Elfmorgen – Punk war schon immer der Motor, der uns angetrieben hat

Photo by Helge Tscharn

Mit dem Hellfire Quick5 Interview versuchen wir für unsere Leser möglichst interessante Infos aus den Musikern rauszukitzeln, ohne dass sie sich seitenlangen Fragen/Antworten hingeben müssen. Wir vom Hellfire bemühen uns dabei, (mehr oder weniger) kurz und prägnant im Rahmen von 5 Fragen zu agieren (manchmal kann eine Frage auch gedoppelt oder getrippelt sein); den Musikern obliegt es, nach ihrem Gutdünken zu antworten: kurz und knapp bis hin zu ausschweifend und umfangreich.

Diesmal sprachen wir mit der Band Elfmorgen, die am 29.November 2019 ihr neues Album „Zuhause“ veröffentlichen werden.

HF: Herzlichen Glückwunsch zu eurem Album. Nachdem Punk ja seit 17 Jahren euer musikalisches Mittel der Wahl ist: Warum habt ihr euch damals für Punk entschieden und was macht für euch auch heute noch den Reiz an diesem Genre aus?

Elfmorgen: Servus und Hallo Hellfire Mag und vielen Dank für die Glückwünsche. Warum Punk? Punk war für uns schon immer der Motor, der uns angetrieben hat. Damals (oh je, wie das klingt..) war es die Punkmusik, die uns das Gefühl gegeben hat, verstanden zu werden. Wir wollten ja rebellieren und uns gegen Systeme stellen. Wobei man klar sagen muss, dass das, was wir machen, keine klassische Punkmusik ist. Der Reiz für uns, noch immer Punk zu machen, ist mehr das Lebensgefühl. Keine Grenzen, klare Kanten, kein Tabus, Freiheit, Provokation. Wir kommen aus einem kleinen spießigen Dorf und die Wetterau war schon immer eine Brutstätte für Faschisten. Wir mussten einfach Punks werden!

HF: Würdet ihr eigentlich alles nochmal genauso machen auf eurem Band-Weg? Was waren für euch so die prägenden Momente der Bandgeschichte?

Elfmorgen: Das lässt sich nicht so schnell beantworten… vorneweg, wir bereuen nichts 🙂 wir haben uns bei allen Entscheidungen, die ELFMORGEN betreffen, immer sehr viele Gedanken gemacht und nichts getan, was es später zu bereuen gäbe… für uns war ein sehr prägender Einschnitt, gleich zu Beginn bzw. relativ am Anfang der ELFMORGEN-Geschichte. Es war zu einer Zeit, als deutschsprachige Musik niemanden mehr interessierte und die Leute zu uns sagten, wir müssten für den „Erfolg“ Englisch singen… wir auf Englisch? Eine Katastrophe! Also haben wir weiter auf Deutsch gesungen. Dann kam die Zeit, als der Markt sich immer mehr öffnete und deutschsprachige Musik wieder salonfähig wurde. Die Leute, die uns damals rieten auf Englisch zu singen, warfen uns jetzt vor, dass wir nun auf den deutschsprachigen Zug aufspringen wollten. WTF… kurz danach hatten wir sogar einen Manager, der eine (O-Ton) Goldmine in uns sah, die er gerne gewinnbringend abbauen wollte. Er hat uns dann in ein großes, renommiertes Studio geschickt und wir arbeiteten mit tollen Produzenten. Allerdings waren wir mit dem Ergebnis damals sehr unzufrieden. Es war alles sehr glatt und weich gespült, es war nicht mehr ELFMORGEN. Also haben wir eines Tages die Zusammenarbeit beendet. Danach spürten wir die volle Härte des Musikbusiness… Es war für uns ein prägender Einstieg in die Branche. Tokio Hotel, Silbermond und Juli haben es dann erledigt 😉 Manchmal stelle ich mir aber die Frage, was wohl passiert wäre, wenn wir den Weg weitergegangen wären. Nicht weil wir es bereuen, sondern aus Neugier!

HF: Nach acht Jahren erscheint bald ein neues Album von euch. Sind die Songs alle im Laufe der Zeit entstanden oder habt ihr euch irgendwann konzentriert hingesetzt und bewusst für das Album geschrieben? Nach welchen Kriterien habt ihr die Singles ausgewählt, die ihr vorab veröffentlicht?

Elfmorgen: Teils, teils… eigentlich haben wir die Songs extra für die Platte geschrieben, aber viele Ideen, Gerüste und Textphrasen entstanden schon einige Zeit zuvor. Wir haben uns wirklich sehr viel Zeit gelassen, haben viel ausprobiert und wieder verworfen. Wir haben einige Studios ausprobiert, um „unseren“ Sound zu finden. Das war ein langer Prozess und am Ende haben wir festgestellt, dass wir uns im Proberaum am wohlsten fühlen. Hier kennen wir uns aus, hier riecht jeder Fleck nach uns, hier können wir kreativ sein… also haben wir uns ein eigenes Studio eingerichtet und von da an haben wir „ZUHAUSE“ zu Hause aufgenommen. Der DIY Gedanke war für uns schon immer sehr wichtig und die Aufnahmen für das Album die logische Konsequenz. Die Singleauswahl war eine schwierige Sache, jeder sieht andere Songs vorne und irgendwann mussten wir uns einfach entscheiden. Wir wollten mit den beiden ersten Singles zeigen, dass wir uns weiterentwickelt haben und dass das Album abwechslungsreich ist.

HF: Auf „Halt die Welt an“ habt ihr Jonas von 8Kids zu Gast. Was stand zuerst fest, der Gast oder der Song zu dem es einen Gast geben sollte? Inwiefern macht Jonas‘ Beitrag für euch den Song komplett?

Elfmorgen: Wir kennen die 8Kids schon einige Zeit, Darmstadt ist ja quasi in der Nachbarschaft. Wir haben „Halt die Welt an“ aufgenommen und uns fehlte noch das gewisse Extra, dieser eine kleine Kick, der es „perfekt“ macht. Zuerst habe ich versucht, die Parts einzusingen und dann Chris (unser Bassist), wir waren aber mit beiden Varianten nicht wirklich glücklich. Also haben wir uns dazu entschieden, einen Gast dafür einzuladen. Jonas war unsere erste Wahl und wir sind mit dem Ergebnis mega glücklich.

HF: Den Release von „Zuhause“ feiert ihr ja unter dem Motto „Elfmorgen und Freunde“. Wie habt ihr die anderen Bands des Abends jeweils kennengelernt und auf welche Shows in 2020 freut ihr euch jetzt schon besonders?

Elfmorgen: ELFMORGEN und Freunde ist ja unser Heimspiel-Show, am Ende des Jahres. Wir haben 2017 damit angefangen, weil ein alter Bookerfreund, Maik Strübe, öfters zu uns gesagt hat, dass wir unbedingt eine Heimspiel-Show bräuchten. Gesagt, getan! Wir haben dann 2017 das Nachtleben in Frankfurt gemietet und es einfach mal gemacht. Die erste Show war mit über 300 Leuten direkt ausverkauft und noch am gleichen Abend haben wir völlig im Wahn und voller Adrenalin, Freude und Alkohol im Blut die Batschkapp Frankfurt für Ende 2018 gemietet. Was das wirklich bedeutete haben wir erst ein paar Tage später realisiert. In die Venue passen mal eben 1200 Leute. Wir kamen da aber nicht mehr raus und so haben wir die Ärmel hochgekrempelt und es einfach gemacht. Für den Abend konnten wir 1125 Leute mobilisieren. FAST AUSVERKAUFT… wir konnten es echt nicht fassen.
Für 2019 haben wir uns dann für den Schlachthof Wiesbaden entschieden. Nicht weil wir das Heimspiel noch größer machen wollten, sondern weil uns der Schlachthof sehr am Herzen liegt. Wir lieben den Laden und die Menschen darin. Das Motto der ELFMORGEN und Freunde Shows ist auch Programm. Wir wollen an dem Abend nur befreundete Bands um uns rum haben. Dieses Jahr haben wir unser absolutes Wunsch-Lineup zusammengestellt. „MONTREAL“ kennen wir schon sehr viele Jahre und „MONTREAL“ haben uns schon etliche Male eingeladen, „Kapelle Petra“ ist unsere Familie. Keine Band kennen wir noch länger, mit keiner anderen Band haben wir je mehr Konzerte gespielt und ihnen verdanken wir einfach so viel, dass es logisch war, sie einzuladen. „The Toten Crackhuren im Kofferraum“, haben wir auf div. Festivals kennen und lieben gelernt. Es gibt Bands, da ist es wie Liebe auf den ersten Blick. Bei „Go Go Gazelle“ ist es ganz genauso. Sebi und Hutti haben früher bei der Band „BENZIN“ gespielt und wir waren und sind sehr große „BENZIN“ Fans. Als Sebi mich damals fragte, ob ich für seine Solo-EP ein paar Zeilen einsingen würde, war ich überglücklich… 2020 wird für uns ein sehr spannendes Jahr, zum ersten Mal gehen wir auf Headliner-Tour und da freuen wir uns auf jeden einzelnen Termin und jeden einzelnen Gast.

HF: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen euch für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg mit eurem Album.

Elfmorgen: Vielen Dank dafür… SCHMATZ

Interview: Katja Maeting

Weitere Infos:
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