

Grufflo
Der zweite Tag des A Chance For Metal Festival begann traditionell mit dem Crewfoto. Jan bedankte sich bei der Crew und den Fans, ohne sie würde nichts klappen. Und spätestens danach war endgültig klar, dass Tag zwei auch alles andere als ruhig verlaufen würde.
Den Startschuss lieferten Grufflo. Die Underground-Truppe aus Bonn machte direkt zu früher Stunde klar, dass Ausschlafen an diesem Festivalwochenende keine Option war. Von Beginn an herrschte Headbang-Alarm und trotz der frühen Uhrzeit wurde vor der Bühne bereits ordentlich Bewegung erzeugt.
Danach folgten Ratrotten, die mit ihren Mikrofonständern in Sturmgewehr-Optik sofort optisch Eindruck hinterließen. Musikalisch wusste der Auftritt ebenfalls zu gefallen, auch wenn technische Probleme den Gesamteindruck etwas schmälerten: Der Background-Gesang des Gitarristen ging an wichtigen Stellen leider beinahe komplett unter.
Sehr spaßig war die Band Sic Zone die Groove Metal lieferten. Für Gesprächsstoff sorgten außerdem die Seuchenarzt-Kostüme, die das Bühnenbild zusätzlich aufwerteten. Zwischendurch flogen sogar Ballons ins Publikum, inklusive einer simplen, aber sympathischen Botschaft der Band: Man solle schlechte Menschen einfach ignorieren. Zum Abschluss kamen dann sogar noch Seifenblasen-Pistolen zum Einsatz.
Plagueborne hinterließen anschließend gemischte Gefühle. Der Auftritt war angenehm roh und teilweise herrlich unangenehm im besten Sinne extremer Musik, konnte aber nicht komplett überzeugen. Was allerdings völlig außer Frage stand, war, dass das Schlagzeug absolut krank gespielt worden war, und gehörte technisch zu den stärksten Leistungen des gesamten Tages.

Hammer King
Danach eskalierte die Stimmung endgültig mit Insanity Alert. Die Innsbrucker lieferten pures Energiechaos und verwandelten die Kulturhalle innerhalb weniger Minuten in ein Tollhaus. Circle Pits ohne Ende, Konfetti und völlige Eskalation. Genau so muss Crossover Thrash live funktionieren. Besonderes Highlight: Das animierte „Döner 3,50 €“-Schild, das fast schon Kultstatus erreichte. Dazu kamen herrlich absurde Schilder wie „Servus NRW“ oder „Isst mal veganes“. Selbst ein Iron Maiden-Cover wurde kurzerhand in „Run To The Pit“ umfunktioniert. Der österreichische Akzent des Sängers Heavy Kevys machte die Ansagen dabei entweder noch lustiger oder sorgte für völlige Verwirrung. Je nachdem, wen man fragte.
Das absolute Highlight beider Festivaltage waren allerdings Hammer King. Die Band bewies eindrucksvoll, warum Power Metal live funktionieren kann wie kaum ein anderes Genre. Die Stimmung in der Halle war von der ersten Minute an gigantisch. Überall wurde mitgesungen, „Hey!“ und „Ho!“-Chöre donnerten durch die Halle und die Band hatte das Publikum jederzeit komplett unter Kontrolle. Auch die Bühnenshow ließ keine Wünsche offen. Passend zu einzelnen Songs flogen Shirts, Goldtaler und weitere Goodies ins Publikum. Sänger Titan Fox entwickelte sich dabei endgültig zum Entertainer des Abends. Immer wenn er das Wort „fantastisch“ sagte, sollte das Publikum entweder „Hey!“, „Titan!“ oder schlicht „Halt die Klappe !“ brüllen, wobei Letzteres überraschend schnell die Oberhand gewann. Selbst die kleine Challenge gegen Dymytry Paradox, bei der das Publikum möglichst still bleiben sollte, scheiterte glorreich. Hammer King wussten einfach exakt, wie man eine Halle komplett eskalieren lässt. Das „Hoheitsgebiet Ochtendung“ wurde währenddessen stilecht mit Bannern und Fahnen abgesichert.

The Night Eternal
Als Ersatz für Hiraes standen anschließend Milking The Goatmachine auf der Bühne, und sorgten für einen maximalen Stilbruch nach dem melodischen Power Metal zuvor. Die Band trat ohne klassischen Schlagzeuger auf, da dieser parallel auch die Vocals übernahm. Besonders zu später Stunde war Deathgrind allerdings nicht jedermanns Sache und man merkte, dass einige Besucher mit dem extremen Stil fremdelten. Trotzdem sorgte die Band mit ihren Ziegenmasken optisch für Aufmerksamkeit und hinterließ bleibenden Eindruck. Auch die Ansagen funktionierten hervorragend: „Wollt ihr einen kurzen oder einen sehr kurzen Song? Leider habe ich nur einen Mikroständer.“ Musikalisch bedeutete der Auftritt vor allem eins: dauerhafte Nackenschmerzen.
Zum Abschluss lieferten The Night Eternal noch einmal ein starkes Set ab. Vor allem soundtechnisch gehörte der Auftritt zu den besten des Tages und das Publikum ging entsprechend begeistert mit. Besonderen Respekt verdiente sich der Sänger, der trotz Verletzung eine extrem aktive Performance hinlegte. Auch der Bassist war permanent in Bewegung und sorgte dafür, dass die Energie bis zum letzten Song hoch blieb.
Tag zwei des A Chance For Metal Festival zeigte noch einmal eindrucksvoll, warum das Festival trotz seiner vergleichsweise kleinen Größe so beliebt ist. Die familiäre Atmosphäre, Chaos, Humor, Underground-Spirit und Bands, die alles geben sind das was mich so geflasht hat. Genau das macht dieses Wochenende in Ochtendung so besonders.
















