
© Naevus
Geschrieben von Mathias Keiber
Band: Naevus
Album: Back Home
Genre: Doom Metal
Plattenfirma: Dying Victims Productions
Veröffentlichung: 19.09.2025
„Gut Ding will Weile haben“, schreibt der Autor Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen 1668 in seinem legendären Roman „Der abenteuerliche Simplicissimus“. Selbstredend meint er damit nicht die mehr als 300 Jahre später im schwäbischen Bietigheim-Bissingen gegründete Band Naevus. Trotzdem passt die Redewendung auf das neue Album des Quartetts wie die Faust aufs Auge: „Back Home“ ist das gerade einmal dritte Album in über 30 Jahren Bandgeschichte. Aber es ist ein „Gut Ding“, ein „Verdammt Gut Ding“ soagar. Denn hier stimmt einfach so ziemlich alles, worauf es mir als Fan des Genres Doom Metal ankommt. Das mache ich an drei Sachen fest.
1. Was die Instrumente machen: Auch Standard-Riffs können Spaß machen, aber mit sowas halten sich Naevus nicht auf. Die Riffs der Band sind mehr als nur gefällig, sie transportieren in den allerbesten Momenten eine schlicht wunderschöne Melancholie. Das Paradebeispiel hierfür ist das Einstiegsriff von „Free the Ravens Fly“, das mir fast die Tränen in die Augen treibt. Auch Drummer Mathias Straub kann ich nur Lob kredenzen: Anders als so manche Genre-Kollegen klebt er nicht am Crash-Becken, sein Spiel ist songdienlich und variabel – und niemals aufdringlich. So mag ich das!
2. Was der Sänger macht: Es gibt Doom-Bands, deren Sänger Ozzy hinterhereifern, andere machen einen auf Wino, manche versuchen sich sogar an Messiah Marcolin, andere wiederum haben gar keinen Sänger. Die Doom-Bands, die mich am meisten berühren, sind jene, deren Sänger ihrer eigenen Stimme vertrauen. Ich rede von Bands wie Reverend Bizarre, Lord Vicar, Warning, Griftegård – oder eben Naevus. Was Uwe Groebel hier am Mikrofon abliefert, mag allerhöchsten technischen Ansprüchen vielleicht nicht genügen. Doch wer interessiert sich den bitte dafür? Wenn es aber darum geht, Emotion auf den Punkt zu bringen, macht der Mann absolut alles richtig: vom zauberhaften Intro über großartige Strophen bis hin zu supereinprägsamen Refrains wie „Under a Different Sky“ oder „Angels Never Come“.
3. Wie es klingt: Hier kann ich es kurz machen, denn „Back Home“ ist klangliches Comfort-Food: die Gitarren saftig, aber nicht zu saftig, die Bassgitarre mit sehr viel Bottom-End, die Drums organisch und trocken. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber trotzdem: So mag ich das, genau so!
Kurzum: „Back Home“ ist ein wohlig-warm klingendes Fest der Melancholie, das kaum mehr nach meinem Gusto sein könnte. Und deshalb werde ich dieses Album noch viele, viele Jahre hören. In diesem Sinne: „Gut Ding wird Weile haben.“
9 von 10 Hellfire-Punkten.
Tracks:
01 Intro 01:33
02 Back Home 04:28
03 The Dead Don’t Sleep 03:58
04 My Fire 05:35
05 Under A Different Sky 07:05
06 Ghost 04:12
07 Angels Never Come 06:54
08 Master of Shiver 05:31
09 Free The Ravens Fly 06:01










