
Geschrieben von Tim Karow
Bilder von Jörg Schnebele/JSPIcs
Das A Chance For Metal Festival feierte 2026 sein mittlerweile 20. Jubiläum, und schon der erste Tag zeigte eindrucksvoll, warum das kleine Festival in der Szene einen so starken Ruf genießt. Ochtendung selbst kennt außerhalb der Region kaum jemand, doch für Metalheads bedeutet der Ort jedes Jahr Ausnahmezustand. Festivalchef Jan stellte erneut ein starkes Billing auf die Beine: Unter anderem mit Desaster, Cobra Spell, Hiraes und Motorjesus als Größten Bands, versprach das Festivalplakat Hochkaräter.

Torment Of Souls
Doch schon im Vorfeld wurde das Festival von mehreren Ausfällen gebeutelt. Cobra Spell mussten absagen, Ersatz sollten Steelpreacher liefern. Auch Hiraes rundum Britta Görtz fielen krankheitsbedingt aus. Als wäre das nicht genug, machte während des laufenden Festivaltages zusätzlich die Nachricht die Runde, dass auch Tailgunner nicht auftreten würden. Für Veranstalter Jan bedeutete das puren Stress, doch noch am selben Tag wurde kurzerhand Milking The Goatmachine als Ersatz bestätigt. Ein riesiges Lob an das gesamte Team, das trotz aller Widrigkeiten sichtbar alles dafür tat, das Festival reibungslos am Leben zu halten.
Schon vor dem offiziellen Beginn zeigte sich die besondere Atmosphäre des Festivals. Während einige Besucher bereits stark angeschlagen den Heimweg suchten, standen andere erst am Anfang ihres Tages, obwohl die erste Band noch zwei Stunden entfernt war. DJ Benne sorgte derweil mit einer Karaoke-Warm-Up-Party für Stimmung. Zwischen schiefen Tönen, Alkohol-Eskapaden und jeder Menge guter Laune wurde lautstark mitgesungen. Noch eine tragische Nachricht : Die Mayonnaise am Essensstand war erschreckend früh ausverkauft.
Für mich persönlich war es nicht nur der erste Besuch beim A Chance For Metal, sondern überhaupt mein erstes „richtiges“ Metal-Festival. Entsprechend groß war die Vorfreude auf die kommenden Bands.
Den Anfang machten Disreality und lieferten trotz anfangs noch überschaubar gefüllter Halle einen starken Einstieg. Schnell wurde es voller und die Stimmung zog merklich an. Disreality aus Köln spielten einen mix aus Thrash- sowie Death Metal. „Ziemlich Fätt“ um es mit den Worten der Band ausdrücken zu wollen ! Besonders die „härteste und kürzeste Ballade der Welt“ sorgte für Lacher und gute Laune. Zusätzlich feierte die Band ihren Album-Release, was dem Auftritt eine spürbar besondere Energie verlieh.
Mark, Björn, Andi, Jens und Tuomas eröffneten das ACFM Festival als erste Band perfekt !

Motorjesus
Danach wurde es technisch anspruchsvoll. Andi The Wicked feuerten ein wahres Gitarrenfeuerwerk ab. Wer empfindlich auf Headbanging reagiert, dürfte spätestens hier Probleme mit der Nackenmuskulatur bekommen haben. Selbst ein etwa fünfjähriger Besucher, selbstverständlich mit Gehörschutz ausgestattet, versuchte sich begeistert am Breakdance vor der Bühne. Handytaschenlampen und Fontänen rundeten die Show atmosphärisch ab. Leider litt der Auftritt unter puren Instrumenten, wodurch sowohl die Stimmung als auch die Energie in der Halle mit der Zeit etwas abflachten.
Ein echtes Highlight des Tages waren dagegen Torment Of Souls. Sie spielten Death Metal, mit Dark- und Black Metal Anleihen. Die Band überzeugte mit starkem Bühnendesign, dichter Nebelatmosphäre, Kostümen und intensiver Publikumsinteraktion. Musikalisch wirkte es fast so, als hätten Asenblut, Hypocrisy und Nachtblut gemeinsam ein musikalisches Monster erschaffen,sowohl instrumental als auch gesanglich extrem druckvoll. Zudem feierte der Song „1177“ sein Live-Debüt.
Motorjesus lieferten anschließend eine gewohnt solide Show ab. Die Halle war inzwischen stark gefüllt und die Stimmung hervorragend. Besonders die lockeren Sticheleien gegen andere Bands sorgten immer wieder für Gelächter. Zum Beispiel, etwa die Ansage: „Ich habe Angst vor den Satanisten, die vor uns waren.“ Dazu kamen starke Moshpits und sogar ein riesiger Reifen, der quer durch die Menge geworfen wurde. Einer crowdsurfte sogar darin. Kein Muss für die Show, aber definitiv ein unterhaltsames Extra.
Den Abschluss bildeten Desaster, die mit brachialer Energie die Bühne zerlegten. Vor allem die Vocals wirkten live absolut krank und verliehen dem Auftritt eine rohe Gewalt, die perfekt zum Sound der Band passte. Leider ließ die Soundqualität im Verlauf des Headliner-Sets zunehmend nach, was den Gesamteindruck etwas schmälerte.
Der erste Tag des A Chance For Metal Festival war chaotisch, laut, verschwitzt und manchmal leicht absurd (Der erste Tag war nichts im Vergleich zu Tag 2) genauso, wie ein echtes Metal-Festival sein sollte.
















