Avalanche Effect – Letters to My Future Self

© Avalanche Effect

 

Geschrieben von Tim Braff
Band: Avalanche Effect
Album: Letters to My Future Self
Genre: Metalcore, Post-Hardcore
Plattenfirma: Blood Blast Distribution
Veröffentlichung: 01.05.2026

 

Die deutsche Core-Band Avalanche Effect aus Münster überzeugt schon einige Jahre durch modernen Core und scheut sich auch nicht, sich weiterzuentwickeln. Selbst beschreiben sie sich als Nu-Metalcore, was auf jeden Fall als Einfluss durch HipHop und Electro-Beats nicht abwegig ist, dennoch sind die Core-Anteile vorherrschend. Mittlerweile bringen sie ihr 3. Studioalbum auf den Markt und halten sich weiterhin an eine moderne Entwicklung ihres bekannten Sounds. Dadurch versuchen sie, dass ihr Sound nicht zeitlich überholt klingt.

„LETTERS TO MY FUTURE SELF“ beginnt direkt auf „THE MESS I CREATED“ modern und ziemlich imprägnant. Das Intro ist direkt ziemlich roh und etwas dumpf und baut sich so spannend Richtung Refrain auf. Der Song weist zudem Spuren moderner Crossover-Elemente auf in Form von Rapcore. Dadurch wird der melodische Refrain gut eingebettet, denn die Screams beginnen bereits hier, heftig zu werden.

Das Album zieht ihren Stil ziemlich konsequent durch und weiß durchgehend, Electro-Beats, heftige Screams, melodische Refrains und interessante Akzente zu verbinden. Dadurch ist für mich das Album von Sekunde 1 an sehr spannend aufgebaut und ist nicht übersättigt an bekannten Merkmalen ihrer Nische. Vor allem fällt mir dahingehend „WHERE I BELONG“ auf, der exemplarisch Härte und Ohrwurm verbindet. Die Band setzt auf kontrolliertes Chaos in den Instrumenten und auf wirklich große Diskrepanz zwischen Harmonie und Brutalität im Gesang. Dadurch bleibt der Song im Kopf. Ähnlich wirkt auf mich auch „THE FIRE IN MY NAME“, der moderne Beat und heftigen Core vereint.

Etwas poppig aber nicht weniger hart wirkt „BLOOM“, der mit einer poppigen Melodie beginnt und etwas die Härte ausweichen lässt. Diese „Ruhe“ mündet aber dennoch in harten Instrumenten und einigen Scream-Passagen, wodurch die Bezeichnung als Pop-Metal einigermaßen treffend ist. Der Song ist durch radiotauglichere Beats sehr zugänglich, verliert aber nicht die Zuordnung der Band und ist ein meiner Meinung guter Kompromiss aus Metalhärte und die Fähigkeit, auch genrefremde Fans zu unterhalten.

„LETTERS TO MY FUTURE SELF“ ist allgemein ein Konstrukt in Albumform, statt lediglich eine Sammlung von einzelnen Songs zu sein. Vielfalt erhält man durch für sie typische Songs, ein Interlude mit „THE ETERNAL NOW“ und die überraschenden abwechslungsreichen Songs wie beispielsweise „SHAPES“, welcher eine genial eingepflanzte Powerballade ist, die das Album für meinen Geschmack optimal facettenreicher hinterlässt. Die durchdachte Ausgestaltung funktioniert deswegen einwandfrei und kann auch noch nach mehrmaligem Abspielen überzeugen.

Gast-Kreativität und -Einflüsse hat sich die Band gleich zweimal dazu geholt auf den Songs „SILENT DECISIONS“ und „AFTER THE SILENCE“. Beim Ersteren sind zum einen Mitglieder der deutschen Deathcore-Band We Are Perspective dabei und zum anderen das Vocalessemble Screamistry. Der Song ist nicht nur durch die harten Nischen der Gäste ein Sturm auf dem Album, sondern soll bewusst mit Hilfe ihrer Gäste krachen und einen quasi die Ohren einschüchtern. Die Vielfalt der Screams ist hier kaum zu übertreffen. Auf „AFTER THE SILENCE“ gastieren dann Chaosbay und machen gemeinsam mit Avalanche Effect den für mich besten Song der Platte. Der Beat treibt an, die Vocals sind gleichermaßen heftig und harmonisch und insbesondere die Ausgestaltung hat es mir angetan. Heftige Instrumente, die durch harmonischen Gesang aufgebrochen werden, können richtig genial klingen – wenn richtig gestaltet – und überzeugen wie hier. Der Song hat meines Erachtens keine einzige Schwächephase, wodurch ich den Song die kommenden Wochen durchaus öfter hören werde.

Fazit: „LETTERS TO MY FUTURE SELF“ hat es mir angetan. Davor kannte ich die Band namentlich, war aber weniger mit ihrer Musik vertraut. Dieses Album hat es geändert und mich Fan werden lassen. Die wirklich gelungene Mischung aus modernen und harten Elementen ist beachtlich und weiß, bedingungslos zu überzeugen. Das ist ein sehr starkes Album, was man sich auch mehrmals anhören kann.
10 von 10 Hellfire-Punkten!

 

Tracklist:

01 THE MESS I CREATED
02 WHAT IF THE TRUTH IS A CURSE
03 SILENT DECISIONS
04 INSIDE THE WALL
05 WHAT’S LEFT ON ME
06 THE ETERNAL NOW
07 AFTER THE SILENCE
08 SHAPES
09 WHERE I BELONG
10 BLOOM
*11 THE FIRE IN MY NAME

 

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