Owl Woods Grave – Strix

© Owl Woods Grave

 

Geschrieben von: Tim Karow
Band: Owl Woods Grave
Album: Strix
Genre: Black Metal / Pop Punk 
Plattenfirma: Malignant Voices
Veröffentlichung: 17.10.2025

 

Die polnische Formation Owls Woods Graves meldet sich mit ihrem dritten Studioalbum „Strix“ zurück, einem Werk, das den Brückenschlag zwischen schwarzer Raserei und anarchischer Punk-Energie wagt. Gegründet 2015 von The Fall und E.V.T. (beide ehemals Medico Peste, live bei Mgła), hat sich das Duo einen Namen als Underground-Instanz gemacht, die Black Metal und Hardcore nicht nur kombiniert, sondern regelrecht kollidieren lässt.

Schon der Titel des Albums, „Strix“, lateinisch für „Eule“ , trägt Symbolkraft: ein nachtaktives, mythisches Wesen, das laut römischem Dichter Ovid Blut trinkt und sich von menschlichen Eingeweiden nährt. Und genau so fühlt sich das Album an, bedrohlich, roh, ungezähmt und voller dunkler Energie.

Der Opener „They Come Again“ schlägt sofort ein wie eine Granate: dreckige Gitarren, peitschende D-Beats, aggressiv, kompromisslos. Owls Woods Graves verschwenden keine Zeit mit Atmosphäre, sie stürzen sich direkt in einen Sturm aus Blackened Punk, der wie eine Mischung aus Poison Idea und Darkthrone auf Speed klingt. „The Aura Of Knives“ schiebt nach, etwas melodischer, aber ebenso gnadenlos, durchsetzt mit diesen typischen „Woah-oh“-Chören, die dem Sound eine punkige Hymnenhaftigkeit verleihen.

Mit „The Flag Is Raised“ schlagen sie dunklere Töne an: frostige Riffs, marschierende Tempi, wuchtige Growls, hier dominiert die Black-Metal-Seite der Band. Doch auch hier bleibt das Hardcore-Herz spürbar, besonders durch die stampfende Rhythmik und die kühlen, fast rituellen Gesänge. „Not Entirely Human“ hingegen groovt sich in den Schädel, getragen von treibendem Schlagzeug und einem hypnotischen Refrain, der sich wie ein Mantra wiederholt.

„Anarcho-Occultism“ macht dem Namen alle Ehre, schnell, roh, bissig und mitreißend, ein wilder Bastard aus Chaos und Präzision. Danach zeigt „The Cliff Dance“ eine fast majestätische Seite des Chaos: Die Songstruktur pendelt zwischen kalten Black-Metal-Passagen und verrückten, schreienden Hardcore-Ausbrüchen, die sich zu einem manischen Finale steigern.

Mit „Nightshifts“ liefern Owls Woods Graves dann eine Art Underground-Hymne: dreckiger Groove, repetitive Struktur, ein Refrain, der sich mit wütender Inbrunst ins Gedächtnis brennt. Wer hier still sitzen bleibt, hat den Punk im Herzen verloren. Überraschend fröhlich wird es mit „Black Flame In Our Hearts“, das entgegen aller Erwartungen kein satanischer Black-Metal-Sermon, sondern eine rotzig-optimistische Punknummer ist, dreckig, melodisch, catchy, mit Augenzwinkern.

Das vorletzte Stück „Say No To Heaven“ bleibt dem Motto des Albums treu, provokant, schnell und hymnisch. Der Chorus schreit förmlich nach der Live-Bühne: „Say No, Say No To Heaven!“, ein Statement gegen alles Heilige, aber mit spürbarem Spaß an der eigenen Blasphemie. Das finale „Winged They Come“ setzt schließlich ein gewaltiges Ausrufezeichen: über sechs Minuten pures Feuer, eine wilde Fusion aus d-beat, Blackened Chaos und melodischem Unterton, düster, mitreißend, fast schon episch.

„Strix“ ist kein gewöhnliches Black-Metal-Album, es ist dreckiger, direkter, bissiger. Owls Woods Graves verstehen es, Extreme zu verschmelzen, ohne den rohen Kern aus den Augen zu verlieren. Zwischen Raserei und rotziger Punkattitüde entsteht eine Energie, die ansteckend ist. Besonders das Drumming verdient Erwähnung – präzise, druckvoll und stets am Limit.

„Strix“ ist wütend, wild und gleichzeitig intelligent komponiert, eine chaotische Messe aus Blackened Punk, die sich über Konventionen hinwegsetzt und dabei einfach höllisch viel Spaß macht. Von mir gibt es 8,5 von 10 Hellfire-Punkten.

 

Tracklist: 

01 They Come Again
02 The Aura of Knives
03 The Flag Is Raised
04 Not Entirely Human
05 Anarcho-Occultism
06 The Cliff Dance
07 Nightshifts
08 Black Flame In your Hearts
09 Say No to Heaven
10 Winged They Come

 

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