Bullseye – Mehr als nur eine Arbeitsbeziehung

© Bullseye

Mit dem Hellfire Quick5 Interview versuchen wir für unsere Leser möglichst interessante Infos aus den Musikern rauszukitzeln, ohne dass sie sich seitenlangen Fragen/Antworten hingeben müssen. Wir vom Hellfire bemühen uns dabei, (mehr oder weniger) kurz und prägnant im Rahmen von 5 Fragen zu agieren (manchmal kann eine Frage auch gedoppelt oder getrippelt sein); den Musikern obliegt es, nach ihrem Gutdünken zu antworten: kurz und knapp bis hin zu ausschweifend und umfangreich.

Diesmal sprachen wir mit Joe, Bassist von Bullseye, die am 01. März 2019 ihr neues Album „Until We Die“ veröffentlichen.

HF: Herzlichen Glückwunsch zu eurem neuen Album. Beim Durchschauen des Promo-Materials war mein erster Gedanke: Oh, die Jungs werden häuslich 😉 Ihr habt euch dafür entschieden, beim neuen Album mit Dedication Records zusammen zu arbeiten. Eure bisherigen Releases liefen ohne Label. Warum jetzt dieser Schritt und wie kam es dann zur Entscheidung für Dedication Records?

Joe: Vielen Dank. Wir sind große Verfechter von DIY und haben uns deshalb immer sehr schwer getan, etwas aus der Hand zu geben. Aber vor den Aufnahmen war es uns schon bewusst, dass wir diesmal vielleicht doch einmal die Zusammenarbeit mit einem Label wagen sollten, da der Aufwand, die Platte komplett alleine zu vertreiben einfach extrem ist. Natürlich hatten wir dann überlegt, was da so für uns in Frage kommen würde. Dedication hat ja letztes Jahr ne ganze Menge gute Platten rausgebracht und wirkte schon sehr sympathisch auf uns. Dann haben wir in Bremen gespielt (Gruß an O-Ton Shows) und Micha (Anm. d. Red.: Chef von Dedication Records) hatte da einen Stand. Wir haben lange gequatscht und gemerkt, dass wir voll auf einer Wellenlinie liegen. Kurze Zeit später hat er uns dann gefragt, ob wir nicht die Platte gemeinsam machen wollen und wir haben sofort zugesagt. Beiden Seiten geht es nicht um Kohle, er hat uns alle Freiheiten gelassen und wir unterstützen uns gegenseitig.

HF: Was sich bei euch definitiv nicht geändert hat, ist eure Haltung. Ihr seid immer noch gesellschaftskritisch unterwegs, bringt Fehlverhalten und Missstände zur Sprache und lasst Worten auch Taten folgen. Wann oder wodurch ist bei euch eigentlich dieses Bewusstsein entstanden, das etwas passieren muss und das ihr euren Teil dazu beitragen wollt? Welches Feedback erhaltet ihr für eurer Engagement?

Joe: Also grundsätzlich hatten wir dieses Bewusstsein schon immer. Wir waren von Anfang an eine sehr kritische Band und haben über alles abgekotzt, was für uns in der Welt schiefläuft. Irgendwann ist uns aber klargeworden, dass es nicht reicht, immer nur zu meckern, sondern dass man auch was tun muss. Wir haben dann überlegt, wo wir uns als Band engagieren könnten und sind recht schnell auf Sea Shepherd gekommen, da wir da alle einen gemeinsamen Nenner haben. Der Kontakt war schnell hergestellt und inzwischen sind wir offizielle Supporter. Das heißt, dass wir Spenden sammeln, Werbung und Merch Aktionen machen, Stände auf Shows organisieren etc. Natürlich unterstützen wir auch andere Dinge und Initiativen, sei es auf Soli Shows oder durch andere Hilfen.
Das Feedback ist durchgehend sehr positiv, wobei es uns darum nicht geht. Wir machen das nicht, weil wir dadurch Promo bekommen oder um uns zu überhöhen. Less talk, more action!

HF: Heutzutage ist es immer schwieriger, sich als Band überhaupt Gehör zu verschaffen, umgekehrt ist es schon unmöglich, überhaupt einen Bruchteil der existierenden Bands innerhalb eines Genres zu kennen. Mit welchem eurer Songs, egal ob alt oder neu, würdet ihr euch potenziellen Fans vorstellen und warum genau mit diesem?

Joe: Oh, das ist eine schwere Frage. Wahrscheinlich mit „Until We Die“, dem Titeltrack vom Album. Das ist unser Song für Sea Shepherd, der uns dadurch auch inhaltlich sehr wichtig ist. Bei dem passt irgendwie alles. Der hat Groove, Sing-A-Longs und Message. Der kam bisher auch Live immer sehr gut an und macht auch nach dem 100sten Mal spielen noch Bock 😉

HF: Besetzungswechsel sind ja immer ein kritisches Thema, auch ihr hattet diesmal welche zu verkraften. Wie einfach oder schwierig war es für die „Neuen“, sich in den Bullseye-Sound einzufinden – und wie leicht oder schwer war es für die „Alten“, damit einhergehende Veränderungen zu akzeptieren?

Joe: Als Band investierst du ja ne ganze Menge. Sei es Zeit, sei es Energie und sei es Geld. Irgendwann kommt dann der Punkt, dass das für manche Mitglieder einfach nicht mehr funktioniert. Das war bisher immer der Grund für Ausstiege. Job und Familie auf der einen, Band auf der anderen Seite – das ist einfach schwierig. Und alle Ex-Mitglieder waren so fair, das dann auch so zu kommunizieren und auszusteigen, bevor sie die Band hätten schleifen lassen. Von daher war das immer im Guten.
Da wir ja nicht einfach nur ne “Arbeitsbeziehung“ innerhalb der Band haben, sondern auch befreundet sind, ist das natürlich oftmals hart. Wir hatten aber das Glück, dass wir immer coole Leute gefunden haben, die nicht nur musikalisch was können, sondern auch menschlich super sind.
Als vor 3 Jahren unser Gründungsmitglied und Gitarrist Shell ausgestiegen ist, war das schon ein Schnitt. Dafür kam dann aber Markus dazu, einigen bestimmt von Adjudgement bekannt. Der war eh ein enger Freund der Band und damit ein Glücksgriff. Letztes Jahr kam dann noch Dennis an der zweiten Gitarre neu dazu und passt wie Arsch auf Eimer. Wichtig ist es einfach, dass man auf einer Wellenlänge liegt. Es bringt ja nichts, wenn es musikalisch passt, aber menschlich nicht. Dann wird das spätestens im Tourbus unangenehm.
Mit den Veränderungen ist das überhaupt kein Problem. Wir haben keine feste Agenda, nach der Songs immer gleich sein müssen. Jeder kann sich da kreativ voll einbringen und am Ende basteln wir die Songs gemeinsam hin.

HF: Bis zum März ist es noch lange hin, aber ihr seid in der Zeit ja nicht untätig, so habt ihr z.B. gerade ein Video gedreht. Wann präsentiert ihr dieses denn euren Fans und was steht noch so auf eurer Agenda, um euch für den Release Day fit zu machen? Und was kommt danach?

Joe: Wir waren sogar noch viel fleißiger und haben nicht nur ein Video, sondern gleich drei gedreht 😉 Das erste wird in Kürze erscheinen, wir rechnen mit der letzten Januar-Woche. Die anderen beiden kommen dann auch, damit es bis zum Release nicht zu langweilig wird. Wir haben auch neues Merch gemacht, das wir bald präsentieren können. Ansonsten werden wir fleißig proben, ab März stehen dann nämlich auch wieder Shows an und wir starten gleich mit einem Weekender mit unseren Freunden von Ninetynine und Sic Boy (01.03 Bielefeld, 02.03 Hameln). 

HF: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen euch für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg mit eurem neuen Album.

Interview: Katja Maeting

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