Bad Wolves – Disobey

© Bad Wolves

Geschrieben von Katja Rohloff
Band: Bad Wolves
Album: Disobey
Genre: Modern Metal
Plattenfirma: Eleven Seven Music
Veröffentlichung: 11. Mai 2018

Es gibt (mindestens) zwei Arten von Debütalben. Zum einen die so richtig ersten Schritte von Jungs und Mädels, die sich bisher eher vor kleinerem Publikum bewegt haben. Und es gibt Debütalben, wo einem schon vorm ersten Ton die Kinnlade runterklappt, weil man nur mal eben aufs Line-up geguckt hat. Zu dieser Kategorie gehören für mich auf jeden Fall auch Bad Wolves, denn schließlich versammeln sich hier (Ex-) Musiker von u.a. In This Moment, Snot und Devildriver.

Die Idee zu dieser Band gärte bereits seit 2015 und mit dem ausgeprägten Selbstbewusstsein erfahrener und erfolgreicher Musiker mischen Bad Wolves auf “Disobey” eine Vielzahl von Einflüssen und Stilrichtungen. Und auch textlich legen sie sich keine Beschränkungen auf, das Spektrum der Texte reicht von kritischen Anmerkungen zur Politik über gesellschaftliche Probleme wie Rassismus bis hin zu persönlichen Tragödien der Bandmitglieder.

Bei diesem Album kann man wirklich nicht von einem einzigen Song auf den Rest schließen, denn die fünf Herren denken sich immer wieder etwas Neues aus. Extreme mischen sich hier mit purer Eingängigkeit und dies auf immer wieder neue Art und Weise. Allerdings sind ihnen dabei manche Stücke so verdammt gut gelungen, dass einen andere Songs dann erstmal etwas ratlos zurücklassen, weil man irgendwie in ein Loch fällt.

Während der Opener “Officer Down” irgendwo zwischen Hardcore und NuMetal wurzelt, legt “Learn To Live” in den Strophen nochmal eine Ladung Härte nach und Stakkato-Vocals und Rhythmus-Kaskaden prügeln sich gegenseitig hoch, während sich im Chorus eine angenehme Melodielinie zusammen mit starken Cleans auf dieses Stahlgerüst legen.

Zur bandeigenen Interpretation des Cranberries-Klassikers “Zombie” und seine traurige Begleitgeschichte muss man wohl nicht mehr viel sagen. Nachdem einem vorher dreimal der jeweilige Song regelrecht in den Schädel gehämmert wurde, wird es hier emotional und ausdrucksstark. Soviel die instrumentale Umsetzung als auch die unter die Haut kriechenden Vocals von Tommy Vext machen die Genialität dieses Songs aus. Und führt beim anschließenden “Run For Your Life” zum Fall in eines der besagten Löcher, da hier von Emotion auf technische Härte umgeschaltet wird, mit ein paar djentigen und progressiven Einsprengseln. Auf jedem anderen Album wahrscheinlich ein herausragender Song, kommen hier bei mir einfach nur Fragezeichen auf.

“Remember When”, der persönlichste Song des Albums, kommt bei aller Tragik im eingängigen, mitreissenden Alternative Metal Sound daher und hat stilistisch was von Breaking Benjamin mit einem Spritzer Volbeat. Das nachfolgende “Better The Devil” ist dann wieder etwas komplexer angelegt, mit erneuter Rhythmusdominanz auch in der Ausgestaltung der Riffs – aber erst bei “Jesus Slaves” ist dann wieder ein kleiner Fragezeichenmoment erreicht, laufen hier doch Gesangsmelodie und Rhythmusidee streckenweise irgendwie gegeneinander und verursachen so, wahrscheinlich gewollte, Holpermomente, die mir aber zu sehr nach “Hallo, wir sind progressiv” schreien, als das ich sie richtig gut finden könnte.

“Hear Me Now” ist dann die absolute Ballade auf “Disobey”, bei der Tommy Vext wieder die Samtnuancen seiner Stimme auspacken kann und diese sich perfekt um die instrumentale Melodielinie legt und eine perfekte Symbiose ergibt. Balladen muss man können – diese taugt zum Meisterstück. Mitreissend, episch, eindrucksvoll. Den Ausklang des Albums bildet dann “Toast To the Ghost”, das eine weite Kurve von rhythmisch-treibend über melodisch bis hin zu dissonanten Klangkaskaden zieht und zum Abschluß nochmal deutlich macht, was Bad Wolves von Grenzen halten – nichts!

Ein beeindruckendes Debüt, was in mir den Wunsch weckt, dass diese Band bitte Bestand haben soll, denn das Teil macht einfach Bock. Wer den großen Bands des modernen Metalsounds zugetan ist, muss dieses Album einfach austesten. 

 

Trackliste:
01. Officer Down
02. Learn To Live
03. No Masters
04. Zombie
05. Run For Your Life
06. Remember When
07. Better The Devil
08. Jesus Slaves
09. Hear Me Now
10. Truth Or Dare
11. The Conversation
12. Shape Shifter
13. Toast To The Ghost

Line-up:
Tommy Vext – Vocals
John Boecklin- Drums
Chris Cain- Guitar
Doc Coyle- Guitar
Kyle Konkiel- Bass

Weitere Infos:
Bad Wolves bei Facebook
Website von Bad Wolves

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