The Spacelords – Uranus Omnibus Sanctus

© The Spacelords

 

Geschrieben von: Tim Karow 
Band: The Spacelords
Album: Uranus Omnibus Sanctus
Genre: Space- / Psychedelic Rock
Plattenfirma: Tonzonen Records
Veröffentlichung: 18.09.2026

 

The Spacelords sind eine deutsche Space- und Psychedelic-Rock-Band aus Reutlingen. Gegründet wurde die Band im April 2008 von Gitarrist Matthias „Hazi“ Wettstein, Schlagzeuger und Sänger Marcus Schnitzler und Bassist Klaus Werz. In ihrer aktuellen Trio-Besetzung mit Ekhard Friedrich „Akee“ Kazmaier am Bass spielt sie seit Mai 2014. Nun steht die 9.Platte auf dem Markt. 

The Spacelords wissen ganz genau, was sie hier machen. Kein langes Intro, kein unnötiges Vorgeplänkel, einfach Verstärker an, Effekte drauf und ab ins Weltall. Unterstützung gibt es dieses Mal zusätzlich von Didi Holzner an der Orgel. Und genau diese Kombination funktioniert verdammt gut.

Der Titeltrack eröffnet das Album mit fast zehn Minuten und macht direkt deutlich, wohin die Reise geht. „Uranus Omnibus Sanctus“ lebt von einem entspannten Flow, gleichzeitig aber auch von einer permanenten Vorwärtsbewegung. Man hört ziemlich schnell, dass hier viel aus dem Jam heraus entstanden sein dürfte. Trotzdem wirkt nichts beliebig. Die drei Musiker lassen ihre Instrumente miteinander sprechen, bauen Spannung auf, nehmen sie wieder heraus und finden anschließend erneut zusammen. Nach der ersten Hälfte wird der Song ruhiger. Die Drums bleiben beschäftigt, während sich die Gitarre immer weiter zurückzieht und in einen herrlich psychedelischen Schwebezustand driftet. Anschließend wird wieder langsam aufgebaut.

Genau hier liegt eine der großen Stärken der Spacelords: Sie lassen Musik atmen.

Gitarre, Bass und Schlagzeug arbeiten nicht gegeneinander, sondern bewegen sich wie ein gemeinsames Raumschiff durch die Galaxie. Die Effekte und die Orgel sorgen dabei für zusätzliche Tiefe. Ein verdammt guter Einstieg, in meinen Augen.

Mit „Survive to Win“ wird es zunächst etwas gemächlicher. Die Orgel legt eine Grundlage, während das Schlagzeug langsam Bewegung in den Song bringt. Der Bass sorgt für den nötigen Groove und die Gitarre öffnet anschließend wieder die Tür ins Weltall. Nach und nach zieht das Tempo an und der Song entwickelt sich zu einem ausgedehnten Instrumental-Trip. Besonders geil sind die psychedelischen Gitarrenpassagen und das teilweise fast progressive Feeling. Der Bass drückt ordentlich nach vorne, während die Gitarre immer wieder in ausufernde Soli abdriftet. Dabei bleibt der Song trotzdem erstaunlich locker. Es gibt keine Hektik. Die Spacelords wissen, dass sie Zeit haben. Nach einem kurzen Break wird erneut Anlauf genommen und „Survive to Win“ steuert schließlich auf ein großes Finale zu. Beckenrauschen, Rock-Finale und ordentlich Wumms,genau so darf ein solcher Space-Rock-Track enden.

Mit „Whales“ folgt mit fast 15 Minuten der längste Track des Albums. Und schon der Beginn macht klar: Hier wird nichts überstürzt. Die ersten Minuten bauen vor allem Atmosphäre auf. Ob das anfängliche Dröhnen tatsächlich nach Walgesang klingt oder einfach nur nach einem verdammt weit entfernten Signal aus einer anderen Galaxie, darf jeder selbst entscheiden. Danach beginnt der eigentliche Jam. Und der ist zunächst vor allem eines: entspannt.

Die Spacelords lassen sich hier besonders viel Zeit, um den Song überhaupt entstehen zu lassen. Erst nach und nach kommen die Drums stärker ins Spiel. Die Musik wächst langsam, verändert ihre Richtung und beginnt immer mehr zu drücken. Rund um die Mitte wird es plötzlich etwas härter. Ein Chug kündigt an, dass jetzt eigentlich der große Ausbruch kommen müsste. Doch die Band nimmt nicht den erwartbaren Weg. Stattdessen bleibt die Gitarre zunächst im langsameren Tempo und entwickelt daraus ihren eigenen psychedelischen Trip. Später kommt dann der große Aufbau. Wah-Effekte, steigende Intensität und schließlich der verdiente Höhepunkt. Und genau deshalb funktioniert „Whales“ so gut: Der Höhepunkt wäre nur halb so effektiv, wenn man vorher nicht fast zehn Minuten darauf gewartet hätte. Danach verabschiedet sich der Song langsam in Richtung Fade-out.

Fast schon schade. Denn nach diesem Trip hätte ich problemlos noch ein paar Minuten dranhängen können.

Zum Abschluss gibt es mit „On the Verge of Delirium“ den kürzesten Song des Albums – knapp acht Minuten sind es trotzdem. Nach dem ausufernden „Whales“ wirkt der Track zunächst etwas greifbarer. Gleichzeitig greift er musikalisch wieder Elemente des Titeltracks auf und bewegt sich deutlich flotter. Effekte, möglicherweise Synthesizer, Tamburin und natürlich das zentrale Zusammenspiel von Gitarre, Bass und Schlagzeug geben dem Finale ordentlich Charakter. Und dann hebt das Raumschiff endgültig ab. Die Effekte am Ende fühlen sich tatsächlich ein bisschen wie ein Take-off an. Als würden The Spacelords einfach wieder in den Orbit verschwinden, nachdem sie uns 44 Minuten lang durch ihre musikalische Galaxie geführt haben.

Unterm Strich ist „Uranus Omnibus Sanctus“ ist kein Album für Menschen, die alle 30 Sekunden einen neuen Refrain brauchen.

Hier geht es nicht um klassische Hooks, schnelle Songstrukturen oder möglichst kurze Aufmerksamkeitsspannen. The Spacelords wollen, dass man sich auf ihre Musik einlässt.

Vier Songs, 44 Minuten und jede Menge Space Rock, Psychedelic und ausgedehnte Jams. Dazu eine Produktion, die den Eindruck vermittelt, dass hier tatsächlich eine Band gemeinsam im Raum steht und einfach spielt. Besonders das Zusammenspiel von Matthias „Hazi“ Wettstein, Ekhard „Akee“ Kazmaier und Marcus „Mudge“ Schnitzler macht die Platte aus. 7 von 10 Hellfire-Punkten.

 

Tracklist: 

01 Uranus Omnibus Sanctus
02 Survive to Win
03 Whales
04 On the Verge of Delirium

 

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