Interview Senior Scum: „Pssst, da darfst du nicht drüber reden.“

Senior Scum hat der Hellfire-Nachwuchs kennengelernt als Vorband bei der Album-Release-Show vom Grufflo in Bonn und waren direkt angetan vom Sound. Eine Woche nach besagtem Kennenlernen sind die beiden Tims wieder auf Interview-Reise und haben der besagten jungen Band Senior Scum einiges entlocken können…

 

HF: Wir sind in Köln vor bzw. jetzt etwas abseits vom MTC Club Köln und wir sind hier mit Senior Scum. Danke erstmal, dass sich die Möglichkeit ergeben hat, euch zu interviewen.
Lucky: Danke gleichfalls! Danke, dass ihr euch die Zeit genommen und euch die Mühe gemacht habt.

HF: Kommen wir mal zu ersten Frage: Was sind eure Erwartungen ans heutige Konzert?
Elia: Fette Pits, geile Leute, ganz viel Energie und Power!
Simon: Spaß haben!
Elia: Spiel, Spaß und Freude!

HF: Heute ist auch Konzert Nummer 2 hier in der Region innerhalb einer Woche. Wie seht ihr generell die Szene hier in der Umgebung?
Lucky: Ziemlich stabil eigentlich!
Jason: Viel Potenzial!
Elia: Köln hat ja auch eine komplett lebendige Hardcore-Szene im Kreis. Die Metal-Subkultur ist hier am Leben, wenn man immer sieht wie voll die ganzen Venues bei solchen Shows sind, dann ist es unabdingbar, dass hier eine Szene lebt
Max: Wir freuen uns auch mal, endlich in Köln zu spielen. Sonst sind wir alle immer in Köln. Wir studieren hier und sonst waren wir bisher immer nur in Düsseldorf und in Bonn unterwegs und jetzt vielleicht in der Stadt, die uns am meisten am Herzen liegt.

HF: Das ist schön zu hören! Gibt es generell bei Konzerten Ziele, die ihr verfolgt oder spielt ihr einfach Frei Schnauze, „wir spielen nach Spaß“?
Lucky: Ich würde sagen, klare Ziele gibt es nicht. Unser größtes Ziel und was uns am glücklichsten macht, ist es, wenn wir sehen, dass Leute tanzen, wenn wir sehen, dass Leute abgehen. Ich meine, wir merken das ja meistens nach dem Konzert, wenn wir irgendwie Feedback kriegen, ob es Leuten gefallen hat oder nicht. Aber das schönste Feedback, ist es immer, wenn man einen Pit sieht oder wenn man sieht, dass Leute tanzen oder sich ein bisschen bewegen. Dann sind wir eigentlich immer happy. Das ist so unsere Gage.
Elia: Und natürlich auch immer so als eigener Anspruch, immer 100% zu geben. Das ist so das größte Ziel, was man an sich selber stellen kann.
Lucky: Ich glaube, wir sind auch relativ selbstkritisch, was so Technik bei uns angeht, also einfach die Performance an sich. Uns ist natürlich wichtig, dass wir eine gute Performance abliefern. Aber das kriegen wir meistens auch hin.
Andi: (*zwischengerufen) Meistens!

HF: Mal eine Frage bisschen mehr über euch. Ihr heißt ja ‚Senior Scum‘. Woher kommt der Name? Was hat er zu bedeuten?
Lucky: Also ‚Senior Scum‘ – der Name ist erstmal Witz-mäßig so entstanden, dass es eigentlich ein Anti-Rentner-Slogan ist. Es geht hauptsächlich darum, dass wir einfach abgefuckt sind von den ganzen alten Menschen, die in der Politik sind und über das Leben von jungen Menschen entscheiden. Größtenteils alte, weiße Männer. Daher kommt so ein bisschen der Name, dass wir einfach sagen: „Digga, Scheiß auf die!“ Scheiß auf die alten Männer in der Politik, die irgendwie Politik für Menschen machen, die irgendwie jetzt noch 50 Jahre länger leben als die und am Ende gar nichts von der Politik miterleben.
Elia: Es ist hauptsächlich einfach: „Wir mögen die Entscheidungen der alten Leute nicht“. Daher heißen wir Senior Scum. 
Lucky: So sieht’s aus.

HF: Grufflo hat eine eigene Album-Release-Show gemacht, Bien Vu machen heute eine EP-Release-Show. (Senior Scum war als Special Guest bei beiden dabei). Wie sieht es denn bei euch aus? Steht da schon etwas in den Sternen?
Lucky: Jaaaaawooooll!
Am 2.10. im Haus der Jugend in Neuss spielen wir eine Release-Show für unsere anstehende EP. Die EP wird im September erscheinen.
Jason: Nicht Ende August?
Lucky: Ne ne, September. Da ist sie fertig, Ende August. Im September wird die EP erscheinen mit 2 Singles und dem dritten Song beim vollen EP-Release. Wir sind hart an der Production am Arbeiten. Ich werde das Ganze selber produzieren und mischen und das wird richtig, richtig geil auf jeden Fall. Das wird sehr, sehr ordentlich. Wir haben noch nie oder ich habe noch nie für einen Release so viel Vorarbeit gemacht, im Sinne von der ganzen Arbeit, die vor dem Mischen kommt – Sprich: Aufnehmen, Schneiden, Tracken, auf die richtigen Takes achten und so – Das ist super viel Arbeit, worin viel Liebe und Schmerz reingefloßen ist. Wir hoffen, dass die EP so releaset wird, wie wir uns das vorstellen und, dass es so geil wird, wie es muss.

HF: Wir bleiben gerade mal bei der Musik. Ihr habt ja einen sehr besonderen Sound. So Nu-Metal, Groove Metal etc. in die Richtung. Man hört auf jeden Fall so einen Hybrid raus. Welche Artists haben euch denn so inspiriert, dass ihr den Klang macht, den ihr gerade macht?
Andi: Der Main-Artist, der uns so richtig connectet, wo wir alle sagen: „ok, das ist eine riesige Inspiration für unseren Sound.“ ist Slipknot für uns alle.
(Allgemeine Zustimmung der Bandmitglieder; Simon zeigt auf Tim Bs Slipknot-Shirt)
Andi: Das hört man auch, dass Slipknot für uns alle ein Einfluss war in Sachen unserer Metal-Entwicklung. Ich würde jetzt aber auch noch sagen so, viele von uns haben auch sowas wie Sepultura gehört (wieder allgemeine Zustimmung), hört man auch was raus.
Max: Vielleicht auch Rage, Rage Against the Machine ist auch tief verwurzelt, tief verankert in unserer Band.
Lucky: Generell kann man eigentlich sagen so 90’s Groove Metal und Nu-Metal hat uns eigentlich alle grundlegend inspiriert. Was halt dazukommt, was das ganze einzigartiger macht oder es machen soll, sind so Einflüsse aus Hardcore und Slam- und Death Metal, die man teilweise in unseren Songs hört, die vor allem bei den letzten 3 Songs, die wir heute spielen, besonders gut durchkommen. Oder bei den letzten 4.

HF: Deswegen Sanguisugabogg (auf dem Shirt)
Lucky: Ja!
Wo ihr jetzt ja über eure einflussreichsten Künstler geredet habt… Wenn ihr mit einem Künstler eurer Wahl zusammenarbeiten könntet, egal wie unrealistisch oder unwahrscheinlich, wer wäre es?
(*Zwischenruf von Tim K) Moneyboy!
Simon: Alexander Marcus! (Alle lachen)
Jason: Das ist eine sehr schwierige Frage. Wirklich.
Lucky: Wirklich eine schwierige Frage. Muss es eine Band sein oder kann es auch zum Beispiel ein Produzent sein?

HF: Kann auch ein Produzent sein.
Lucky: Dann Ross Robinson auf jeden Fall.

HF: Mosh-Pit, Circle-Pit oder Wall of Death?
(Allgemeine Uneinigkeit über Wall of Death oder Mosh-Pit; alle betreffende Diskussion)
Andi: gespaltene Geister!
Elia: Also, ich sage, bei unseren Shows wird eher, also, wir machen eher Ansagen für Wall of Deaths. Deswegen hätte ich gesagt Wall of Death.
Lucky: Das finde ich bei einer Wall of Death so schade. Eine Wall of Death existiert vielleicht 10 Sekunden und danach ist es ein Mosh-Pit.

HF: Wie sieht es denn aus mit euch? Wer hat denn von euch privat so den schlimmsten Musikgeschmack?
Simon: Elia.
Elia: Digga! Ich wusste es halt! Ja, also privat, fürs Band-Verhalten, also ich würde sagen, ich höre relativ wenig Metal.
Jason: Wenig? Gar nicht!
Elia: Doch! Also, ich höre schon ein bisschen Metal, aber ich sage, ich mache es auch ein bisschen unique, weil ich bin eher so im Hyperpop-, Industrial-Ding drin und ich sage, das macht das
ganze sogar abwechslungsreiche und ich bin auch etwas in diesem Female-Rap-Musikgeschmack drinnen.
(*Zwischenruf von Tim K.) Ikkimel!
Elia: Zum Beispiel, ja. Und das macht es zum Beispiel so unique, weil ich da ein bisschen eine andere Perspektive reinbringen kann. Und Attitude, ja.

HF: Gibt es einen Song, der euch live am meisten Spaß macht?
Alle: Das ist schwer!
Lucky: Fly-Crawl schon, ja.
Jason: Der kommt auch auf der EP, by the way. Der ist zwar noch nicht releaset, der macht aber live am meisten Spaß.

HF: Habt ihr auch einen Song, den ihr individuell gerne anders geschrieben hättet im Nachhinein?
Lucky: Ich persönlich nicht, eigentlich.
(Barkeeper öffnet ein Fenster und fragt, was wir machen)

HF: Wir sind von der Presse.
Lucky: Und wir werden interviewt.
Barkeeper: Tschuldigung!
Andi: Was machen Sie für Musik? (Alle lachen; Barkeeper schließt das Fenster wieder)
Elia: ich hätte „Klotsack“ gesagt. Ich hätte Klotsack wahrscheinlich anders geschrieben, weil für mich ist es ziemlich schwierig, den zu singen, weil einfach die Intonation von dem, was gerade die Gitarren spielen und was ich singe, ist echt nicht so easy und wir haben wirklich sehr lange gebraucht, damit das auch mal wirklich funktioniert. Aber so vom Text her hätte ich eher „Semele“ gesagt.

HF: Gibt es eurer Meinung nach einen Song von euch, der sehr unterschätzt ist oder wo es untereinander Diskussionen gibt?
Jason: Diskussionen eher weniger, aber unterschätzt.
(*Zwischenruf): „Encounter“
Lucky: „Encounter“?
Andi: Es ist schwierig, die ganze Zeit von unreleasten Songs zu sprechen, die wir halt live spielen.
Lucky: „What’s real?“.
Elia: Ja, safe
Andi: Unser Closing-Song, schon immer. Macht uns auch einfach super viel Spaß. Ich glaube, manchmal kommt das nicht so bei den Leuten an.

HF: Jetzt folgt nochmal eine lustige Frage. Wie habt ihr Ferb (ihr Alien-Maskottchen) gefunden? Oder, wie hat euch Ferb gefunden?
Elia: Ich glaube, Ferb hat uns gefunden.
Jason: Ferb?

HF: So wurde das Alien letzte Woche in Bonn von uns getauft.
Simon: Da standen die Sterne und Planeten richtig und er ist in unserem Garten erschienen.
Andi: Er ist vom Himmel gefallen und wollte…
(*Unterbrochen mit Humor) Pssst, da darfst du nicht drüber reden. (alle lachen)

HF: Wer würden denn von euch in einem Alienfilm als erstes verschwinden und wer würde freiwillig folgen?
Andi: Elia würde als erstes verschwinden UND dem Alien folgen. (Alle lachen)

HF: letzte Frage: Wollt ihr noch etwas der Metalwelt sagen oder den Lesern, euren Fans?
Lucky: Geht noch mehr zu Gigs, supportet noch mehr die Szene, schmeißt noch mehr Gigs, organisiert noch mehr selber.
Andi: Und natürlich: Danke!
Jason: und fick Ticketmaster!
Elia: Und nimmt euch nicht zu ernst!

HF: Vielen Dank für eure Antworten! Wir wünschen euch eine geile Show!

 

Interview von Tim Braff und Tim Karow

 

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