Mad Butcher aus Essen: mögliche Superstars in China?

Foto Jörg Litges

Mit dem Hellfire Quick5 Interview versuchen wir dem Leser möglichst interessante Infos aus den Musikern rauszukitzeln, ohne dass sie sich seitenlangen Fragen/Antworten hingeben müssen.
Wir vom Hellfire bemühen uns, (mehr oder weniger) kurz und prägnant im Rahmen von 5 Fragen zu agieren (manchmal kann eine Frage auch gedoppelt oder getrippelt sein); dem Musiker obliegt es, nach seinem Gutdünken zu antworten: kurz und knapp bis hin zu ausschweifend und umfangreich.

Mein heutiges Interview wirft mich mal eben 35 Jahre in der Zeit zurück. Damals war der Ruhrpott Schmelztiegel des Heavy Metals und brachte unzählige Bands hervor. Eine davon war Mad Butcher. Mit dem 1985 erschienen Debütalbum „Metal Lightning Attack“ erzielten die Essener Achtungserfolge, bei denen es aber auch letztendlich blieb.
Jahrzehnte habe ich vergeblich versucht, mir das Scheibchen zuzulegen, aber auch trotz Ebay oder Amazon blieben alle Bemühungen vergebens.
Nun wird im November „Metal Lightning Attack“ als Vinyl wiederveröffentlicht, was den Schreiber dieser Zeilen unendlich erfreut.
Grund genug, in den sozialen Medien nach Mad Butcher Sprachrohr „Metal“ Harry Elbracht Ausschau zu halten, um ihm ein Interview aufzudrücken. Dank Facebook auch recht schnell gefunden, auf Sardinien im Urlaub….

 

HF: Harry, ich muss sagen, dass ich mich persönlich extremst freue, dass „Metal Lightning Attack“ wiederveröffentlicht wird. Wie kam es dazu und welchen Einfluss konntest Du und Deine damaligen Bandmates diesbezüglich nehmen?

© Harry Elbracht/Mad Butcher

HE: Na ja, Mad Butcher gibt’s als Liveband ja nicht mehr. Wir haben uns 1990 aufgelöst, weil wir keine Plattenfirma gefunden haben, die die nächste Scheibe herausbringen wollte. Das ist mir aber jetzt gelungen dank der amerikanischen Plattenfirma Stormspell Records; die haben „For Adults Only“ herausgebracht. Die waren so begeistert, dass sie mich fragten, ob es noch mehr Material gäbe, was sie veröffentlichen könnten.
Da die Rechte unserer zweiten Scheibe „Metal Meat“ frei waren, konnte ich den Jungs auch dafür die Erlaubnis zur Veröffentlichung geben.
Na ja und wir hatten noch ein altes Demo, mit dem wir uns damals zwecks Debütscheibe bei Earthshaker beworben hatten. Das Demo haben sie dann auch noch herausgebracht. So kam dann der Stein ins Rollen.
Ich habe 2012 mal ein Interview für ein Magazin namens „Thrash Attack“ gemacht. Der Herausgeber, Florian Grill war sehr engagiert. Er hat sich sehr für Mad Butcher interessiert, und das zu einer Zeit, als kein Hahn mehr nach uns gekräht hat.
Inzwischen hat Florian ein eigenes Label gegründet, Dying Victims Production, und mich gefragt, ob er „Metal Lightning Attack“ als Vinyl veröffentlichen darf. Wir haben gut zusammengearbeitet; ich konnte Einfluss nehmen auf Covergestaltung, Inlet etc. Wenn das was wird, will er kommendes Jahr auch noch die zweite Mad Butcher als Vinyl herausbringen.

 

HF: Ich habe damals das Fanzine Live Wire herausgebracht und wir haben Euch dann 1986 nach Bonn geholt, um dort in einem kleinen Club ein Konzert mit Euch zu veranstalten. Damals machte es für mich den Eindruck, dass Mad Butcher steil gingen und wir mit diesem Konzert bei Euch eher eine Goodwill Aktion ausgelöst haben, um Live Wire zu unterstützen.
1983 habt Ihr zuvor in der Bochumer Zeche u.a. mit Axe Victims, Steeler und Cutty Sark das 2. Aardschok Festival gespielt.
Lief augenscheinlich gar nicht schlecht für Euch; was ist dann schiefgelaufen?

HE: An den Gig in Bonn kann ich mich noch ganz gut erinnern. Wir sind damals aus Essen immer ins „More“ nach Bad Godesberg gefahren (das war nicht Bad Godesberg, sondern Beuel – Anm JS) und haben dort immer Metal Partys gefeiert. Und dort haben wir den Hard Rock Club Bonn und die Live Wire Leute kennengelernt: den Manni und… ich weiß gar nicht mehr, wie sie alle hießen…
Und darüber ist dann auch der Gig zustande gekommen. War ziemlich gut damals…
Der Aardshok Tag war übrigens 1985 in der Zeche. Das Ganze hat damals Axel Thubeauville organisiert…

 

HF: Ich habe mal in einem selbst geführten Interview erfahren, dass Euer Debüt vom damaligen Shark Records/Earthshaker Records Kopf Axel Thubeauville eine „eine Hand wäscht die andere“ Geschichte für Deinen Support gewesen sei. Wenn dem so war, musst Du ja schon ne Menge für Axel getan haben, dass ein Album dabei herausgesprungen ist. Was lief da genau ab?

HE: Der Gefallen, den ich Axel damals gemacht habe war, den Kontakt zum Metal Mike vom Aardshok herzustellen. Wir haben damals oft Konzerte in Dynamo besucht. Mike war damals der Metal Pabst in Holland und ist es auch heute noch. Wir haben uns kennengelernt, ausgetauscht und sind bis zum heutigen Tag freundschaftlich verbunden.

© Harry Elbracht/Mad Butcher

Nachdem ich den Kontakt zu Axel hergestellt hatte, kam dann ja auch das deutsche Aardshok heraus…
Aus Dank für das Herstellen des Kontaktes, hat Axel die erste Scheibe „Metal Lightning Attack“ dann auf Earthshaker veröffentlicht. Letzten Endes ist es dann ja auch dabeigeblieben. Damit hatte er seine Pflicht und Schuldigkeit getan. Wir waren dann Label los, haben zwar weitergemacht und Konzerte gespielt, aber es ging nicht so richtig voran.

 

HF: 1987 erschien noch „Metal Meat“ und 2020 (!) „For Adults Only”. “Metal Meat“ ist total an mir vorbeigegangen und die 2020er Veröffentlichung irritiert mich sehr. Was hat es damit auf sich? Sind die Alben überhaupt irgendwo zu bekommen?

HE: Wir haben 1986/87 neue Songs gemacht; die habe ich natürlich dem Axel angeboten, aber Mad Butcher waren nicht gerade der Renner auf Earthshaker. Axels Intention war natürlich, Geld zu verdienen.
Ich habe mich dann letzten Endes um ein anderes Label bemüht und Ingo Nowotny mit seinem „Metal Enterprises“ hat dann letzten Endes die zweite Scheibe herausgebracht. Wir haben das fertig produzierte Album inklusive Cover Konzept verkauft. Wir haben Kohle dafür bekommen und damit waren alle Rechte und Pflichten abgegolten.
Mit dieser Scheibe haben wir dann auch sehr gute Touren bekommen. Wir haben uns damals dann auch einen Manager geleistet, einen Typen aus Düsseldorf, der ganz gut vernetzt war und uns dann bundesweit Club Gigs besorgt hat.
Damals, 1987/’88, war auch die kreative Hochphase der Band, wo wir live gut eingespielt waren und an neuen Songs gearbeitet haben.
1988 haben wir versucht, unsere „For Adults Only“ an den Markt zu bringen; aber dann fing das Ganze mit Grunge an, und bei uns ging es irgendwie nicht voran. Wir waren ja alle nur Hobby Musiker und hatten Jobs, mit denen wir die Band unter einen Hut bekommen mussten. Größere Touren waren damals schwierig, mit dem Job zu koordinieren.
1986 hatten wir die Chance, die Hell Awaits Tour von Slayer europaweit zu supporten. Die Band wollte das, aber das Management hat sich dagegen entschieden und hat sich stattdessen lustigerweise für Destruction entschieden. Die Slayer Tour wäre wohl der Wendepunkt für uns gewesen, und wir hätten uns etablieren können. So aber liefen dann die Thrashbands an uns vorbei und gerade in Essen und Umgebung haben Kreator und Sodom die Pole Position eingenommen.
Mad Butcher, die in ihren Songs sehr vielfältig waren, saßen zwischen allen Stühlen. Dass hat dann auch letztendlich zum Ende der Band geführt.

 

HF: Wir erleben in den letzten zwei/drei Jahren extrem viele Reunions, auch wenn es oft keinen wirklichen Sinn macht, da oftmals lediglich einer der ursprüngliche Musiker mit von der Partie ist. Die Wiederveröffentlichung von „Metal Lightning Attack“ lässt allerdings vermuten, dass ähnliches auch mit Mad Butcher passieren könnte. Wie sieht es aus?

© Harry Elbracht/Mad Butcher

HE: Für die drei Veröffentlichungen auf CD bei dem Amerikanischen Label Stormspell Records gibt es keinen deutschen Vertrieb. Wir als Band haben je 50 Stk bekommen, um sie hier selbst unter die Leute zu bringen. Die verticken wir.
Aktuell gibt es Gespräche mit unserem Drummer Rainer Gullan und unserem Gitarrist Rolf Borchert, ob wir live noch mal etwas machen. Die Wiederveröffentlichungen sind ganz gut eingeschlagen und es gibt offensichtlich viele Leute mit Bock auf traditionellen Metal. Die Kids wollen mal hören, wie es ursprünglich in der Szene aussah Mitte der Achtziger Jahre. Wir lassen das jetzt mal auf uns zukommen.
Ich habe aktuell ein paar Angebote von Musikern, die Bock hätten, bei einer Reunion mitzumachen. Ich möchte natürlich möglichst viele Original Mad Butcher Musiker dabei haben, also Rolli und Rainer mit mir am Bass und Gesang. Unser vierter Man, der Sidney (Keller, g.) ist nach China ausgewandert. Er war als Siemens Techniker ein Jahr in Hongkong, hat dort seine jetzige Ehefrau kennengelernt und ist dann ganz übergesiedelt. Dementsprechend ist Sidney bei einer Reunion raus; hier müsste dann jemand anderes die zweite Gitarre übernehmen.
Im Augenblick ist jede Menge im Fluss und wir wollen mal sehen, wie sich die Wiederveröffentlichung auf Vinyl des Debüts entwickelt.
Ich habe lustigerweise noch ein Angebot eines chinesischen Labels, um die „Metal Lightning Attack“ auf CD und Kassette rauszubringen.
Mal sehen, ob der chinesische Markt explodiert. Wenn 0,001 der Chinesen mit Mad Butcher was anfangen können, dann wären wir natürlich Superstars (lacht).
Wenn jemand Interesse an unseren Veröffentlichungen hat, einfach den Metal Harry auf Facebook kontaktieren (https://www.facebook.com/harry.elbracht). Ich habe noch ein paar Exemplare, die dann über den Ladentisch gehen.

 

Den Jungs von Mad Butcher sei es wirklich gegönnt; drücken wir die Daumen, dass wir den Vierer sehr bald auf heimischen Bühnen sehen können.

 

Interview: Jörg Schnebele

 

Mehr Infos:

https://www.facebook.com/Mad-Butcher-German-HeavySpeed-Metal-381731565191990

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