Eine Portion Lampenfieber ist nie verkehrt

© Marcus Bernarding

Weihnachten… Heilig Abend… Ende der Quick5-Team-Interview-Reihe und wer fehlt noch? Richtig, der Chefredakteur dieses kleinen aber feinen Webzines Dirk Draewe. Im Rahmen unserer Adventskalender-Aktion fiel mir die ehrenvolle Aufgabe (böse Zungen sprechen auch von Strafe 🙂 ) zu, dem Boss dieser verrückten Truppe einmal ein wenig auf den Zahn zu fühlen.

 

HF: Dirk, ich kann mir vorstellen, dass die Tätigkeit als Chefredakteur eines Webzines enorm viel (Frei-)Zeit beansprucht. Was motiviert Dich getreu dem alten Olli Kahn Motto “Weiter, immer weiter…” zu machen?

Dirk: Hallo Klaus, tja… das ist natürlich so eine Frage, die zwar einfach klingt, aber doch sehr schwierig zu beantworten ist. Als das Webzine am 01.03.2015 unter der Leitung von Marc Junge und mir online ging, ahnte ich noch nicht, dass ich selbst einmal der Chef sein sollte. Dann der überraschende Entschluss von Marc im März 2016, dass Webzine nicht weiter zu führen und die Entscheidung für mich als stellvertretenden Chefredakteur, wie es nun weiter gehen soll. Ich entschied mich, auch in Absprache mit Jörg Schnebele (meinem jetzigen stellvertretenden Chefredakteur) und meiner Frau, dass Hellfire-Magazin nicht sterben zu lassen.

Nach dieser Entscheidung arbeitete ich mit Vollgas an einem neuen passenderen Layout, rekrutierte weitere freie Mitarbeiter (mittlerweile sind wir ein 18-köpfiges Team) und der Arbeitsumfang nahm von Woche zu Woche immer mehr zu. Jaaaa ich gebe zu, ich war in den letzten 2 Jahren immer wieder mal an dem Punkt, wo ich mich fragte, ob ich noch alle Latten am Zaun habe, fast meine gesamte Freizeit für ein Webzine zu opfern. Aber dann waren da wieder die aufmunternden Worte meines Teams, die kreativen Ideen von allen, Dankesworte von Bands und Veranstaltern, die tollen Kollegen anderer Redaktionen, die es mir einfach unmöglich machten, den Kram hinzuschmeißen.

All das ist die Motivation die mich weiter voran treibt, so ein zeitraubendes Hobby neben dem Hauptberuf zu betreiben, wobei man auch echt ein bisschen bekloppt sein muss, sonst packt man das nicht 😉

 

HF: Gab es in deiner Funktion als Chefredakteur Entscheidungen, die Du im nachhinein – mit ein wenig Abstand – vielleicht anders treffen würdest?

Dirk: Hier kann ich mit einem klaren Nein antworten. All das, so wie es jetzt läuft, ist nahezu perfekt. Klar gibt es immer wieder mal Sachen, die vielleicht anders besser laufen könnten, aber das wäre dann echt Jammern auf hohem Niveau.

 

HF: Du warst ja bis vor kurzem auch häufig als Konzertfotograf unterwegs und hast dabei mit Sicherheit eine ganze Menge erlebt. Wenn Du so zurückblickst, was waren die lustigsten und skurrilsten Erlebnisse, die dir widerfahren sind?

Dirk: Der ein oder andere Leser wird sich jetzt vielleicht wundern, warum Deine Frage mit „Du warst bis vor kurzem Konzertfotograf“ anfängt. Lass mich kurz drauf eingehen, bevor ich Deine Frage beantworte. Ich habe feststellen müssen, dass ich gerade durch die Konzertfotografie und deren Nachbearbeitung so eingespannt war, sodass viel an administrativen Kram für das Webzine liegen blieb. Vor allem der riesen Aufwand bei der Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) kostete mich Mitte des Jahres viel Nerven und fast hätte ich das Hellfire-Magazin dran gegeben. Schließlich musste das alles nach dem normalen Feierabend laufen und irgendwann ist man dann eben einfach nur noch müde und das normale Privatleben gibt es ja auch noch. Dazu kam noch, dass mich meine Konzertfotos nicht mehr so begeisterten und meine finalen Fotos nicht mehr meinem Anspruch eines tollen Fotos gerecht wurden. Ich habe mich auch echt schwer getan mit der Entscheidung, aber ich bereue sie auch nicht. Denn die Kommunikation mit Medienpartner und Veranstaltern und vieles mehr ist schon fast ein Fulltime-Job und als Chef kann man eben nicht alles machen. So habe ich nun aber auch wieder mehr Zeit für meine Familie und mein Privatleben… und ganz wichtig, auch für die klassische Fotografie mit mehr Kreativät, bei der ich „fast“ ohne Zeitdruck arbeiten kann.

Aber zurück zu Deiner eigentlichen Frage und ich muss ehrlich gestehen, ich musste da schon echt überlegen. Als besonders skurril empfand ich das Waka-Waka-Festival 2015 auf einem kleinen Teil des Nürburgrings als Bands wie Eluveitie, Ost+Front, Axxis, Heldmaschine, Völkerball und viele andere Band auftraten und gefühlt keine 100 Fans vor Ort waren. Noch heute ist dieses skurril „legendäre“ Festival immer wieder Thema, wenn ich die damals auftretenden Bands oder anwesenden Fans heute treffe und wir darauf zu sprechen kommen.

Als besonders lustig, man kann es auch unvergesslich nennen, ist für mich bis heute aber noch das Judas Priest Konzert im Dezember 2015 in Oberhausen. Ich freute mich als Fan der ersten Stunde wie Bolle, als ich wenige Tage vorher die Akkrediterung erhielt. Am Tag des Konzerts lief ich schon den ganzen Tag wie aufgescheucht in der Wohnung rum, dass sich selbst meine Frau wunderte. Obwohl ich schon zigmal im Fotograben stand, checkte ich an diesem Tag immer und immer wieder meine Ausrüstung. In der Halle angekommen, stieg meine Nervosität von Mal zu Mal und selbst einer Kollegin fiel auf, dass ich merklich zitterte und fand das total „süß“. So eine extreme Nervosität, ich würde es sogar fast als Lampenfieber bezeichnen, habe ich weder davor noch danach jemals wieder erlebt. Wobei eine Portion „gesundes“ Lampenfieber nie verkehrt ist, denn das zeigt einem, dass man nicht nur alles routinemäßig abspult.

 

HF: Was Deinen Musikgeschmack angeht bist Du ja auch ziemlich breit aufgestellt. Welche Scheibe in Deiner Sammlung verdient das Prädikat “besonders peinlich” und welches Album würdest Du als Geheimtipp empfehlen?

Dirk: Puhh… das ist tatsächlich sehr schwer und wenn ich so richtig überlege, fällt mir nur eine Scheibe ein, die nicht nur für mich, sondern auch für Jörg (der dann Gott sei Dank die Rezension für mich übernommen hatte) und auch andere im Team echt „besonders peinlich“ war… Es handelte sich dabei um eine Eigenproduktion der Band „Driving Mrs. Satan”. Mehr will ich dazu gar nicht sage, googelt einfach mal nach der Band und bildet Euch Eure eigene Meinung.

Einen Geheimtipp habe ich jetzt ehrlich gesagt nicht so auf Lager, denn seit ich das Hellfire-Magazin leite, habe ich so viele tolle neue Bands auf den Tisch bekommen und da einen echten Geheimtipp zu nennen, wäre einfach unfair gegenüber dem Rest.

 

HF: Ozzy steht kurz vor dem 70. Wiegenfeste, auch Halford hat bereits das Rentenalter erreicht. Kannst Du Dir vorstellen, dass Du in deren Alter immer noch diesen bunt zusammengewürfelten Haufen beim Hellfire-Magazin beaufsichtigst?

Dirk: Du willst doch jetzt nicht etwa behaupten ich sei alt (schmunzelt)? Nein Spaß beiseite (grinst). Ich feier heute meinen 53. Geburtstag, in meinem Hauptjob werde ich liebevoll „Opa“ genannt und auch sonst hat sich meine Haarfarbe von dunkelblond in antikblond, ich vermeide bewusst das Wort „grau“, verwandelt.

Heute würde ich sagen, ja klar, warum nicht… aber ich weiß nicht, ob sich meine Zukunftspläne mit der Leitung eines Webzines vereinbaren lassen. Ich will mit meiner Frau nämlich in ein paar Jahren mit dem Caravan viel durch Europa reisen und könnte mir vorstellen, dass es schwer werden könnte, dass alles unter einen Hut zu bringen. Allerdings weiß ich auch nicht, ob sich einer aus dem Team dann bereit erklärt, dass Hellfire-Magazin weiter zu führen. Vielleicht gibt es auch einen schleichenden Wechsel in der Führungs-Etage, mal schauen… aber ich kenne mich, ich werde so schnell nicht abdanken und wenn ich irgendwann nur noch im Hintergrund die Fäden ziehe 😉

 

Interview: Klaus Saalfeld

 

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