
© Heartless Human Harvest
Der Hellfire-Nachwuchs hat wieder zugeschlagen und eine Band interviewt. Dabei konnten sie auf dem Holy Ground des W:O:As die Band Heartless Human Harvest in ihren Fragenbeschuss nehmen. Der Eine anwesend und der Andere zugeschaltet im „Homeoffice“ haben bereits herausgefunden, dass am 4.9. die neue EP der Band erscheinen wird. Mal sehen, was sie der aufstrebenden Band noch entlocken konnten…
HF: Vielen lieben Dank, dass ihr euch bei Wacken für uns Zeit genommen habt, das Interview zu führen! Jonas und ich wollten das schon seit März durchziehen. Erstmals von uns: Willkommen in Wacken. Wie fühlt es sich an, hier spielen zu dürfen?
Yannic: Es ist sehr surreal. Für Metalheads ist dies ein Prestige, ein Traum, hierher zu kommen. Es erinnert mich an den Film „Heavy Trip“. Dort versuchen sie ja auch, aufs Wacken zu geraten. Das hat mich an unsere Reise erinnert. Ich glaube auch an jede Reise kleiner Bands. Man gründet sich und dann bei der ersten Probe: „Boah Jungs, Wacken irgendwann, nh?“.
Marcel: Und das nur als Witz gemeint.
Benny: Und jetzt stehen wir, eher gesagt sitzen wir, in ’nem Container und halten ein Interview in Wacken. Der Auftritt ist vorbei. Ich denke, wir haben das alles erst nächste Woche verarbeitet! Es ist ein unfassbar gutes Gefühl.
HF: Ich denke auch, dass das eine Weile brauchen wird. Ich schleudere mal die nächste Frage hinterher. Wie ist denn die Band Heartless Human Harvest entstanden? Hattet ihr eine bestimmte Vision? Habt ihr einfach Spaß am Spielen gehabt oder war das der Akt der Freundschaft?
Yannic: Es geht zurück vor die Human-Harvest-Zeit. Jonas und ich hatten zuvor eine gemeinsame Band. Es war eine Alternative-Rock- und Punk-Coverband. Die hat sich eines Tages aufgelöst und wir haben geschaut, ob man musikalisch was anderes machen möchte. Mit Marcel bin ich damals zur Schule gegangen. Er war ein paar Jahrgänge über mir. Wir haben gemeinsam im Musikraum Slipknot „Psychosocial“ gekloppt. Ich war am Schlagzeug und er an den Vocals. Wir kannten uns in der Schule nicht so krass. Wir hatten dieselbe Leidenschaft: den Metal. Ich dachte mir, ich schreibe den mal spontan auf Instagram an. Nach dem Motto: „Kennst mich noch?“
Marcel: Ich war skeptisch. Ich dachte, er wollte mich scammen! (Alle lachen) Ich war total skeptisch, komplett dagegen gestimmt.

© Heartless Human Harvest
HF: Geben Sie hier Ihre Bankdaten ein!
(Alle lachen)
Marcel: Eigentlich war das die Musik, die wir vorhatten zu spielen. Er wusste, dass ich screamen konnte. „Ich komme mal bei dir ins Studio und wir labern mal“. Überzeugt hat er mich dann mit dem Proberaum. Sie hatten ein schallisoliertes Studio. Das sah legit aus! Er hat mir ein Musikvideo von sich gezeigt und ich dachte mir so: „Komm, machst du mal mit!“ . Menschlich haben wir uns dann direkt angefreundet, auch als ich Jonas kennengelernt hatte.
HF: Also war es ein gutes Schneeballsystem?
Marcel: Wenn Yannic eins kann, dann das!
Yannic: Dann haben wir uns erstmals zu dritt zusammengeschlossen. Wir hatten einen anderen Bassisten, der damals mit uns die ersten Songs gemacht hat. Er ist im Guten aus der Band gegangen. Danach kam Benny hinzu.
Benny: Das Schneeballsystem hat wieder gegriffen. Ich wurde in die Band einbezogen und es hat sich alles so ergeben!
Yannic: Seine Freundin war die beste Freundin von Jonas. Sie meinte: „Mein Freund kann Gitarre und braucht ’ne Band!“
Benny: Eigentlich bin ich Gitarrist. Also erst Gitarrist, dann Bassist, dann wieder Gitarrist.
Yannic: Joop kam zu unserer ersten Deutschlandtournee hinzu. Mit einem richtigen Bassisten ist es geiler als ohne oder mit einem programmierten Bassisten. Um auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Es ist eigentlich ein Hobby-Ding am Anfang. Erstmals dort live, dann dort, mal regional.
HF: Ihr habt ja einen ziemlich düsteren Sound. Mal ist er melodisch, mal atmosphärisch, trotzdem heavy. Ihr wurdet als zweite Band bei Corrupted Blood vorgestellt. Wie verlief der Austausch, wie war die Vorfreude und wie verlief eure Reise seitdem?
Yannic: Wir hatten schon vor dem Corrupted-Blood-Ding eine Info bekommen, dass da was gemacht wird. Die haben wir schon zwei Jahre vorher bekommen! Es hing schon immer im Raum und es könnte was passieren. Wir hatten einen Kollegen, der seine Finger involviert hatte. Dann bekamen wir eine Nachricht: „Ey, die finden geil, was ihr macht. Die wollen mit euch quatschen!“ Was du in deiner Frage gestellt hast, haben die auch gesagt. Düster, melodisch, melancholisch. Irgendwie ist das ein Mix aus vielen Genres zeitgleich, welches uns aber als Band ausmacht. Wir sind besonders, weil uns viel definiert!
Groß verändern tut sich das mit der neuen EP, die bald herauskommt! Die kommt am 04. September heraus. Das als kleine Exklusivinformation, die wir hier für euch verteilen! Da testen wir einen ganz neuen Stil.
Marcel: Drei Songs kann man ja schon hören! „Pray“, „Altered Realities“ und „Hope“. Der kam sogar heute raus!
HF: Apropos Stil. Gibt es einen Song, der Heartless Human Harvest am besten repräsentiert?
Marcel: Ich würde sagen: „Pray“!
HF: Der hat heute live super gescheppert! Die aktuelle Deathcore-Szene ist sich ja aktiv am Weiterentwickeln. Wie schafft man es, seinem Stil treu zu bleiben, ohne in einen Entwicklungsstau zu geraten?
Yannic: Sehr gute Frage! Man kann das Rad nicht neu erfinden. Beim Songschreiben merkt man, welche Band man gerade am meisten hört! Das kristallisiert sich heraus. Unser Stil zieht sich durch, ohne viel nachzudenken. Die Grundlinie ziehen wir immer durch und machen alles drumherum neu.
HF: Wir sind ja auf dem Wacken. Was bedeutet denn Wacken abseits gesehen für die Band, da ihr heute auf der Wasteland Stage performt habt? Apropos geile Show! Ihr wart im Pit und es hat gekracht wie sonst was! Wart ihr schon mal privat hier oder was ist für euch Wacken?
Yannic: Dankeschön!
HF: Das musste ich rauslassen, es war die erste Show, die wir heute gesehen haben! Auch wenn wir drei Liter Bier auf nüchternen Magen hatten!
Yannic: „Deswegen haben wir auch nur geguckt!“ (Alle lachen) Ich kenne Wacken nur aus der Arbeitersicht, da ich damals mit meinem damaligen Arbeitgeber EMP hier war. Als Gast war ich noch nie hier! Obwohl man als Künstler hier ist, sind es zwei ganz unterschiedliche Welten. Das ist aus verschiedenen Perspektiven gesehen sehr cool. Es sind immer noch dieselben mausigen Leute.
Benny: Ja, für mich ist es mein erstes Wacken. Ich hatte einen positiven Eindruck gewinnen können. Ich war zuvor sonst nie auf großen Festivals unterwegs. Ich bin auch positiv überrascht, wie die Organisation hinter den Kulissen läuft! Durchweg positiv.
Jonas: Ich war wie Yannic auch drei Jahre zuvor mit der Arbeit hier. Wir kennen auf jeden Fall das Crew-Leben. Es ist geisteskrank beeindruckend, wie das alles läuft. Ich finde es mega geil! Für mich persönlich ist es das Aushängeschild der Metal-Festivals weltweit! Jeder kennt Wacken, auch wenn sie kein Metal und Rock hören. Das haben wir auch alle so erfahren. Als wir angekündigt worden sind, kamen die ganzen Freunde und Bekannten. Auch wenn du gar nicht so tief drin bist, jeder kennt Wacken und egal welches Line-up, die Fans kommen immer wieder zurück und haben Spaß!
Joop: Für mich ist es nochmals anders wild! Ich komme aus einer ganz anderen Richtung und hatte eine andere Perspektive. Ich komme nicht gerade aus einem reichen Hause und Wacken war für mich wie ein Stern. Seitdem ich mit der Musik angefangen habe, war das schon immer ein Traum für mich. Das wäre so geil! Und jetzt erwische ich mich hier. Dementsprechend ist das eine Sensation für mich, die man nicht beschreiben kann und ich bin unendlich dankbar, hier sein zu dürfen!
Marcel: Ich kann mich final dem anschließen, was bisher gesagt worden ist! Vor allem dem, was Jonas gesagt hat. Wacken kennt einfach jede Person. Meine Mutter ist Fan von uns, kennt sich aber nicht mit Metal aus. Die freut sich total! Sie schreibt immer fleißig: „Sohnemann, die berichten gerade im Fernsehen von Wacken!“ . Wir hatten auch in der Zeitung stehen, dass wir hier spielen. Da kamen auch viele Leute zu mir und sagten, wie krass das sei! Ich war zuvor auch noch nie hier, das ist mein erstes Mal W:O:A. Es ist unbeschreiblich, das erste Mal hier zu sein und dann direkt auf der Bühne zu stehen! Mein erster Kontaktpunkt mit Wacken war auf YouTube. Ich sah ein Video von Heaven Shall Burn! (Alle jubeln)
HF: Das Video mit dem gigantischen Circle Pit?
Marcel: Genau! Jetzt spielen wir auf der gleichen Bühne wie die Jungs! Ich möchte außerdem loswerden, wie geil das ist, wie die Leute zur Musik abgehen. Egal ob unsere oder andere. Sie fühlen und leben den Metal! Dieser Support unterstützt uns extrem. Deswegen danke an euch Tim und Tim, als auch an die Fans und eure Leser, die das lesen. Das wissen wir zu schätzen!
HF: Was wollt ihr denn allgemein, wenn Leute eure Shows besuchen oder nach dem Konzert?
Marcel: Fix und alle!
Marcel: Schwitzend.
(Yannic zeigt auf Tim K.)
Yannic: So wie er es gemacht hat! Kaputt, schwitzend und besoffen!
Marcel: Ich hoffe, die hatten eine gute Zeit! Auch für die, die nicht moshen und nur zuschauen, soll es eine tolle Zeit sein! Trotzdem haben wir jede Bewegung gerne, egal ob Circle- oder Moshpit oder Wall of Death!
HF: Ich glaube, wir wären auch drin gewesen, hätten wir weniger getrunken oder vorher was gegessen und hätten wir nicht arbeiten müssen!
(Alle lachen)
HF : Eure Kollegen von Saviourself sind ja auch hier beim Wacken. Sind eure Labelpartner mit euch befreundet oder was für ein Verhältnis habt ihr untereinander?
Jonas: Es ist eine Familie. Mittlerweile sind wir sehr gut befreundet. Vor den Shows schreibt man sich und sieht sich dann. Musikalisch tauscht man sich auch aus, das gehört dazu! Es ist auch sehr harmonisch, auch mit Violent Vortex!
Marcel: Nochmals hinzufügend. Die Jungs von Saviourself und Violent Vortex sind musikalisch sehr talentiert. Aber menschlich sehr wertvoll! Es sind gute und tolle Menschen, die einem ans Herz gewachsen sind!
Yannic: Matthias von Saviourself haben wir bei uns crowdsurfen gesehen! Wir gehen komplett steil, wenn wir das auf der Bühne sehen! Andersrum genau so!
HF: Möchtet ihr abschließend euren Fans oder den Lesern vom Hellfire etwas mitteilen?
Benny: Uns liegt es am Herzen, wenn die Leute auch zu den kleinen Local-Shows gehen und sich ein Ticket kaufen! Das sagen wir nicht, weil wir eine kleine Band sind, sondern wir wollen die Newcomer-Szene unterstützen, damit neue Artists sich ihre Träume verwirklichen können! Deswegen geht zu den kleinen Shows, habt Spaß mit den Leuten, redet mit den Leuten, connectet euch und habt Spaß!
Yannic: Sprecht uns am Merchstand an! Es gibt nichts Schöneres, als sich mit angehenden Fans zu unterhalten.
HF: Das war’s unserseits! Vielen lieben Dank für das Interview! Das war klasse und hat viel Spaß gemacht!
Yannic: Das macht 50 €! (Alle lachen)
Marcel: Pro Kopf!
Yannic: 80 € , mehr ist der Prügel net wert!
Interview: Von Tim Braff und Tim Karow
Fotos: Heartless Human Harvest / Tim Braff
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