Geschrieben von Oliver Heberling
Kunst!Rasen Bonn // 13.08.2026. Nach dem viel gefeierten SAVATAGE-Comeback im vergangenen Jahr war die Freude nicht nur bei mir groß, dass es nach den zwei Deutschland-Gigs in Oberhausen und München Nachschub geben sollte. Neben Festival-Auftritten in Wacken und beim Keep It True Legions gaben sich die US-Amerikaner unter anderem auch auf dem KUNST!RASEN BONN die Ehre. Mit dabei: NEVERMORE – und damit eine weitere der größten Comeback-Überraschungen der vergangenen Jahre.
Die Seattler Prog-Metal-Helden der 1990er- und 2000er-Jahre mussten sich nicht vor dem Main-Act verstecken. Viele der rund 3.000 Konzertbesucherinnen und -besucher waren auch oder sogar vorrangig wegen ihnen angereist. Um 18.45 Uhr ging es dann mit dem Opening der „Dreaming neon black“ los. Das vom Band eingespielte Intro „Ophidian“ und der daran anschließende „Beyond within“ ließen das Gelände, das aufgrund der aktuellen Wetterlage mit Rasen leider nicht viel zu tun hatte, direkt Beben.
Als das NEVERMORE-Comeback angekündigt wurde, waren viele skeptisch, wie denn der 2017 verstorbene Warrel Dane als Sänger ersetzt werden sollte. Mit Berzan Önen wurde ein Nachfolger gefunden, der mit extrem viel Power und Charisma die großen Fußstapfen bestens ausfüllt. Nach dem gelungenen Opening fokussierte sich die Song-Auswahl auf die 2000er-Phase der Band. Hier konnten bei mir besonders „The heart collector“ und der Doppelpack aus „Narcosynthesis“ und „The river dragon has come“ punkten.
45 Minuten später war große Begeisterung bei den für NEVERMORE angereisten Fans zu vernehmen. Bleibt zu hoffen, dass die neu formierte Truppe um das einzige Gründungsmitglied Jeff Loomis hieran weiter anknüpfen will.
Kurz vor 20 Uhr begann sich der recht große Front of Stage Bereich dann noch mehr zu füllen und bereits bei den ersten Klängen von „Morphine Child“, das auszugsweise als Intro verwendet wurde, war der Publikumsjubel enorm. Für mich war es die dritte SAVATAGE-Show nach dem Comeback in München und dem Auftritt auf dem Keep it True Legions in Geiselwind fünf Tage zuvor. Die Spielfreude der Band lässt sich insbesondere am variierenden Set festmachen. War die München-Show noch sehr geprägt durch das vorletzte Album „The wake of Magellan“ gab es diesmal eine über den gesamten Kanon sehr ausgewogene Setlist mit einigen Überraschungen (auch gegenüber Sonntags zuvor).
Der Einstieg mit „Dead winter dead“, „Jesus saves“ und „Lights out“ war für meinen persönlichen SAVATAGE-Geschmack eher holprig. Doch spätestens ab „This is the time (1990)“ konnten weite Teile des Publikums ihre Textsicherheit beweisen und das große und schön aufgemachte Festgelände mit epischen Chören erfüllen. Mit „Unusual“ und dem von Chris Caffery gesungenen „Warriors“ gab es zwei Überraschungen aus dem Frühwerk und mit „Miles Away“ auch einen Deep Cut meines Lieblingsalbums „Edge of thorns“.
Besondere Fan-Momente gab es durch die Einbindung von SAVATAGE-Mastermind Jon Oliva und seinen verstorbenen Bruder Criss. Die Ballade „Believe“ wurde durch den Mountain King, der aus gesundheitlichen Gründen nicht touren kann, auf einem aufgezeichneten Video eröffnet und in die Live-Performance der Band vor Ort übergehend später gemeinsam vollendet. Begleitet unter anderem durch eine Fotostrecke mit Bildern von Criss Oliva.
So bildgewaltig wurde die Leinwand sonst selten eingesetzt. Die Einspieler waren ansonsten geprägt durch KI-generierte Videos, die teils für Kopfschütteln und Lacher sorgten, wie feuerspeiende Kobras, deren Flammen eher aus den Ohren zu kommen schienen. Bei den epischen Rockopern, die die Band im Katalog anzubieten hat, kommt es aber auch eh mehr auf die Musik an als auf die Show. Das wusste das Publikum am Schluss des Abends bei „Gutter ballet“, „Edge of thorns“ und „Hall of the mountain king“ dann auch nochmal besonders zu schätzen.
Zurück bleibt ein Abend an dem zwei absolute Kultbands ihre siegvolle Rückkehr auf epische Weise fortsetzen und in nächster Zeit hoffentlich neues Material sowie weitere Touren präsentieren.
Setlist Nevermore:
01 – Ophidian (Tape)
02 – Beyond within
03 – Inside four walls
04 – Final product
05 – The heart collector
06 – Born
07 – Narcosynthesis
08 – The river dragon has come
09 – Enemies of reality
Setlist Savatage:
01 – Morphine child (Intro)
02 – Dead winter dead
03 – Jesus saves
04 – Lights out
05 – This is the time (1990)
06 – Taunting cobras
07 – Unusual
08 – Handful of rain
09 – Chance
10 – Temptation revelation
11 – Prelude to madness
12 – Warriors
13 – Miles away
14 – Tonight he grins again
15 – Power of the night
16 – Sirens
17 – Strange wings
18 – The wake of Magellan
19 – Believe
20 – Gutter ballet
21 – Edge of thorns
Zugabe:
22 – Hall of the mountain king
Weitere Infos:
Savatage
Nevermore
Kunst!Rasen Bonn










