Vlad in Tears – Hide inside

© Vlad In Tears

 

Geschrieben von: Tim Karow
Band: Vlad In Tears
Album: Hide inside
Genre: Dark Metal / Alternative Metal
Plattenfirma: Roughtrade Records
Veröffentlichung: 01.08.2025

 

Mit Hide Inside liefern Vlad In Tears ein emotional aufgeladenes, tief melancholisches Werk ab, das sich irgendwo zwischen Tränen, Synth-Flächen und dunkler Romantik einnistet und dort bequem die Schuhe auszieht. 

Schon der erste Song, „The Monster inside“, macht klar, hier wird nicht auf Gute-Laune-Playlist geschielt, sondern auf die Nachtseite der Seele. Industrial-artige Grooves treffen auf hymnischen Gesang, während die Lyrics die inneren Dämonen zum Tanz bitten, und man tanzt bereitwillig mit. Besonders mutig: der zweite Track „Your trace“, der sich mit Rap-Crossover-Gast John Connor von Dog Eat Dog an eine Genregrenze wagt, die so manch anderer Gothic-Act mit Weihwasser und Knoblauch bewacht. Überraschung: Es funktioniert. Die rohe Stimme Johns bricht wunderbar mit dem bittersüßen Pathos der Band und verleiht dem Song eine unkonventionelle, fast rebellische Note. Ein kreativer Ausreißer, der dem Album guttut.

Der folgende Mittelteil hingegen ist eher ein melancholisches Dauerduschen mit Samt, hübsch, aber leicht zu viel des Guten. „No one cares“, „Empty“, „Touch Me“ oder „Real“ ziehen an einem vorbei, wie verschiedene Varianten derselben Einsamkeit. Es wird gefühlt, und zwar heftig, aber ab einem gewissen Punkt fragt man sich, ob man nicht einfach mal jemanden umarmen und einen Keks essen sollte. Die Produktion bleibt zwar hochwertig, doch ein paar rhythmische Ausreißer oder Genre fremde Klangideen hätten für mehr Spannung gesorgt.

Stimmlich hingegen liefert Sänger Kris Vlad durchgehend stark ab. Ob flüsternd, klagend oder leidenschaftlich brüllend, die Performance sitzt. Besonders hervorzuheben ist „I want this pain“, das sich textlich fast schon ins Masochistische stürzt, aber auf eine Weise, die ehrlich statt überzogen wirkt. Auch „The Death of me“ überzeugt mit dramatischem Aufbau und orchestraler Endzeitstimmung, als hätte man HIM mit Muse gekreuzt und dann mit schwarzer Spitze umwickelt. Der Track „Hide“ schließlich ist ein leiser, verletzlicher Abschied, fast akustisch, fast gebrochen. Kein Feuerwerk, sondern eine zitternde Kerzenflamme am Ende eines langen, dunklen Ganges.

Hide Inside ist ein Album, das ausbaufähig ist. Ein bisschen mehr Abwechslung hätte dem Ganzen gutgetan, aber Vlad In Tears wissen, wie man Schmerz in Klang verwandelt. Und das reicht manchmal schon für eine kleine Katharsis in schwarz. Schwarz steht ihnen gut, aber ein paar mehr Farbtupfer hätten’s zwischendurch ruhig sein dürfen.

Ich verleihe 7,5 von 10 Hellfire-Punkten.

 

Tracklist:

01 – The Monster Inside
02 – Your Trace (feat. John from Dog Eat Dog)
03 – Living Nightmare
04 – No One Cares
05 – Touch Me
06 – Let Me Love You
07 – Empty
08 – I Want This Pain
09 – My Wake
10 – No More Fear
11 – Real
12 – The Death Of Me
13 – Tomorrow
14 – Hide

 

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