Tenebris – Kochanowski

© Tenebris

 

Geschrieben von: Tim Karow 
Band: Tenebris
Album: Kochanowski
Genre: Progressive Death Metal 
Plattenfirma: Pagan Records
Veröffentlichung: 07.11.2025

 

Pagan Records hat eine der eigenwilligsten und zugleich langlebigsten Metal-Formationen Polens unter Vertrag genommen. Tenebris heisst die Band. Das neue Album des Quintetts trägt den Titel „Kochanowski“. Klingt vielversprechend.

Musikalisch knüpft die Platte a die Ideen der letzten EP „Legendarna“ an, thematisch jedoch schlägt die Band eine tief verwurzelte literarische Brücke. Der Albumtitel bezieht sich auf den Renaissance-Dichter Jan Kochanowski, eine der prägendsten Gestalten der polnischen Literaturgeschichte. Die Idee zu einem vollständig polnischsprachigen Tenebris-Album reicht bis ins Jahr 2013 zurück, als die ersten Entwürfe des Songs „Wieleci“ entstanden. Aufgrund mehrerer Besetzungswechsel zog sich der kreative Prozess über Jahre hin, ehe die Band im November 2018 schließlich in neuer Formation die Arbeit am späteren „Kochanowski“ aufnehmen konnte.

Ursprünglich sollte das Konzept auf Juliusz Słowackis Epos „Król Duch“ basieren. Mit der Zeit jedoch öffneten sich neue literarische Pfade, und Tenebris entdeckte eine Verbindung zwischen Słowacki, Adam Mickiewicz und eben Jan Kochanowski, die sich zu einem zentralen Motiv verdichtete. Inspiriert durch Joanna Salomons Buch „Latarka Gombrowicza“ vertiefte sich Frontmann Szymon in Kochanowskis Werk und entwickelte eine außergewöhnliche Lesart: Seine sogenannten „Fraszki“ (Epigramme) seien ein bewusstes, pythagoreisch-numerologisches Labyrinth, das sich aus der hermetischen Philosophie des Hermes Trismegistos speise.

So wird Kochanowski im Konzept des Albums nicht länger als bloßer Humanist oder Lyriker dargestellt, sondern als prophetische, magisch-esoterische Figur, die, so die Band, selbst einen Mickiewicz überragt. Dieses Gedankengerüst verleiht dem Albumtitel seine bewusst provokante Bedeutung.

Das Cover-Artwork, eine Skizze von Jan Matejko, die den Dichter in visionärer Pose zeigt, unterstreicht diesen Ansatz. Es verweist zugleich auf den Gedanken, dass populäre historische Figuren in der kollektiven Wahrnehmung oft auf stereotype Narrative reduziert werden, während die eigentliche Tiefe ihrer Biografien verborgen bleibt.

Die Texte von „Kochanowski“ basieren auf Gedichten von Jan Kochanowski, Juliusz Słowacki, Olga Jackowska und Adam Mickiewicz. Zudem wartet das Album mit spannenden Gastbeiträgen auf, darunter Maciej Pasiński (ex-Sirrah, jetzt Pincer Consortium) a den Backing Vocals, Jazz-Klarinettist Paweł Szamburski sowie Sylwia Levy.

Mit „Kochanowski“ scheint Tenebris nun erneut bereit, ihre künstlerische Vision zwischen Philosophie, Poesie und Metal auf eine neue, radikale Ebene zu heben. Die Progressive Death Metaller aus Polen bekommen von mir 7 von 10 Hellfire-Punkten.

 

Tracklist

01 Kochanowski
02 Kosy
03 Popiel
04 Sarmacya
05 Perunowy
06 Duch
07 Wolarz
08 Kreon
09 Wieleci
10 Szmaragdowy Somnambulik

 

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