ten56. – IO

© ten56.

 

Geschrieben von: Tim Karow
Band: ten56
Album: IO
Genre: Nu-Metalcore / Sludgecore
Plattenfirma: Out of Line
Veröffentlichung: 05.09.2025

 

ten56 sind in den letzten Jahren wie aus dem Nichts aufgetaucht. Hervorgegangen aus den Trümmern von Betraying the Martyrs und dem lange ruhenden Kadinja. Doch anstatt sich an den progressiven Wurzeln ihrer Vorgänger zu orientieren, setzen sie auf eine deutlich simplere, sludgy Nu-Metalcore-Formel: tiefgestimmte Chugs, Rap-Passagen, schwere Breakdowns. Nach dem zweigeteilten Debüt „Downer“ steht nun mit „IO“ das zweite Album an. Ein rund 35-minütiges Werk, das an den bekannten Sound anknüpft, ohne große Experimente zu wagen.

Was sich spürbar verbessert hat, ist die Produktion. Die Gitarren klingen klarer und weniger matschig als auf „Downer“. Songs wie “Doormat”, “Pig” oder “Snapped Neck” eröffnen das Album als schnelle, kurze Dreierkette, leider aber auch als Sinnbild für das Hauptproblem der Platte: viel Wucht, aber wenig Substanz. Das Riffing bleibt eintönig, die Chuggs austauschbar, und trotz der Kadinja-Vergangenheit fehlt jeglicher spielerischer Anspruch. Ein Lichtblick sind die seltenen Clean-Vocals, die gut produziert und emotional stark wirken, jedoch zu kurz kommen, um das Niveau wirklich anzuheben.

Tracks wie “I Know Where You Sleep” und “Good Morning” zeigen immerhin, dass das Schlagzeugspiel abwechslungsreicher geworden ist. Blastbeats und schnellere Tempi lockern das starre Korsett auf, während in “PTY FCK” oder “Friends” erstmals Industrial-Elemente aufblitzen. Leider ist dieser Schritt nach vorn im letzten Drittel zu spät, da das Album bis dahin viel von seiner Spannung eingebüßt hat.

Problematisch sind vor allem die Lyrics, die teils erschreckend schwach wirken. Zeilen wie “You my number one but I was just your little bitch” (aus “Pig”) wirken unbeholfen bis unfreiwillig komisch. Sänger Aaron Matts performt zwar technisch sauber und solide, bleibt aber im sicheren Mid-Range-Growl gefangen. Das führt dazu, dass viele Songs ineinander verschwimmen und kaum Wiedererkennungswert entwickeln.

Ironischerweise gelingt mit dem abschließenden Titeltrack “IO” das spannendste Experiment. Die Band verabschiedet sich von ihrem sonstigen Nucore-Sound und setzt stärker auf Hip-Hop-Elemente. Zwar bleiben die Texte weiterhin fragwürdig, aber das Stück ist catchy, gut produziert und überraschend unterhaltsam, fast schon das einzige, das nachhaltig im Ohr

„IO“ ist kein Totalausfall, aber auch weit entfernt davon, die Erwartungen an eine Band mit diesem Line-Up zu erfüllen. Wer „Downer“ mochte, wird hier erneut solide Kost finden. Wer sich jedoch mehr Kreativität, Tiefgang oder das progressive Können ihrer Vorgängerbands erhofft hatte, wird enttäuscht sein. ten56 treten auf der Stelle und verschenken viel Potenzial. 
Ich vergebe ten56 5 von 10 Hellfire-Punkten.

 

Tracklist:

01 Doormat
02 Pig
03 Snapped Neck
04 LIFEISACHORE.MOV
05 I Know Where You Sleep
06 Good Morning
07 Earwig
08 ICU
09 PTY FCK
10 Friends
11 Banshee
12 IO

 

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