Witchburner – Black Raging Flames

© Witchburner

 

Geschrieben von: Tim Karow 
Band: Witchburner
Album: Black Raging Flames
Genre: Blackened Thrash Metal
Plattenfirma: Diabolical Might Records
Veröffentlichung: 04.09.2026

 

Nach dreizehn Jahren Funkstille melden sich die Fuldaer Thrash-Veteranen WITCHBURNER mit ihrem achten Longplayer zurück. Wer WITCHBURNER nicht kennt, diese Jungs machen Zielen Thrash seit 1992. Und wer befürchtet hat, dass die lange Pause Spuren hinterlassen oder die einstige Aggressivität gezähmt haben könnte, darf beruhigt sein: „Black Raging Flames“ klingt nicht nach Altersmilde, sondern nach einer Band, die ihre alten Feindbilder wieder aus dem Keller holt und ihnen mit rostigem Stahl den Schädel spaltet.

WITCHBURNER wurden Anfang der Neunziger von Schlagzeuger und Sänger Tankred Best sowie Gitarrist/Bassist Florian Schmidt gegründet, damals noch als Teenager und bereits vollkommen besessen vom Thrash Metal der Achtziger. Namen wie Kreator, Destruction, Sodom und Konsorten haben ihre Spuren hinterlassen, doch WITCHBURNER waren nie eine Band, die sich damit begnügte, ihre Vorbilder zu kopieren. Über die Jahre entwickelte sich ein eigener, kompromissloser Stil, der fest im klassischen deutschen Speed- und Thrash Metal verwurzelt blieb.

Gerade das macht die Band bis heute interessant. Während zahlreiche ehemalige Weggefährten irgendwann Richtung Groove Metal, Melodic Death oder modernisierten Neo-Thrash abgebogen sind, hielten WITCHBURNER unbeirrt an ihrem Rezept fest. Roh, aggressiv, schnell und ohne überflüssigen Firlefanz. Dass sie zwischenzeitlich auch gerne mal als Black-Thrash-Band einsortiert wurden, trifft den Kern allerdings nur bedingt. „Black Raging Flames“ ist vielmehr ein ziemlich lupenreines Bekenntnis zum klassischen Teutonic Thrash.

Schon „Richtschwert“ und „Pestilent Disciple“ machen unmissverständlich klar, wohin die Reise geht. Die Riffs kommen mit ordentlich Druck aus den Boxen, die Geschwindigkeit sitzt und Sänger Pino Hecker verpasst dem Material mit seinem kräftigen, deutlich artikulierten Organ die passende Dreckschicht. Seine Stimme wirkt dabei etwas voller und kontrollierter als manches, was man aus den frühen Tagen der Band kennt, ohne dass dadurch auch nur ein Funken Aggression verloren geht.

Bemerkenswert ist vor allem, wie geschlossen das Album wirkt. Nach einer derart langen Pause hätte man durchaus mit einem etwas zerfahrenen Comeback rechnen können. Stattdessen präsentiert sich die Band erstaunlich fokussiert. Die Songs gehen ineinander über, das Tempo bleibt hoch und die Gitarrenarbeit bewegt sich konsequent zwischen klassischem Speed Metal und der erbarmungslosen deutschen Thrash-Schule.

Stücke wie „Siege of Terror“, „Throne“ und der Titeltrack „Black Raging Flames“ leben dabei weniger von spektakulären Neuerungen als von konsequent eingesetztem Handwerk. WITCHBURNER wissen ganz genau, was sie können – und vor allem, was sie nicht brauchen. Keine überproduzierten Soundeffekte, keine modernen Experimente und keine zwanghaft eingebauten Überraschungen. Stattdessen gibt es Riffs, Gangshouts, treibende Drums und eine ordentliche Portion Stahl.
Besonders schön ist die Verbeugung vor VECTOM: Mit „Too Fast For Hell“ haben WITCHBURNER einen Song der deutschen Speed-Metal-Legenden ins Programm genommen und prügeln diesen entsprechend gnadenlos durch die Botanik. Ein Cover, das hervorragend zum eigenen Material passt und gleichzeitig zeigt, aus welchem musikalischen Fundus die Band schöpft.

Überhaupt fühlt sich „Black Raging Flames“ wie eine Zeitreise an – allerdings keine sterile Retro-Veranstaltung. WITCHBURNER versuchen nicht, künstlich nach 1985 zu klingen. Vielmehr verbinden sie die klassische Riffästhetik und Attitüde der damaligen Zeit mit einem moderneren, druckvolleren Sound. Das Ergebnis ist angenehm direkt und besitzt genügend Wucht, um auch außerhalb einer nostalgischen Old-School-Blase zu funktionieren.

Nach dreizehn Jahren Pause hätte man WITCHBURNER einen Neustart kaum besser wünschen können. „Black Raging Flames“ ist kein Album, das den Thrash Metal neu erfinden will. Das muss es aber auch überhaupt nicht. Es geht hier um Energie, Leidenschaft und die konsequente Pflege einer musikalischen Tradition, die der Band seit mehr als drei Jahrzehnten am Herzen liegt.
Wer mit klassischem deutschem Thrash Metal etwas anfangen kann und bei Namen wie Kreator, Destruction, Sodom oder Vectom feuchte Augen bekommt, sollte WITCHBURNER definitiv eine Chance geben. Zehn Songs, rund 35 Minuten Spielzeit und kaum Zeit zum Luftholen – genau so darf ein Comeback aussehen.

Nach 13 Jahren so ein Brett zu liefern ist wirklich beeindruckend. Ein herrlich kompromissloses Lebenszeichen einer Band, die sich auch nach dreizehn Jahren nicht verbiegen lässt. Alte Schule, neue Wucht. 8 von 10 Hellfire-Punkten.

 

Tracklist: 

01 Richtschwert
02 Pestilent Disiple
03 By Chains Severed
04 Siege of Terror
05 Witchburner Pt. III
06 Black Raging Flames
07 By Moonlight We Strike
08 Throne
09 Too Fast for Hell
10 One Million Beers

 

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