
© Sicky
Geschrieben von: Tim Karow
Band: Sicky
Album: Troubled delight
Genre: Indie Rock / Britpop
Plattenfirma: Epictronic Records
Veröffentlichung: 01.08.2025
Der Titel „Troubled Delight“ bringt es schon auf den Punkt: Was Sicky auf seinem neuen Album abliefert, ist ein wankender Balanceakt zwischen Euphorie und Absturz, zwischen verspieltem Indie-Rock und reflektiertem Songwriting mit scharfkantigem Unterton. Die Platte wirkt wie ein durchzechter Nachmittag in Camden Town, charmant verkatert, stilistisch breit aufgestellt, und immer mit einem Augenzwinkern im Abgrund.
Gleich der Einstieg mit „Billy Cousins“ klingt wie eine verlorene B-Seite der Libertines, dreckig produziert, aber verdammt lebendig. Sicky zieht keine Linie zwischen Glam und Garage, sondern haut beides in einen Mixer und singt darüber, als wäre seine Zahnbürste gleichzeitig Mikrofon und Mikro-Diktator. „I’m happy if you’re happy“ schraubt das Tempo runter, bleibt aber herrlich zynisch. Wer sich dabei ertappt fühlt, ironisch mit dem Kopf zu nicken, willkommen im Club. „Ten minutes“ ist ein klassischer Sicky-Sprint: Direkt, schnodderig und zu schnell vorbei, um sich zu langweilen. Danach folgt mit „My girl’s gone“ einer der melancholischeren Tracks, weniger trotzig, mehr introspektiv.
Hier blitzt auf, was das Album ausmacht: Unter der rotzigen Fassade steckt echtes Herz, das aber lieber in Metaphern spricht, als sich blankzumachen. Mit „Slide“ und „Money for the news“ driftet das Album fast ins The-Strokes-Territorium, groovig, tanzbar, aber mit bissigem Unterton. „Win“ wirkt dann wie ein selbstironischer Anti-Hymnus für alle, die schon mal als Verlierer durchs Ziel gegangen sind und trotzdem feiern wollen. Und genau da liegt Sickys Stärke: Er kokettiert mit dem Absturz, romantisiert aber nicht. „Life in a Jar“ und „Songbird“ holen wieder etwas mehr Gefühl ins Spiel, ohne ins Kitschige zu kippen. Stattdessen gibt’s leicht psychedelische Gitarren, melancholisches Songwriting und eine angenehm kratzige Stimme, die mehr Ausdruck als Perfektion liefert.
„The Hill“ wirkt fast wie ein Interludium, atmosphärisch und fragil, ein kurzer Moment des Innehaltens, bevor mit „Mankind“ wieder das große Ganze reflektiert wird: Gesellschaft, Sinnsuche, Popkultur zwischen Müll und Magie. Am Ende steht „Just me“ – ein reduzierter, fast verletzlicher Abschluss, der Sickys rauen Charme ein letztes Mal entblößt. Kein großer Knall, sondern ein leiser, schräger Applaus für sich selbst. Und das hat Stil.
Troubled Delight ist eine rotzig-ehrliche Indie-Platte mit Herz, Haltung und schiefem Grinsen. Sicky bleibt ein musikalischer Antiheld – charmant im Dreck, klug im Chaos. Manche Songs plätschern ein wenig zu sehr im typischen Brit-Gewässer, aber gerade das gehört zum Konzept: Popmusik für Menschen, die sich an guten Tagen wie ein Oasis-Track fühlen und an schlechten wie ein leerer Pint.
Ich vergebe Sicky 7 von 10 Hellfire-Punkten!
Tracklist:
01 – Billy Cousins
02 – I’m Happy If You’re Happy
03 – Ten Minutes
04 – My Girl’s Gone
05 – Slide
06 – Money For The News
07 – Win
08 – Life In A Jar
09 – Songbird
10 – The Hill
11 – Mankind
12 – Just Me
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