
© Amaethon
Geschrieben von: Johannes „Jojo“ Knopp
Band: Amaethon
Album: Exclusion Zone
Genre: Atmospheric Death Metal
Plattenfirma: Century Media Records
Veröffentlichung: 08.04.25
Black Metal lebt von Mysterien – und „Amaethon“ ist dafür das perfekte Beispiel. Hinter dem Projekt steht Jack Wayman, über den kaum etwas bekannt ist. Keine Interviews, keine sozialen Profile, keine Hintergrundgeschichte. Ob das Kalkül oder einfach Underground-Mentalität ist, bleibt offen. Was zählt, ist die Musik – und „Exclusion Zone“ spricht mit frostiger Klarheit, denn Stilistisch bewegt sich das Werk zwischen atmospheric Black Metal, ambient und post-black-metal-Elementen. Dann schauen wir oder besser hören wir was der gute Herr Wayman ein Händchen für düstere Klanglandschaften hat.
Der Einstieg mit „Slum of Enlightenment“ ist ein langsamer Abstieg in die frostige Klangwelt von Amaethon. Der Song baut sich über beinahe neun Minuten auf – viel Raum für Atmosphäre, aber auch für Wiederholungen. Die flüsternden Vocals, die sich in den dichten Gitarrenschichten verlieren, erzeugen eine klaustrophobische Stimmung. Dennoch hätte dem Stück ein kompakterer Aufbau gutgetan.
Bei „Dark Places to Wander“ wird das Tempo leicht angezogen. Der Song wirkt rhythmischer und strukturierter, ohne jedoch aus dem Schatten des Openers herauszutreten. Die Riffs sind solide, aber etwas vorhersehbar – hier fehlt ein wenig das Überraschungsmoment, den man sich nach einem langen Intro wünschen würde.
Richtig Fahrt nimmt das Album mit „The Walled City“ auf. Die melancholischen Melodien treffen hier auf eine klare Struktur, die dem Song Tiefe verleiht. Besonders die instrumentalen Breaks wirken gut gesetzt und geben dem Track eine emotionale Dynamik, die bisher gefehlt hat.
Einer der spannendsten Momente kommt mit „Ionization Aside the Fire“. Der Song bringt nicht nur mehr Variation ins Klangbild, sondern überzeugt auch durch eine deutlich bessere Produktion. Die Vocals sind intensiver eingebettet, der Sound klarer, fast schon auf einem anderen Level als die bisherigen Tracks. Hier zeigt sich, dass Wayman nicht nur Atmosphäre kann, sondern auch Dynamik und Fokus.
Mit „Red Forest Anomaly“ erreicht das Album seinen emotionalen Höhepunkt. Ohne Vocals, dafür mit cineastischer Weite und feiner Klangarchitektur, zieht der Track den Hörer in eine andere Welt. Ein instrumentales Meisterstück, das zeigt, wie kraftvoll Stille und Struktur sein können – Gänsehaut inklusive.
Der Abschluss „Salve and Rifle“ bringt das Album versöhnlich zu Ende. Zwar fehlt hier die Dramatik der Vorgänger, doch die ruhige Entfaltung des Songs fügt sich gut ins Gesamtbild. Es ist kein Knall zum Schluss, sondern eher ein Ausatmen nach dem Weg durch die Dunkelheit.
„Exclusion Zone“ ist kein Album für den schnellen Genuss – es fordert Geduld, Aufmerksamkeit und ein Herz für atmosphärischen Black Metal, der sich nicht anbiedert. Die Produktion ist überraschend klar für ein Solo-Projekt dieser Art, die Arrangements insgesamt stimmig, wenn auch stellenweise etwas ausufernd. Highlights wie Red Forest Anomaly und The Walled City zeigen eindrucksvoll, wozu „Amaethon“ imstande ist. Wer also Bands wie Lustre, Paysage d’Hiver oder frühe Burzum schätzt, sollte hier definitiv reinhören.
„Exclusion Zone“ hat Seele, Tiefe und Vision – auch wenn es noch Luft nach oben gibt vergebe ich dem Album eine solide 7,0 von 10 Hellfire Punkten
Tracklist:
01 Slum of Enlightenment
02 Dark Places to Wander
03 The Walled City
04 Ionization Aside the Fire
05 Red Forest Anomaly
06 Salve and Rifle
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