
© The Amity Affliction
Geschrieben von Tim Braff
Band: The Amity Affliction
Album: House of Cards
Genre: Metalcore
Plattenfirma: Pure Noise Records
Veröffentlichung: 24.04.2026
Die australische Core-Band The Amity Affliction bestehend aus den Mitgliedern Joel Birch (Gesang), Jonathan Reeves (Bass, Clean-Gesang), Daniel Brown (E-Gitarre) und Joe Longobardi (Schlagzeug) bringt mit „House of Cards“ bereits ihr 9. Studioalbum auf den Markt. Mit ihrem kompromisslosen Metalcore, der stets nach vorne gerichtet ist, schaffen sie es nicht nur australische Charts einzunehmen, sondern haben mittlerweile eine beachtliche Fangemeinde international, sodass sie Venues wie das Palladium Köln füllen können, was nur die größten Core-Bands schaffen.
Viel frischen Wind bringt „House of Cards“ insbesondere dadurch mit, dass mit Jonathan Reeves die Band einen neuen Bassisten und neuen Clean-Sänger auf dem Album vertreten hat. Man merkt, dass der Sound sich weiterentwickelt hat und die Band sich nicht an nostalgischen Klängen festhält. Der Sound ist dabei dem aktuellen Trend gut angepasst. Die Riffs und Songstrukturen funktionieren als typischer Modern Metalcore und dahingehend versuchen sie, weiterhin neue Fans für sich zu gewinnen. Manche Metal-Fans würden sagen, dass die Band durch sowas ihre Identität verliert, aber ich finde sogar, dass der moderne Sound sehr authentisch zu ihnen passt und ich es deswegen gerechtfertigt finde, weil das Soundkonzept sich auch nicht äußerst überraschend geändert hat.
Das Album ist von Anfang an bis zu den letzten Tönen ein modernes Album. Das Intro ist aufbauend, wodurch eine gewisse Erwartungshaltung erzeugt wird. Meiner Meinung nach habe ich schon durchs Intro das Gefühl gehabt, dass ich weiß, was auf mich zukommt. Dem war auch so, denn das Album möchte nicht überraschen, sondern überzeugen.
Stilistisch hat man nicht viel Abwechslung; es reicht aber aus, dass die Songs ihre eigene Identität aufbauen können und man sich nicht langweilt beim Hören. Zum Beispiel Songs wie „Bleed“ und „Break these Chains“ haben starke Core-Riffs, die auch kräftige Breakdowns begleiten könnten, dennoch bleibt der Song durch melodische Refrains und harmonische Beats aus orchestralen oder hiphopiggen Einflüsse einem im Kopf und überzeugt als Ohrwurm. Andere Songs haben ähnliche Muster, setzen aber weniger auf Clean-Gesang, wodurch das Album eine eigene Dynamik hat. Vor allem fallen mir da „Kickboxer“ und „Eternal War“ auf. Das sind auch für mich die härtesten Momente des Albums, die einen quasi zum Headbangen verpflichten.
„Eternal War“ ist zudem der Album-Closer. Diese „Aufgabe“ erfüllt er optimal, da er harte Breakdowns mit verträumter Schwere verbindet. Insbesondere der Breakdown, der einen in einem Schleier umhüllt, hat mir sehr gut gefallen. Das ist für mich das Highlight der gesamten Platte. Es rundet die Härte und Harmonie des Albums sehr gut ab und bleibt nachhaltig als perfektes Ende im Kopf. Ein passender Beginn und ein starkes Ende können ein Album maßgeblich verbessern oder verschlechtern – hier wurde meines Erachtens alles richtig gemacht und das Bestmögliche rausgeholt. Dazu finde ich, dass „Eternal War“ dem restlichen Album qualitativ auch nicht weit voraus ist. Es entsteht kein Gefälle, sondern eher ein logischer Verlauf, der die Spannung bis zum Ende aufrechterhalten kann.
Ein weiterer positiver Punkt ihres Sounds auf „House of Cards“ ist, dass der Clean-Gesang den Screams etc. untergeordnet ist. Das ist im modernen Core nicht üblich und verleiht dem Album eine gewisse eigene Dynamik, die frisch wirkt.
Fazit: „House of Cards“ ist ein starkes Album im modernen Core-Kontext. The Amity Affliction hat es geschafft, dem Album Melodie, viel Härte und einen logischen Verlauf zu geben. Der Ein- und Ausstieg ins Album ist jeweils optimal gewählt und runden sich gegenseitig ab. Passend gestaltet ist vor allem die hohe Bedeutung des „dreckigen“ Gesangs im Vergleich zu den Clean-Passagen. Dadurch hat das Album eine eigene Dynamik entwickelt.
9 von 10 Hellfire-Punkten!
Tracklist:
01 Vida Nueva
02 Kickboxer
03 House of Cards
04 Heaven sent
05 Bleed
06 Break these Chains
07 Beso De La Muerte
08 Swan Dive
09 Speaking in Tongues
10 Afterlife
11 Reap What You Sow
12 Eternal War
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