Quick5 Interview mit Ignition: Jetzt erst recht!

© Ignition

Mit dem Hellfire Quick 5 Interview versuchen wir für unsere Leser möglichst interessante Infos aus den Musikern rauszukitzeln, ohne dass sie sich seitenlangen Fragen/Antworten hingeben müssen. Wir vom Hellfire bemühen uns dabei, (mehr oder weniger) kurz und prägnant im Rahmen von wenigen Fragen zu agieren (manchmal kann eine Frage auch gedoppelt oder getrippelt sein); den Musikern obliegt es, nach ihrem Gutdünken zu antworten: kurz und knapp bis hin zu ausschweifend und umfangreich.

Vor kurzem haben wir euch das neue Album „All Will Die“ der aus Duisburg stammenden Power Metaller IGNITION vorgestellt (Review HIER), welches vom Rezensenten begeistert aufgenommen wurde. Grund genug um Bassist Andreas Leyer (AL) ein paar Infos zu entlocken…

 

Moin! „All Will Die“ wurde Anfang Juni veröffentlicht. Wie zufrieden seid ihr mit den bisherigen Reaktionen, sowohl von Seiten der Presse als auch euren Fans?

AL: Moin! Bislang sind wir von den Resonanzen, sowohl von Presse als auch Fans komplett überwältigt! Die Pressereaktionen sind mehr als positiv und übertreffen in der Breite noch die schon wirklich tollen Reaktionen auf unser letztes Album. Da wir musikalisch für unsere Verhältnisse in eine etwas neuere, thrashigere und „modernere“ Richtung gegangen sind, ohne natürlich unsere Trademarks über Bord zu schmeißen, waren wir sehr gespannt, wie sowohl Presse also auch Fans auf das Album reagieren werden. Deshalb sind wir auf die bisherigen Reaktionen sehr stolz.

 

Wenn mich mein Eindruck nicht täuscht habt ihr auf „All Will Die“ den Thrash Anteil nochmal erhöht. War dies eine bewusste Entscheidung oder eine natürliche Entwicklung?

AL: Das stimmt! Nachdem letzten Album war für uns klar, dass es keine weitere Wikinger Saga mehr geben wird, die auf den ersten drei Alben immer den zweiten Teil des Albums ausgemacht hat. Zudem ist nach der Tour zu Vengeance unser Gitarrist Christian ausgestiegen, der bis dahin immer für einen großen Teil des Songwritings mit verantwortlich war. Andi ist dann vom Bass an die Gitarre gewechselt und unser Ur-Bassist Torsten ist wieder zurückgekehrt. Das Songwriting wurde auf diesem Album dadurch das erste Mal auch auf mehrere Schultern verteilt und so fiel irgendwann auf, dass die Songs allesamt deutlich thrashlastiger und moderner geworden sind. Nachdem sich das Besetzungskarussell wieder gedreht hatte, wir ein neues Label suchen mussten, damit die Platte dieses Jahr noch veröffentlicht werden konnte, hat sich dann zusätzlich auch noch ein „Jetzt erst recht“ Gedanke eingeschlichen. Wir wollten einfach ein Statement setzen, für was Ignition 2026 stehen. Mit Jochen von Daredevil Records haben wir dann auch jemanden gefunden, der mit uns diese Platte veröffentlichen wollte und einen ganz fantastischen Job macht!!

 

Auch thematisch scheint ihr in eine moderne Richtung zu tendieren. Wer oder was war die treibende Kraft dahinter oder seid ihr der Fantasy/Wikinger Thematik schlicht überdrüssig geworden?

AL: Ganz genau. Wie gesagt war nach der letzten Platte klar, dass das Thema endgültig ad acta gelegt ist. Irgendwie passte das einfach nicht mehr für uns. Textlich geht es einfach um das, was uns so täglich bewegt und das aktuelle Weltgeschehen bietet ja (leider) mehr als genügend Stoff. Faschismus und Rassismus werden erschreckenderweise wieder immer salonfähiger, Kriege wie immer als „Lösung“ angesehen und Verrohung im Umgang untereinander ist die neue Diplomatie. All das ist erschreckend und bot viel Material für die neuen Texte, die aber immer zumindest noch einen Hoffnungsfunken beinhalten.

 

Euer Drummer Dominik Erbach ist nach vier Jahren Abstinenz zurückgekehrt und hat seinen Nachfolger Lukas Leuuw wieder ersetzt. Was war der Grund für dieses Wechselspiel?

AL: Es gab jetzt kein böses Blut untereinander, sondern es war einfach eine Entwicklung, die sich so ergeben hat. Lukas hat aus unserer Sicht einfach nicht mehr die Zeit auftreiben können, so wie wir uns das vorstellen, was mit Album und Tour einfach schwierig geworden wäre. Dom war dann auch wieder Feuer und Flamme und hat dann den Posten hinter den Drums wieder übernommen.

 

Eure Website scheint irgendwo im Jahr 2023 stehengeblieben zu sein, auch in Sachen Live-Auftritte ist leider nicht allzu viel geplant.  Was ist da los im Hause IGNITON? Fehlt euch schlicht die Zeit für mehr Aktivität?

AL: Ich denke, das liegt eher daran, dass die Livedaten auf Facebook oder wo auch immer nicht aktualisiert sind. Wir waren zu Vengeance 2024 und 2025 fast ein Jahr unterwegs und haben ca. 40 Konzerte gespielt, was für uns als „Hobbyband“ ein ziemlicher Ritt war, vor allem weil wir dabei einmal quer durch Deutschland bis in die Schweiz unterwegs waren. Danach haben wir uns voll auf das neue Album konzentriert.  Wir werden dieses Jahr noch zwei Festivals und 2 Clubshows spielen und sitzen auch schon an der Planung für die Tour 2027. Zeitlich sind wir also gut ausgelastet.

 

Wenn ich richtig informiert bin existiert die Band seit zwölf Jahren. Was würdet ihr als eure bisherigen Highlights / Tiefpunkte sehen, gibt es womöglich einen Moment / Anekdote, an die ihr immer wieder gerne zurückdenkt und was wäre euer größter Wunsch für die Zukunft?

AL: Ignition gibt es jetzt seit 2015, 2016 kam die erste EP und 2017 erschien mit Guided By The Waves das erste Album. Als Highlights kann man mit Sicherheit die Tour mit Motorjesus 2018/2019 sehen. Auch Festivals in Holland, Luxemburg oder das Konzert in der Schweiz auf der letzten Tour zählen dazu. Ganz besonders war für uns auch, dass wir auf der letzten Tour mit unseren Freunden von Godsnake im Landgasthof Wacken spielen durften. Generell ist es für uns aber jedes Mal etwas Besonderes, wenn wir zusammen rausfahren und die Möglichkeit haben Live zu spielen, tolle Bands kennenzulernen und mit fantastischen Leuten einfach eine geile Zeit haben. Mit unserer Musik quer durchs Land auftreten und regelmäßig Platten rausbringen zu können ist eigentlich DAS Highlight, wofür wir auch total dankbar sind. Tiefpunkte waren für uns als Band definitiv zum einen, dass wir immer wieder Besetzungswechsel verkraften mussten oder dass unser zweites Album „Call Of The Sirens“ wegen Corona ohne zugehörige Tour so ein wenig untergangen ist. Eine besonders lustige Anekdote von der Vengeance Tour war auf jeden Fall unser Zusammentreffen mit dem Schweizer Zoll. Wir haben natürlich brav unser Merch, CDs und Vinyl gezählt und alles bei der Einreise angegeben. Der schaute sich die Zahlen an und meinte, dass er für so einen „kleinen Betrag“ jetzt kein Formular ausfüllen wolle und schrieb einfach handschriftlich auf unsere Inventarliste, die wir dann bei der Ausreise wieder vorzeigen sollten und machte einfach da den Stempel drauf. Seine Reaktion sorgt bei uns heute immer noch für Lacher. Für uns war das ja durchaus viel Geld an Merch. Vielleicht bekommen wir beim nächsten Mal die Chance auf ein offizielles Zollformular hahaha

Unser größter Wunsch für die Zukunft? Wir wollen einfach weiter die Musik machen, die wir lieben, Platten rausbringen und weiter live spielen. Wir sind für alle Schandtaten bereit.

 

Ein paar letzte Worte an unsere Leser?

AL: Erst einmal wollen wir uns bei allen bedanken, die uns all die Jahre schon supportet haben, unsere Alben gekauft haben und bei den Konzerten rausgekommen sind, um mit uns zu feiern. Wir wissen das wirklich zu schätzen. Geht weiterhin auf Konzerte, unterstützt den Underground und haltet somit die Metalszene weiter am Leben.

 

Ich bedanke mich für das Interview und wünsche euch für die Zukunft alles Gute!

 

Interview: Klaus S.

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