Pertubator – Age Of Aquarius

© Pertubator

 

Geschrieben von: Tim Karow
Band: Pertubator
Album: Age Of Aquarius
Genre: Industrial Metal / Synthwave
Plattenfirma: Nuclear Blast Records
Veröffentlichung: 10.10.2025

 

James Kent, der Kopf hinter Pertubator, bleibt auch auf seinem sechsten Studioalbum eine stilistische Ausnahmeerscheinung. Mit „Age Of Aquarius“ vertieft der Pariser Musiker seinen eigenwilligen Mix aus Darkwave, Synthwave und Industrial, der längst eine feste Fanbasis weit über die Grenzen der elektronischen Musik hinaus gefunden hat. Längst ist Kent kein Underground-Geheimtipp mehr, sondern ein ernstzunehmender Grenzgänger, der die Ästhetik von Neonlicht und Dunkelheit mit der Wucht von Metal und Post-Industrial verschmilzt, und nun, bei Nuclear Blast Records unter Vertrag, auch institutionell im metallischen Lager angekommen ist.

Schon der Einstieg mit „Apocalypse Now“, einem düsteren, von Ulver-Frontmann Kristoffer Rygg veredelten Stück, markiert den Schulterschluss zwischen kalter Elektronik und atmosphärischem Art-Pop. Die Anleihen an Depeche Mode sind dabei ebenso unüberhörbar wie das apokalyptische Pathos, das Kent durch seine flirrenden Synth-Layer zieht. Das lyrische Statement „There is blood on the ground / We’ve got bullets for everyone“ wirkt wie ein bitterer Kommentar auf die Verrohung moderner Diskurse, und steckt das thematische Feld des Albums ab: Krieg, Zerstörung, ideologische Grabenkämpfe.

Im Gegensatz zum sexuell aufgeladenen Vorgänger Lustful Sacraments wendet sich „Age Of Aquarius“ einem fatalistischeren, fast nihilistischen Ton zu. „The Art of War“ und „Mors Ultima Ratio“ zählen mit ihren mechanisch stampfenden Beats und martialischen Rhythmen zu den härtesten Kompositionen in Kents Schaffen, Klanggewitter zwischen Industrial-Mechanik und Endzeitstimmung.

Zwischen diesen wuchtigen Momenten bietet das Album aber auch emotionale Kontraste: „Lady Moon“, getragen von Greta Links Stimme, entfaltet sich zu einem melancholischen, gleichzeitig kraftvollen Synth-Pop-Stück, das sich sofort festsetzt. Im abschließenden Titeltrack „Age Of Aquarius“, einer Kollaboration mit Neige (Alcestis), kulminiert das Werk schließlich in einer langen, düsteren Soundreise, die sich schleichend entfaltet – vielleicht etwas zu zögerlich, aber dennoch von hypnotischer Intensität.

Unterm Strich beweist James Kent erneut, dass Pertubator weit mehr ist als ein Retro-Phänomen. „Age Of Aquarius“ ist ein cineastisches, beklemmend schönes Elektro-Dystopia, das Industrial, Post-Punk und Metal in einen gemeinsamen, pulsierenden Herzschlag zwingt. Kein leichtes Album , aber eines, das bleibt. Pertubator kriegt von mir 7,5 von 10 Hellfire-Punkten.

 

Tracklist: 

01 Apocalypse Now
02 Lunacy
03 Venus
04 The Glass Staircase
05 Hangover Square
06 The Art Of War
07 12th House
08 Lady Moon
09 The Swimming Pool
10 Mors Ultima Ratio
11 Age Of Aquarius 

 

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