Mindstates – “…sehr anstrengend, aber eben auch sehr geil!”

©Mindstates

Mit dem Hellfire Quick5 Interview versuchen wir für unsere Leser möglichst interessante Infos aus den Musikern rauszukitzeln, ohne dass sie sich seitenlangen Fragen/Antworten hingeben müssen. Wir vom Hellfire bemühen uns dabei, (mehr oder weniger) kurz und prägnant im Rahmen von 5 Fragen zu agieren (manchmal kann eine Frage auch gedoppelt oder getrippelt sein); den Musikern obliegt es, nach ihrem Gutdünken zu antworten: kurz und knapp bis hin zu ausschweifend und umfangreich.

Diesmal sprachen wir mit Mindstates aus München, die vor kurzem ihren ersten Song „Love Means War“ veröffentlicht haben.

HF: Die konventionellen Band-Strukturen sind euch ja durchaus vertraut, aber mit Mindstates wollt ihr diese bewusst hinter euch lassen. Was unterscheidet Mindstates von einer normalen Band?

Yannick: An sich wahrscheinlich nichts, oder alles, wir sind die normalen Bands. und die nicht normalen. Darum geht’s, glaub ich, für mich persönlich. ” Go all the way ” hahaha, so in der Richtung, wenn das irgendwas aussagt??! Jeder kann machen bei Mindstates….es muss nur gemacht werden….gerade z.B. stellen wir einfach nur eine Frage….warum gehst du arbeiten? und der Gedankenprozess bei jedem einzelnen der die Frage liest, wird ein anderer sein….aber genau darum geht es…nicht die Antwort….sondern den Weg zu gehen und mal zu hinterfragen.

Emil: Mindstates selbst ging einfach schon ganz anders los. Man hat nicht gesagt: “Jetzt stellen wir uns in den Proberaum und schreiben Songs” – davon hatte ich nach jahrelangem Band-Dasein tatsächlich erstmal genug. Was aber nicht heißen soll, ich hätte keinen Bock auf Mucke machen. Ich höre jeden Tag stundenlang Musik und sitze meistens auch an irgend ‘nem Instrument. Kann mir schwer vorstellen, dass sich das eines Tages mal ändern wird. Jedenfalls hatte ich auch schon ne Zeit lang dieses eine Riff, aus dem ich unbedingt etwas machen wollte. Also saß ich lange in meinem kleinen Homestudio und habe gejammt, aufgenommen usw. Doch irgendwas hat mir gefehlt. Vielleicht doch der Austausch mit einer anderen Person im kreativen Sinne – wahrscheinlich. Und da dachte ich als erstes an Yannick. Ich wusste, dass er ziemlich geknickt war, gerade niemanden zu haben, mit dem er Mucke machen konnte. Wir haben schon seit Jahren zusammen gespielt, verstehen uns musikalisch und menschlich. Ich vergleich das immer so’n bisschen mit ner Beziehung – das passt auch nicht mit jedem 😀 Jedenfalls habe ich ihm einfach mal das Riff geschickt und wollte wissen, was er davon hält und so führte eins zum anderen. Für mich war und ist Mindstates einfach nicht als Band angedacht, sondern als Weg, der Kreativität freien Lauf  lassen zu können und als Ventil.

HF: Wenn man mal „Love Means War“ als Beispiel nimmt, so habt ihr ja nicht nur die Musik als Ausdrucksform gewählt, sondern in dem Fall auch z.B. zwei Videos zum gleichen Song veröffentlicht und im Vorfeld des Releases eher untypische Teaser gedreht. War das Ganze von Anfang so umfassend gedacht oder habt ihr da während des Entwicklungsprozesses die Grenzen immer weiter verschoben?

Emil: Als der Song erstmal stand, war in meinen Augen die große Frage „Was wollen wir aussagen?“ und vor allem – wie? Auf so ein „wir basteln ein Cover und hauen den Song raus“ hatten wir beide keinen Bock, da waren wir uns schnell einig. Bzw. gab es bisher kein uneinig. Das ist ja das Schöne. Es ist ein gemeinsamer, kreativer Prozess, bei dem wir zusammen sitzen, labern, Ideen austauschen, Musik hören und überlegen, wo die Reise hingehen könnte. Wir wollten ein Video. Doch wie sollten wir das umsetzen? Keine Kohle und keine Sau hat jemals von Mindstates gehört. Aber wir haben uns, als wir dem Projekt einen Namen gaben, eines geschworen: nicht labern – machen! Also haben wir gemacht. Ein Storyboard geschrieben, ich hab mir ne Action-Cam besorgt, Locations ausgecheckt und viele Drehtage gehabt. Da muss ja so viel passen: Zeitmanagement, Wetter, keine Leute, die durch’s Bild rennen – wir konnten nicht einfach ne Straße sperren wie im Hollywood Film 😉  – und dann mussten wir uns noch über Wochen eine Videoschnitt.Software einimpfen, denn damit hatten wir zuvor auch noch nie gearbeitet. Alles an diesem Song und den Videos ist komplett selbst gemacht. Und uns ist es ehrlich gesagt egal, ob der Zuschauer den VHS Wink checkt und sich evtl. fragt, warum Musiker 2019 ein Video rausbringen, das nicht in Full HD ist. Wir haben unsere Vision umgesetzt und sind stolz darauf. Gebt uns die Möglichkeit und wir basteln euch nen Blockbuster haha. Warum es dann letztendlich zwei Videos geworden sind und was genau die Teaser eigentlich damit zu tun haben, darüber kann sich jeder selbst Gedanken machen. Das ist, was ich persönlich mit „Love Means War“ erreichen wollte – zum Denken anregen…

Yannick: Genau das!! das Feld wird erst ausgelotet, Grenzen an sich haben wir uns nicht gesetzt, neue kreative Ansätze finden, alles ausprobieren und ganz weit raus aus dieser comfort zone. Und es ist ja alles erlaubt…..du hast etwas zu fragen….there you go!

HF: Das klassische Band-Dasein fordert ja oft Kompromisse, schon allein durch die Anzahl der beteiligten Personen. Den Kern von Mindstates bilden nur zwei Personen, die bei abweichender Interpretation eines Aspektes diese auch darstellen dürfen, so z.B. durch die unterschiedlichen Versionen eures Videos. Musstet ihr da erstmal umdenken lernen und ist es eigentlich auch anstrengend, Individualität zuzulassen?

Yannick: (breitestes Grinsen meinerseits) Wie die Hölle….ich z.B. bin so n kleines cholerisches Arschloch, Kompromisse mit mir sind sehr schwierig, aber eben genau darum geht es….zu wachsen, dazu zu lernen und Neues zu erfahren. Und da wir beide vorab geklärt haben, “Kunst ist Kunst”, kriegen wir auch trotz heftigster Dispute immer noch die Kurve….das Projekt gewinnt und glättet alle Wogen….und ich glaube, es muss sich auch reiben. Also ja, sehr anstrengend, aber eben auch sehr geil!

Emil: Künstler sind allgemein wahrscheinlich nicht die einfachsten Menschen auf diesem Planeten. Da denkt jeder irgendwo „Meine Idee ist die Geilste“ 🙂 Doch dafür kennen wir uns ja seit Jahren. Um zu wissen, wie man dem Anderen seine Vision vermittelt oder sofort checkt „Ja, so wär’s noch viel besser“. Klappt jedoch nicht immer haha – aber nen Weg findet man trotzdem. Wo wir wieder beim Thema Beziehung wären….oder auch bei „Love Means War“. Da macht ihr euch jetzt mal Gedanken zu 😀 Wenn man immer einer Meinung ist, entsteht doch eigentlich nur eins – Langeweile. Für Langeweile ist mir mein Leben zu kurz.

© Mindstates

HF: Wie sehr ist „Love Means War“ eigentlich ein Grundstein für Mindstates? Denkt ihr, dass ihr musikalisch zukünftig in ähnliche Weise aktiv werdet oder sind da auch komplette Stiländerungen denkbar oder sogar schon absehbar? Wird Musik definitiv der Schwerpunkt eures künstlerischen Ausdrucks bleiben?

Emil: Wir sitzen gerade schon an den nächsten Songs und ich kann jetzt schon verraten, dass die sehr unterschiedlich klingen werden. Ich finde, das hört man bereits bei der Alternate Version von „Love Means War“, die wir an Weihnachten veröffentlicht haben. Man wird unseren Stil (wenn man das nach einem Song überhaupt schon sagen kann) wahrscheinlich raushören, aber ich selbst höre gerade so viel unterschiedliche Musik….das fließt immer auf die ein oder andere Weise mit ein – weil es mich inspiriert. Ich setze mir einfach keinerlei Limits und probiere es aus…setze um, was ich im Kopf hab. Von der Orgel bis zum Saxophon – kommt alles noch. Ob die Musik der Schwerpunkt bleiben wird, kann ich so noch nicht sagen. Ich werde immer Musik machen, das ist sicher. Wir beide sind aber auch wahnsinnige Cineasten. Ich hätte z.B. mal end Bock einen Film zu vertonen. Wo ich nur das Bild vor Augen habe und die Szenen mit der Musik untermalen und Emotionen hervorheben müsste. Das fände ich richtig spannend. Einfach abwarten, was sich noch so ergibt…

Yannick: Also stilistisch keine Ahnung, alles was wir noch nicht gemacht haben, oder vielleicht auch etwas, das wir gemacht haben….je nach Laune, manchmal auch eher nach Nicht-Laune… es gibt tatsächlich eine eher nicht so favorisierte Musikrichtung meinerseits….liegt quasi auf der Hand, mich damit mal auseinander zu setzen….aber wie gesagt…alles ist erlaubt, es muss nur gemacht werden, und jede Form ist erlaubt, wir sind eher Richtung Musik orientiert, stehen aber auf alles und werden sicher auch weiterhin alles versuchen und machen, Bild , Ton, und alles was noch so kommt.

HF: Ist Mindstates eigentlich als konstantes Projekt angelegt oder wollt ihr da eher nach Bedarf und wenn ihr Lust dazu habt, aktiv werden? Und habt ihr schon mal drüber nachgedacht, Mindstates auch auf die Bühne zu bringen?

Yannick: Es ist als fixes Geschehen gedacht, aktuell haben wir nur einen Song und sind nur zu zweit, was live spielen leider noch hinten anstellt, aber es wird, denke ich, sicher kommen, ist auf jeden Fall wünschenswert, mal sehen was noch kommt, wir haben Bock !

Emil: Auch das haben wir von Anfang an klar gemacht: Mindstates wird für uns die Konstante sein. Wir beide haben genug Band- und Besetzungswechsel mitgemacht und haben wieder bei Null angefangen. Egal wie es bei uns weiter geht. Ob neue Leute dazu stoßen und man irgendwann mal wieder Live spielt – wenn es passt, sind wir da offen für alles. Selbst beim ersten Song sind ja schon 4 weitere Künstler vertreten, die sich auf unterschiedlichste Weise eingebracht haben. So kann es auch gern weiter gehen. Momentan sprudelt die Kreativität nur so aus uns heraus. Sobald wir merken, wir brauchen eine Pause – dann gönnen wir sie uns. Nur so bleibt der Bock und Flow erhalten. Aber um ehrlich zu sein…solche Pausen gab es bisher nicht. Selbst wenn wir uns ein paar Tage nicht gesehen haben, hat jeder eigenständig an etwas gebastelt und beim nächsten Mal gesagt: “Du, ich hab da was…”. Das ist vielleicht auch das Besondere an Mindstates.

HF: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen euch für die Zukunft alles Gute und sind gespannt, was wir als nächstes von euch hören werden. 

Emil: Dir auch vielen Dank, für die Möglichkeit ein bisschen was über uns erzählen zu dürfen. Gerne wieder!
Yannick: Wir danken, saugeil, erstes Mindstates Interview, rinjehaun, bis bald!
 
Interview: Katja Maeting
 
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