
© Master‘s Hammer
Geschrieben von: Tim Karow
Band: Master‘s Hammer
Album: Maldorör Disco
Genre: Black Metal
Plattenfirma: Darkness Shall Rise Productions
Veröffentlichung: 26.11.2025
Es gibt Bands, bei denen man sich fragt, ob sie jemals wirklich weg waren? Die Tschechen, Master’s Hammer, haben über die Jahrzehnte hinweg in unregelmäßigen Schüben erst Schwarzmetall geprägt, dann ganze Fanlager mit seltsamen Experimenten vor den Kopf gestoßen, und nun stehen sie wieder da, mit einem Album, das so gar nicht nach Rückkehr klingt, sondern eher nach: „Wir hatten nur eben was anderes zu tun.“ „Maldorör Disco“ ist jedenfalls alles, nur kein angestaubtes Veteranenprojekt.
Und das liegt vor allem an der musikalischen Vollbremsung bzw. Vollgasfahrt, je nachdem, von welcher Seite man’s betrachtet. Master‘s Hammer machen 2025 nämlich keine schwarze Fackelmusik mehr, sondern werfen sich mutig in ein Gewand aus Electro-Industrial, NDH-Vibes und einem dicken Batzen Synth-Pop. Die Gitarren stehen hier nicht mehr stolz im Zentrum, sie laufen jetzt nebenher, wie ein treuer Hund, der weiß, dass die Keyboards heute Chef im Ring sind. Diese Synth-Fokussierung funktioniert erstaunlich gut, auch weil Kamil Princ als neuer Tastenmann sofort zeigt, warum man ihn geholt hat. Die Melodien sitzen, sie kleben, sie bohren sich ins Hirn, ohne sich zu entschuldigen.
Über allem thront natürlich Franta Štorm, dessen Stimme nach all den Jahren immer noch etwas zwischen grummeliger Kirchenchronist, schräger Theatervogel und halbseidener Wahrsager hat. Mal brummt er, mal haucht er, mal spielt er mit Effekten, als hätte er ein neues Spielzeug gefunden. Es ist herrlich unperfekt und gerade deshalb genau richtig. Die Schattenseite? „Maldorör Disco“ klebt ein bisschen zu sehr an seinem Midtempo. Hier und da wünscht man sich den alten Irrsinn zurück, dieses unkontrollierte Zucken, für das Master‘s Hammer früher so geliebt wurden. Die reine Synth-Fahrt macht Spaß, keine Frage, aber ab und zu mal ein Ausbruch, so ein richtig fieser Zacken, hätte dem Album gutgetan.
Trotzdem: Die Platte hat Biss, sie hat Format, sie hat diesen ulkigen, leicht verschrobenen Charme, den nur diese Band so hinbekommt. Dazu ein knackiger Umfang von 42 Minuten, eine hörbar gewachsene Produktion und Songs, die länger im Kopf bleiben, als man zugeben möchte. Kurz gesagt, der Hammer schlägt noch . Vielleicht nicht mehr pechschwarz, aber mit Neonlicht und ordentlich Schmackes. Die Prager Gruppe bekommen von mir 8 von 10 Hellfire-Punkten.
Tracklist:
01 Andêl Slizu
02 Genesis P. Oridge
03 Take It Or Leave It
04 Maldorör Disco
05 Bochnatky
06 Beast Within
07 Bicycle Day
08 Doppelgänger
09 El Teide
10 Slatina
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