
© Norilsk
Geschrieben von: Tim Karow
Band: Norilsk
Album: Gigantes Mortui
Genre: Doom Metal
Plattenfirma: Hypnotic Dirge Records
Veröffentlichung: 07.11.2025
Norilsk,benannt nach der gleichnamigen sibirischen Industriestadt, der nördlichsten Großstadt der Erde, steht seit jeher für klirrend kalten, düsteren Doom Metal, der die trostlose Weite des Nordens in Musik übersetzt. Seit ihrer Gründung 2012 agiert die Band aus Gatineau eher im Untergrund, hat sich aber mit mehreren Alben und EPs als verlässliche Größe für kompromisslosen Doom mit Atmosphäre etabliert.
Mit „Gigantes Mortui“ legt die Band nun kein reguläres Studioalbum, sondern eine eindrucksvolle Werkschau auf die letzten zehn Jahre vor. Die enthaltenen Songs wurden live im Proberaum neu eingespielt und in der aktuellen Besetzung frisch arrangiert. Diese Herangehensweise verleiht dem Material eine unerwartete Lebendigkeit und einen organischen Charakter, der dem Sound von Norilsk ausgesprochen gutsteht.
Den Auftakt bildet „Beyond The Horizon“ von der 2022er EP „Beyond The Mountains“- Der Track ist purer wuchtiger Doom, der klassisch beginnt, aber durch seine Bassfülle und die tiefen, grollenden Vocals eine eindringliche Wucht entfaltet. Danach folgt mit „Potsdam Glo“ ein Song, der ursprünglich 2014 erschien und hier in seiner neuen Fassung vor allem durch den eindringlichen Klargesang und seine ausgedehnten Instrumentalpassagen besticht. Besonders bemerkenswert sind die beiden französischsprachigen Stücke, die mit feinem Gespür für Dynamik und Atmosphäre komponiert wurden. Sie zeigen, dass Norilsk in der Lage ist, selbst über längere Laufzeiten hinweg Spannung zu erzeugen, ohne jemals ins rein Meditative abzurutschen. Das abschließende „No Sacred Ground“, ursprünglich auf „Weepers Of The Land“ (2018) zu finden, ist dann der krönende Abschluss. Acht Minuten reiner, epischer Doom, in dem sich Growls, Melancholie und instrumentale Tiefe zu einem majestätischen Finale vereinen. Der Song zieht den Hörer vollständig in seinen Bann, und ehe man sich versieht, ist das Album vorbei.
Auch wenn „Gigantes Mortui“ keine neuen Songs bietet, ist es weit mehr als ein bloßes Zwischenfazit. Es ist eine sorgfältig kuratierte Retrospektive, die das musikalische Erbe von Norilsk nicht nur würdigt, sondern in neuem Licht erstrahlen lässt. Die Kanadier zeigen eindrucksvoll, dass sie längst das Format besitzen, um auch international mehr Aufmerksamkeit zu verdienen.
„Gigantes Mortui“ ist keine Compilation, sondern ein lebendiges Denkmal. Ein Wissensstand der Band, dass sie es geschafft haben. Eine kalte, majestätische Rückschau auf zehn Jahre Norilsk. Von mir gibt es 8,5 von 10 Hellfire-Punkten für diese Platte.
Tracklist:
01 Beyond The Horizon
02 Potsdam Glo
03 Ghosts Of Loss
04 Le Puits De L‘oubli
05 La Liberté Aux Aisles Brisees
06 No Sacred Ground
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