Wacken 2026: Freitag 31.07.2026, Tag 3

Tag 3 in Wacken und Hitze und Kilometer machen sich (nicht nur bei mir) bemerkbar. Dennoch beginnt mein „Arbeitstag“ bereits um 12:00 Uhr mit Tuxedoo auf der Wackinger Stage, anstatt erst um 12:30 Uhr mit Gutalax, wie ich ursprünglich geplant hatte.
Die Österreicher präsentierten Metalcore gepaart mit traditionellen Alpen-Lederhosen, was schon irgendwie skurril wirkt. Aber dafür, das hier Bands spielen, die nicht in eine Schublade gesteckt werden können, ist die Wackinger Bühne ja bekannt. Es waren auch schon recht viele Leute vor der Bühne, die begeistert abgingen. Ein erfrischender Start in den Tag. (Jörg)

Der Freitag – zwar bisschen kühler als die Tage davor, aber nicht weniger heiß, was die Bands angeht.
Die Wasteland Stage wurde am 3. Tag von Heartless Human Harvest eröffnet. Die Deathcore-Band, die aktuell sehr am Aufstreben ist, hat dabei die doch eher kleine Bühne gut füllen können und auch die ein oder andere bekannte Internet-Persönlichkeit in den Mosh-Pit gelockt. Sowas Einzigartiges passt gut zu Wacken. Ihre Performance war zudem richtig ordentlich. Deathcore soll ja bestenfalls immer einen Abriss liefern und das war bei ihnen definitiv der Fall. Vor allem ihr Song „Pray“ war für mich live überragend. Da hat alles gepasst; sowohl die Stimmung beim Song als auch die Wucht im Publikum, die dieser Song mitgebracht hat. Die Jungs werden bestimmt nicht das letzte Mal bei Wacken gewesen sein nach so einem Auftritt. (Tim B

Gutalax

Gut, es ist 12:30 Uhr, als Gutalax auf die Faster Stage gehen; zu früh für „vernünftige“ Bands, aber dennoch kaum zu glauben. Mir fehlt das Verständnis, dass die Jungs einen derart großen Fankreis haben. Keine Musik, sondern eine Stunde Geräuschkulisse. Das Infield ist voll, Kloparier Rollen fliegen durch die Luft und ich warte auf Kurt Felix mit der versteckten Kamera. Eine Fotografen Kollegin schwärmt (ernsthaft) in den höchsten Tönen von der Chaos Truppe; dass man sie in einem kleinen Club in Hamburg in ein Dixi Klo gepfercht hat… wie geil das gewesen sei…. Entweder bin ich in der Tat zu alt für manche Dinge des Lebens, oder einige tausend Leute hatten einen echten Dachschaden.
Erstaunlich, dass der Haufen auch in den Metal Archives auftaucht?!?!“ Von mir eindeutig ein fetter Daumen nach unten. (Jörg)

Nach Gutalax konnte nur noch besser werden; selbst mit Metalcore aus England. Employed To Serve um Frontfrau Casey McHale wirkten allerdings ein wenig verhalten, obwohl es die Band bereits seit 2011 gibt. Da hätte ich mehr Selbstsicherheit erwartet. Aber vielleicht lag es an der großen Wacken Kulisse auf der W:E:T Stage. Ihre Fans hatte die Band aber definitiv. (Jörg)

Ich muss gestehen, dass ich überrascht war, als ich gelesen habe, dass Vreid aus Norwegen auf der Harder Stage aufspielen würden. Ehrlich gesagt, hätte ich die Band eher auf der Wackinger, Headbangers oder W:E:T Stage vermutet. Leider bewahrheiteten sich meine Bedenken, dass die Jungs irgendwie nichts mit der großen Bühne anfangen konnten und sie, was das Stagacting anging, sie nicht wirklich ausfüllen konnten. Dabei ging dann bedauerlicherweise das Musikalische etwas unter, was für die Band sehr schade war. (Jörg)

Grand Magus

Von der Harder Stage gings nun für mich zurück zur Headbangers Stage, wo Grand Magus aus Schweden spielen würden. Es ist zehn Jahre her, dass ich die Band gesehen habe; damals hatten sie mich nicht wirklich überzeugt. Zum einen fehlt mit beim Songmaterial das gewisse „Etwas“, was die Songs aus der Masse von Power/Doom Metal herausstechen lässt. Zum anderen hatte das Trio seinerzeit auch das Problem, dass es die Bühne kaum zu nutzen wusste. Nun, 2026 konnte ich gewisse Verbesserungen erkennen, die besonders auf die Bühnenpräsens von Basser Fox Skinner zurückzuführen war. (Jörg)

Später auf der Louder Stage gab es ebenfalls Deathcore mit Abrisspotenzial, denn die Schweizer von Paleface Swiss haben ihr Wacken-Debüt gegeben, allerdings ohne ihren Gitarristen Yannick, der vorher krank wurde und so die lang ersehnte Performance verpassen musste. Ihr Set war solide. Wer die Schweizer kennt, weiß, dass selbst an einem gewöhnlichen Tag die Crowd richtig abgeht. Was man aber sagen muss, ist, dass lediglich der vordere Bereich sichtlich die Energie der Band erwidert hat. Je weiter hinten das Publikum stand, desto erschöpfter wirkte es. Wacken war zwar schon mehr als die Hälfte rum, aber bei Paleface Swiss kann man zurecht mehr erwarten. Der Band kann man aber keinen Vorwurf machen, denn sie haben mehr als nur überzeugt. (Tim B)

Untere dem Motto „The Choir Of Beasts“ verneigt sich die A-cappella-Metal-Band Metaklapa vor ihren Idolen Iron Maiden. Ich hatte zuvor keine Ahnung, was mich da auf der Wackinger Stage erwartet und war dementsprechend überrascht.
Eigentlich bezeichnet „Klapa“ eine Musikgruppe, die leidenschaftliche und beschwingte, mehrstimmige kroatische A-cappella-Volkslieder singt. Dieser jahrhundertealte Gesangsstil gehört zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO und stammt hauptsächlich aus Dalmatien und Südkroatien. (Quelle Metaklapa Homepage). (Jörg)

Ein kurzer Sprint von der Wackinger zur Faster Satge, um dort Paradise Lost zu sehen. Die Britische (Kult)Band gibt es ohne Pause seit 1988. Ich muss allerdings zu meiner Schande eingestehen, dass mir immer der Zugang zur Band und ihrer Musik gefehlt hat, und das hat sich auch nicht in Wacken geändert. Im Gegenteil: die Band, allem voran Sänger Nick Holmes, wirkte auf mich gelangweilt und extrem lustlos. Das Infield war zwar voll, und die Meute ging auch tierisch ab, mich konnten die Briten allerdings nicht überzeugen. (Jörg)

Trold

Den uninspirierten Gig von Paradise Lost musste ich erst mal verdauen und stand nach einer kurzen Kaffee Pause wieder vor der Wackinger Stage, wo die Dänen von Trold spielten. Und die Jungs hoben meine Stimmung vom ersten Ton an. Voller Energie, mit extrem viel Spaß und packendem Folk Metal, da war meine Welt wieder in Ordnung. So muss ein Live Set aussehen!!! (Jörg)

Konzerte von Danko Jones laufen ohne Schnickschnack ab: keine teuren Bühnenaufbauten, keine Videoleinwände mit eingespielten Clips, keine Pyros. Einfach ein simples Backdrop mit seinem Namen, und das wars. Dafür bestechen die Auftritte des Trios durch jede Menge Energie und, vielleicht auch simple, Musik, die aber voll auf die Fresse geht. Das ist es, was seine Fans von ihm erwarten, und das ist es, was der Kanadier liefert. Jörg)

Black Label Society hatte ich zuvor noch nicht gesehen; ergo war der Weg zur Faster Stage für mich Pflicht, um Zakk Wylde und Konsorten auf der Bühne zu erleben. Dass Zakk seinen alten Herrn und Meister Ozzy Osbourne bei seinem Set würdigt, wahr von Anfang an klar. Das trieb dann auch so manchem Fan, Tränen in die Augen. Sentimentaler Ausflug in vergangene Zeiten….. (Jörg)

Luna Kills

Von Black Label Society ging es im Laufschritt zur Wasteland Stage, wo die Finnen von Luna Kills spielten. Immer wieder beeindruckend, wie sich viele „kleine“ Bands den Arsch abspielen, während sich so manche „Große“ Bands auf ihren Lorbeeren ausruht. Der Vierer um Frontfrau Lotta Ruutiainen überzeugte durch eine professionelle Darbietung, welche die Fans vor der Bühne durchaus zu schätzen wussten. (Jörg)

Die Geschichte von Wacken ist unweigerlich verknüpft mit der von Saxon. Keine Ahnung, wie oft die Briten beim WOA schon gespielt haben, aber es wird für sie immer ein „nach Hause kommen“ sein. Dass die Jungs im hohen Alter immer noch gefühlt ohne Pause auf Tour sind, grenzt schon fast an an Wunder. Und man hat nicht das Gefühl, das Biff und Co auch nur einen Gang zurückschrauben. Der frühe Slot um 18:15 auf der Harder Stage war vielleicht etwas ungewohnt früh. Aber eigentlich Scheiß egal, wann Saxon spielen: es ist immer ein Erlebnis. (Jörg)

Saxon

Eine wirklich kauzige Truppe aus Finnland spielte anschließend – wie soll es auch anders sein – auf der Wackinger Stage: Eläkeläiset (dt. Die Rentner) covern vorrangig unter anderem Rock und Metal Songs im Humppa Stil, den man auch von Korpiklaani kennt. Da es sich um „Rentner“ handelt, wird neben der Musik vor allen Dingen Wert auf das biedere Äußere gelegt, was einen schon zum Schmunzeln bring. Spaß von einer Band, die sich offensichtlich selbst nicht allzu ernst nimmt. (Jörg)

Danach geht’s auf der Faster Stage weiter mit den schwedischen Melo Deathern in Flames, die laut eigener Aussage bereits zum zehnten Mal auf dem Holy Ground spielen. Und wie eigentlich immer ist die Band in top Form und bietet einen ausgewogenen Querschnitt ihrer Diskographie Feil, von „Architects Of The Black Rain“ über „Cloud Connected“ bis hin zu „Take This Life“ ist alles dabei, was zum Mithüpfen bis hin zum Betreiben eines Circle Pits animiert. Genau so muss man die Bühne rocken! (Klaus)

Der BVB hat eine eigene Band!!! Nicht ganz, aber auf alle Fälle kann der deutsche Traditionsclub auf die Jungs von Dubioza Kolektiv aus Bosnien Herzegowina zurückgreifen, wenn ne Hymne gebraucht wird. Optisch scheint die Band alte Dortmunder Trikots aufzutragen. Auch diese Band sehr skuril und nicht ohne Grund auf der Wackinger Stage. (Jörg)

Für mich gings nun zur W:E:T Stage, wo die Mannheimer Crematory spielten. Kaum zu glauben, dass es die Band seit 1991 gibt und ich sie bis dato noch nie gesehen habe. Die Band scheint irgendwie ein „Geheimtipp“ zu sein, denn so viele enthusiastische Fans hatte ich nicht vor der Bühne erwartet. Für mich schwimmen Crematory irgendwie unter dem Radar. Jörg)

Für viele Gäste des W:O:As war die nächste Performance auf der Harder Stage das absolute Highlight des Wochenendes, bevor der Auftritt überhaupt stattgefunden hat. Niemand Geringeres als die Metal-Legenden Judas Priest haben den Freitag-Abend in einen außergewöhnlichen Tag verwandelt. Trotz ihres Alters haben sie immer noch eine starke Bühnenpräsenz und Rob Halford muss sich stimmlich gar nicht verstecken. Das sah letztes Jahr bei einem bestimmten Headliner ganz anders aus. Generell wurde die Setlist von Priest stimmungstechnisch sehr gut vom Publikum angenommen. Mit einer Diskographie wie von ihnen auch nicht schwer. Vor allem die ganz großen Hits waren sehr laut und auch Hits der zweiten Reihe wie „Electric Eye“ waren kein bisschen ruhiger. Dieser erwähnte Song hat mir live auch am besten gefallen. Halford und Co. sind selbst in 2026 immer noch herausragende Live-Künstler. (Tim B)

Von der W:E:T Stage gings rüber zur Louder Stage, wo Emperor aus Norwegen spielten. Die Symphonic Black Metal Kapelle überzeugte zwar mit ihrer musikalischen Darbietung, allerdings war das Stageacting neben ein paar Pyros eher marginal. (Jörg)

Running Wild

Einen grandiosen Start, legen die Piraten Crew Running Wild bei deren finalen Live Auftritt (gab es das 2009 nicht schon einmal?) hin, denn wer das Set mit Klassikern der Marke „Bad To The Bone“, „Ghenghis Khan“ und „Riding The Storm“ beginnen kann, hat die Fans natürlich sofort auf seiner Seite. Garniert mit einigen Live Raritäten („Men In Black“, „Dead Man’s Road“, „Sinister Eyes“) spielt die Band um Rock’n Rolf einen gelungenen Querschnitt ihrer umfangreichen Karriere, der mit dem grandiosen „Conquistadores“ abgeschlossen wird: Einziges Manko: wenn man denn seine allerletzte Live Show spielt und siebzehn Studioalben veröffentlicht hat, warum verschwendet man dann Zeit mit einem ausgiebigen Drum-Solo anstatt eines weiteren Klassikers? (Klaus)

Tag 3 des WOA 2026 beendete ich kurz vor Mitternacht mit Skynd auf der W:E:T Stage. Die Dame ist äußerst unnahbar, sowohl auf der Bühne, als auch mit Informationen über ihre wahre Identität. Ich habe sie mal abseits der Bühne geshootet, und auch da hatte ich das Gefühl, durch einen Vorhang zu fotografieren, als direkt von Angesicht zu Angesicht. Die Show immer extrem dunkel, Nebel, aber einzelne Spots unterstützen die Dramaturgie ihrer Geschichten. Auch wenn man nicht auf diese Art von Musik steht, so hat/haben Skynd schon etwas Faszinierendes. (Jörg)

Die letzte Band des Abends hat auf der Harder Stage zugleich ihr letztes Deutschland-Konzert jemals gespielt. Die Brasilianer von Sepultura haben nochmal für eine Stunde Deutschland einen letzten Ritt geboten. Als großer Fan der Band durfte ich das natürlich nicht verpassen. Ich war allerdings nach dem Konzert ziemlich enttäuscht. Ich hatte das Gefühl, dass sowohl bei der Band als auch im Publikum die Luft für den Abend raus war. Das Publikum war eher mehr Beobachter und der Auftritt war lediglich passabel. Derrick Green ist natürlich nicht Cavalera und das habe ich auch nicht erwartet, aber seine Performance von den Songs aus der Cavalera-Zeit wirkten auf mich sehr lustlos und noch weniger gekonnt, obwohl ich ihn als Sänger eigentlich mag. Das war für mich sehr enttäuschend. Vor allem, wenn bei ihrem Kulthit „Roots Bloody Roots“ das Publikum trotzdem kaum anwesend zu sein scheint. Der Abend war vermutlich schon verloren, bevor der Auftritt überhaupt halb vorbei war. (Tim B)

Der 3. Tag hat absolute Highlights, Geheimtipps und einmalige Auftritte geboten, aber auch Verabschiedung und leider eine Enttäuschung mitgebracht. Diese Achterbahnfahrt hat den Tag aber auch erst so besonders gemacht. Insgesamt war das dennoch ein sehr unterhaltsamer Tag für jede Art Besucher. (Tim B)

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