
© The Sorrow of being Immaculate
Geschrieben von: Tim Karow
Band: The Sorrow of being Immaculate
Album: Suicide Forest
Genre: Doom- / Sludge Metal
Plattenfirma: Drone Alone
Veröffentlichung: 26.09.2025
Mit „Suicide Forest“ legt das anonyme Soloprojekt The Sorrow of being Immaculate sein erstes vollwertiges Album vor, und es ist alles andere als leichte Kost. Entstanden im tiefsten Winter in einer verlassenen walisischen Scheune, umweht von karger Natur und bedrückender Stille, trägt die Musik die Spuren dieses Ortes wie ein Brandmal. Wo andere Bands nach Struktur, Wärme oder kathartischem Ausbruch suchen, herrscht hier kalte Obsession. Es geht nicht um Heilung, sondern um das Dokumentieren von Zuständen, die sich weder beschönigen noch auflösen lassen.
Der Einstieg mit dem Titelstück „Suicide Forest (Version) setzt den Ton: ein zähfließendes, drückendes Riff, das in seiner repetitiven Beharrlichkeit nicht loslässt. Die Assoziation zum japanischen Aokigahara-Wald ist unmissverständlich, doch anstatt auf Effekthascherei zu setzen, geht es um die völlige Immersion in eine Stimmung aus Schwere und Unruhe. Der folgende Track „Sea Of Trees“, ein zweiter Name für eben jenen Wald, vertieft dieses Konzept, baut auf einem einzigen, erdrückenden Grundriff auf und lässt schleichende Leadgitarren wie rastlose Geister durch das Stück wandern. Schon hier wird klar: Wer sich auf dieses Album einlässt, muss bereit sein, sich in Wiederholungen zu verlieren.
Mit „30 Years of Nothing“ zieht der Drone-Charakter deutlicher an, ein intensives Brummen, das den Stillstand zum Thema macht, ein Gefühl, anderen beim Fortschreiten zuzusehen, während man selbst gefangen bleibt. Darauf folgt „Oath of Decay“, das die Sludge-Basis des Albums aufgreift, aber durch geisterhafte Vokaltexturen fast gespenstisch schimmert. In „Self-Immolation Plan“ schlägt die Stimmung ins Surreale um: rückwärts abgespielte Gitarren und ferne Samples schaffen eine kalte, fast desorientierende Atmosphäre, bevor „Misery“ mit einem mantraartigen Riff zurückkehrt und dieses so lange schichtet, bis das Stück unter seinem eigenen Gewicht zusammenzubrechen scheint.
Das zentrale Stück „Theendlesslowlevelbackgroundhumofanxiety“ greift den roten Faden des Albums auf und macht ihn zum Programm. Über knapp acht Minuten schichtet sich ein stetiges Riff mit Feedback und Störgeräuschen, wie ein permanentes Summen im Hintergrund, das man irgendwann nicht mehr bewusst wahrnimmt, bis man erkennt, dass es nie aufgehört hat. Damit gelingt es dem Projekt, das diffuse Gefühl allgegenwärtiger Angst hörbar zu machen, ohne je plakativ zu werden.
Gegen Ende lässt das Album seine extreme Schwere noch einmal ausfransen. „Winter Delusion“ hält den Hörer in einer grauen Klangfläche gefangen, die jede Auflösung verweigert. „Funeral Home Drone“ flirtet mit morbider Übertreibung, bleibt aber in der strengen Emotionalität des Werkes verhaftet. Kurz und kantig schließt „The Eye of the Goat“ an, das den Blick auf den Ziegen-Dämon nicht als entfesseltes Chaos, sondern als stummen Beobachter von Verfall und Vergeblichkeit richtet. Den Schlusspunkt setzt schließlich „Suicide Forest (demo)“, eine rohe, fast nackte Version des Openers, die wie ein Rückblick wirkt –, zurück zum Ursprung, zurück zum ungeschützten Kern der Musik.
Produziert wurde das Album von Mike Bannard (Safehouse Studios, Oxford), während Aufnahme, Mastering und Artwork in den Händen des Künstlers selbst lagen. Das Ergebnis ist ein kompromissloser Brocken aus Doom, Sludge und Drone, der keine Erleichterung anbietet, sondern das Unangenehme aushält und es hörbar macht. „Suicide Forest“ will nicht gefallen. Es verlangt Hingabe – und vielleicht auch den Mut, sich von der Musik verschlingen zu lassen. Wer den Ausgang findet, wird um eine Erfahrung reicher sein. Wer stecken bleibt, war vielleicht nie für das Licht bestimmt.
Ich vergebe „Suicide Forest“ 6,5 von 10 Hellfire-Punkten.
Tracklist:
01 Suicide Forest (Version)
02 .Sea of Trees
03 30 Years of Nothing
04 Oath of Decay
05 Self-Immolation Plan
06 Theendlesslowlevelbackgroundhumofanxiety
07 Winter Delusion
08 Funeral Home Drone
09 The Eye of the Goat
10 Suicide Forest (Demo)
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