview versuchen wir für unsere Leser möglichst interessante Infos aus den Musikern rauszukitzeln, ohne dass sie sich seitenlangen Fragen/Antworten hingeben müssen. Wir vom Hellfire bemühen uns dabei, (mehr oder weniger) kurz und prägnant im Rahmen von 5 Fragen zu agieren (manchmal kann eine Frage auch gedoppelt oder getrippelt sein); den Musikern obliegt es, nach ihrem Gutdünken zu antworten: kurz und knapp bis hin zu ausschweifend und umfangreich.

Diesmal sprachen wir mit Gitarrist Oliver Nikolas Schmid von LACRIMAS PROFUNDERE, die gerade ihr neuestes Album “Bleeding the stars veröffentlichten. (Hier geht es zum Review)

 

HF: Hallo Oliver. Erstmal muss ich Euch für das gelungene Album gratulieren. Die Resonanzen zu „Bleeding the stars“ sind ja mehr als ordentlich. Mal ehrlich, habt Ihr mit solch einem Erfolg gerechnet und wie geht Ihr damit um? Immerhin ist es das erste Album in dieser Besetzung.

Oliver (Lacrimas Profundere): Herzlichen Dank. Nein, habe ich nicht. Wir sind und waren nie eine erfolgreiche Band, weshalb sollte sich daran etwas ändern. So in etwa hatte ich gedacht. Klar, als die Aufnahmen fertig waren und wir erstmals alle Songs anhörten, hatte es schon etwas „magisches“. Auch hatte ich versucht und wie ich finde auch geschafft, das perfekte Dark Metal Album zu schreiben. Versteh mich nicht falsch, bei perfekt meine ich perfekt für mich. Auf jeden Fall bin ich abartig froh, dass es bislang die meisten so wundervoll aufnehmen, wie es sich jeder Musiker nur wünschen kann. Es war dieses „riffing“ von Primordial mit dem Vibe von Anathema und den Melodien von Paradise Lost und manchmal auch Dark Tranquillity zu verbinden. Einfach die Musik, die ich selbst höre auf ein Album zu bündeln und mit Julian hatte ich keine Grenzen, kann er doch wirklich alles von ultra Type o Tiefgesang, bis Mikael Stanne Screams oder böse Grunts. Ja, Gänsehaut ist zwar nicht mein Lieblingswort aber die hatte ich sehr oft während den Sessions und nicht weil es zu kalt war im Studio. (lacht)

 

HF: Wie sehr hatten den die beiden neuen (Sänger / Drummer) noch Einwirkungen auf „Bleeding the stars“? Konnten oder durften sie sich noch gezielt einbringen oder mussten sie sich als „Neulinge“ hinten anstellen?

Oliver: Nein, sie hatten keinen großen Einfluss mehr auf den Kern des Songwritings, hatten dies über ein Jahre doch mein Bruder Christopher und ich im Demo Stadium bereits abgeschlossen. Julian hat dann noch den Text zu The Reaper verfasst und Domi auch seine Momente voll ausgelebt. Wir versuchen im Studio immer nochmal so „frei“ als möglich zu agieren. Es macht einfach überhaupt keinen Sinn, einem Top Drummer wie ihm im Studio Vorschriften zu machen. Die Grooves standen, er hatte jedoch seine Freiheiten und jeder trug seinen großen Teil zum Album bei.

 

HF: Heutzutage ist es ja schon obligatorisch Musikvideos zu drehen oder auch nur einfach Lyric Videos zu produzieren und auf YouTube zu zeigen. Auch Ihr steckt da nicht zurück. Fürs aktuelle Album gibt es auch schon drei Stück, wenn ich richtig gezählt habe. Besonders angetan hat es mir das Neueste zu „The Kingdom Solicitude“, aber nicht nur weil es auch einer meiner Lieblingssongs des Albums ist. Wieso ausgerechnet Island? Das Ergebnis ist natürlich klasse, doch wie kam es dazu? Das ist ja nicht gerade um die Ecke.

Oliver: Das Album dreht sich größtenteils um das Thema Schicksal. Plötzlich kann es zuschlagen und du fragst dich, habe ich mein Leben gelebt, habe ich meine Träume verwirklicht. Dann ist es jedoch zu spät. Warum sollte die Freiheit die ich mir im Songwriting auferlegt hatte, nicht auch für den „Rest“ gelten. Als sich dann die Idee zur Umsetzung des Clips in mir entwickelte, kam mir genau diese Inspiration zum gesamten Album, sich keinerlei Schranken aufzuerlegen und es einfach verdammt nochmal zu tun, in den Sinn und so war ich wie elektrisiert als unsere Videofirma PAKT von der Idee begeistert war und selbst seit langem in Island drehen wollte. Wir hatten uns dann schnell auf einen Termin geeinigt, also die drei Tage die bei ihnen noch frei waren (lacht) und ich habe noch vom Studio aus die Flüge gebucht. Julian hatte bereits geschlafen, als ich ihn völlig aufgeregt weckte, hatte ich doch vergessen, ihn zu fragen ob er denn an dem Termin überhaupt Zeit hätte, jedoch alle Flüge bereits gebucht. Hier erkennst du auch wie nervös ich selbst war. Er hatte Zeit und jetzt können wir uns selbst an dem Ergebnis nicht satt sehen.

 

HF: Wie es sich gehört macht Ihr ordentlich Werbung für Euer neues Album. Auch Streaming und Downloads sind euch offensichtlich wichtig und kein Dorn im Auge. Wie seht Ihr die Entwicklung was die Verbreitung der Musik angeht? Was bevorzugt Ihr persönlich? Erlebt Vinyl zu Recht eine Wiederauferstehung?

Oliver: Ja, Musiker verlieren Geld durch die Streams. Punkt, das ist ein Fakt. Da wir aber noch nie wirklich Geld verdient hatten, kenne ich die Situation ja bereits und ich denke da trifft es Bands die früher gut von der Musik leben konnten, jetzt schlimmer. Was ich will ist, dass das Album von so vielen Menschen gehört wird wir nur irgend möglich. Ich verzichte lieber auf eine Abrechnung wenn im Gegenzug unsere Bekanntheit steigt. Außerdem bringt es doch eh nichts, hier die gefühlt eintausendste Diskussion über Streamings zu führen, weil die sind nun mal da und werden nicht verschwinden. Auch wäre es gelogen würde ich mich hier hinstellen und sagen, ich geh immer noch in die Platten Stores, stelle mich an um in die Platten reinzuhören und kaufe dann eine Vinyl. Ich kaufe zwar immer noch Musik, nutze jedoch auch die Streaming Dienste. Finde ich die Entwicklung schade? Ja das tue ich, finde ich doch, dass die Kunst, wie ich jedes Album da draußen verstehe, durch Streams nicht ihren Wert erfährt, die Entdeckung im Laden, das Beschäftigen damit, hab ich doch gerade meine schwer verdienten 20 Euro in das Produkt investiert. Aber versteh mich nicht falsch es bietet auch für viele junge Bands wundervolle Chancen. Ich würde lügen, wäre es mir nicht lieber würden die Leute einfach zentausendfach unsere CD´s oder Vinyls kaufen, klar, daher versuchen wir eben immer limitierte Sondereditionen zu machen. Diesmal eine Box mit original Stück unseres Bühnenbanners, eigenhändig von mir in 500 Stücke geteilt, dem Tuch, Patch und vor allem der Bonus CD, wo ein wirklicher Hammer Song, den ich zusammen mit Chris Harms und Allen B. Konstanz geschrieben habe (Breathing Souls) enthalten ist. Diese Dinge wird es im Streaming nicht geben, du kannst dich mit dem Stream nicht abtrocknen, deine Kutte verschönern oder eben die Songs der Bonus CD hören. Das ist den Leuten vorbehalten die auch in die Band investieren. Ich denke, es geht nicht darum über Streams zu schimpfen, sondern dir etwas einfallen zu lassen, was den Leuten den Mehrwert verschafft, den man nicht streamen kann. Als letztes sei noch gesagt, dass du selten über deine Anlage streamst, sondern meist über Kopfhörer und da entgeht dir bei dem Album etwas, ist der Sound den uns Kohle (Powerwolf, Aborted, Hämatom) verpasst hat und Tom im Mastering einfach alles wegbläst und wir uns für nen Steam all die Mühen hätte nicht machen müssen. Also, kauft die CD oder Vinyl, entstaubt eure Stereoanlage und wenn ihr das Klingeln des Nachbarn wegen Ruhestörung hört, wart ihr zu leise. Euer Joey deMaio

 

HF: Euer Vorgängeralbum „Hope is here“ landete auf Platz 30 der deutschen Charts. Gut möglich, dass es „Bleeding the stars“ noch weiter nach vorne schafft. Wie wichtig ist das Euch? Und weshalb sollten unsere Leser im November Euch auf der Tour mit „The 69 Eyes“ besuchen. Was dürfen wir erwarten?

Oliver: Ach die Charts, darüber zerbrech´ ich mir gar nicht den Kopf, kommt es doch auf so viele Faktoren an mittlerweile. Auch die Streams spielen dabei ja eine große Rolle. Das Album hätte auf jeden Fall eine wundervolle Platzierung verdient aber die Welt und auch die Musikerwelt ist eben ungerecht. Die positiven Kritiken sind mir jetzt Lohn genug. Am Ende zählt auch nicht das Chartergebnis, sondern ob die Leute welche die CD gekauft, diese auch so lieben wie wir das tun. Zur Tour, ja mit den „Eyes“ waren wir bereits 2x auf Tour und ich kann es nicht erwarten die Jungs wieder zu treffen. Klar sieht man sich immer mal auf Festivals, aber da ist immer Stress und wenig Zeit für längere Gespräche. Ich denke das Package, zumal wir ja beide neue Alben am Start haben, ist „Bombe“ und ich verspreche jedem, er verpasst was, lässt er sich die Shows entgehen. Erwarten dürft ihr die beste Show von Lacrimas Profundere ever. Julian ist nicht zu stoppen und wir alten Säcke versuchen da natürlich mitzuhalten. (lacht) Klappt auch teilweise, jedoch sind wir nach der Show dann ziemlich platt, während Julian bereits draußen mit den Leuten die Show feiert! (lacht)

 

HF: Dann sind wir sehr gespannt und ich hoffe, man sieht sich auf Tour. Vielen Dank für Eure Zeit fürs Interview.

Oliver: Herzlichen Dank für das Interview. Ich hoffe ich konnte den ein oder anderen Leser überzeugen doch mal in das Album zu hören, wenn auch nur im Stream 😀 . Prost, Oliver Nikolas Schmid (Guitars)

Interview: Marco Gräff

 

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