
© MassatacK
Geschrieben von: Tim Karow
Band: MassattacK
Album: Late Arrival
Genre: Heavy Metal / Speed Metal
Plattenfirma: Independant
Veröffentlichung: 30.06.2025
Dass MassattacK nicht auf Hochglanz, sondern auf Herz, Kettenöl und Stahl setzen, wird einem schon beim ersten Durchlauf von Late Arrival klar. Die Band verzichtet auf moderne Soundkosmetik, stattdessen setzen sie auf rohe Geschwindigkeit, dreckige Riffs und Texte, die direkt aus dem Bauch und manchmal aus der Flasche kommen. Was dieses Album aber besonders macht: Die Jungs haben verstanden, dass man das Ganze nicht zu ernst nehmen darf. Und gerade dadurch zündet es wie ein Flammenwerfer auf einem Munitionslager.
Schon der Opener „Evil“ ballert einem das Logo ins Gesicht. Klassisch, kompromisslos, straight forward. Der Riff erinnert an die Hochphase von Exciter oder frühen Running Wild, die Vocals sind rotzig, kratzig, aber nie albern, und das Solo bricht genau dann rein, wenn man’s am wenigsten erwartet.
Ein ehrlicher, kompromissloser Start. „Die Like The Rest“ legt nach, mit einem stampfenden Groove, der sich in einen berserkerhaften Refrain steigert. Hier schwingt eine sarkastische Todessehnsucht mit, wie sie nur echter Straßen-Metal erzeugen kann. Mit „Hades“ geht’s ab in die Unterwelt. Der Song wirkt fast wie ein verloren gegangener Klassiker aus der Frühzeit des Speed Metal. Rasende Doublebass, ein Gitarrenriff, das sägt wie ein rostiger Totengräberspaten, und ein Chorus, der dich zwingt, mitzufletschen.
Danach folgt „The Beginning of the End“, ein dramatisch aufgebauter Midtempo-Banger. Hier wird es düsterer, fast episch, aber nie melodisch im Sinne von weichgespült. Der Sound bleibt kratzbürstig und trägt eine gewisse Erhabenheit, ohne sich über den Hörer zu stellen.
„Flash in the Opacity“ ist einer dieser Tracks, der völlig aus der Norm fällt , eine Mischung aus Wahnsinn, Selbstzweifel und klanglicher Explosion. Die Gitarren sind unberechenbar, der Song selbst wirkt wie ein mentaler Zusammenbruch mit Highspeed-Drums und schrillen Leads.
Direkt danach steigt „Schizophrenia“ in die gleiche psychotische Ader ein, aber mit etwas mehr Struktur. Der Song lebt vom Wechselspiel zwischen ruhigeren, fast schon kriechenden Passagen und rasenden Ausbrüchen. Hier wird der Wahnsinn nicht zelebriert, sondern diagnostiziert.
„Suicide“ ist hart, ehrlich und gnadenlos direkt. Der Text reißt keine Metaphern auf, sondern spricht, wie es ist. Ein gefährlich ehrlicher Track mit bitterem Beigeschmack, musikalisch bleibt es schnell, aggressiv, aber auch ein Stück weit verzweifelt.
„The One Eyed Chainsawman“ dagegen wirkt, wie der fiebrige, triefende Gore-Höhepunkt des Albums“, ein Horrorszenario aus Grindhouse-Trash und Speed Metal-Riffs. Der Song ist überdreht, irre, und dabei verdammt catchy.
„Johnnie Walker“ ist nicht nur ein Song über Whisky, es ist ein Liebesbrief an den Suff. Ein betrunkener, schwankender Banger, der dennoch tight gespielt ist. Die Vocals sind hier herrlich überzogen, das Riff simpel, aber wirksam.
Danach macht „Black Death“ ernst. Der Song ist deutlich düsterer, härter und bringt fast einen leichten Black/Thrash-Vibe mit. Der Refrain klingt, als würde man ihn in einer brennenden Kapelle brüllen.
„Heavy Metal Strikes“ ist eine Kampfansage. Das hier ist der Manifest-Song. Eine Hymne, wie sie Manowar nie glaubwürdig hinbekommen haben, weil MassattacK es ehrlich meinen. Kein Pathos, kein Heldenkitsch. Nur Stahl.
Danach wird’s ironisch. „MassatacK, Probably the Worst Band in the World“ ist entweder völlige Selbstaufgabe, oder die geniale Einsicht, dass man sich im Metal nie zu ernst nehmen darf. Ein rotziger, rumpelnder Rocker mit Augenzwinkern, der aber trotzdem ordentlich Druck macht.
„Demo van de Week“ bringt den Underground-Vibe zurück. Der Song klingt wirklich wie ein Demo, verrauscht, wild, wütend. Aber genau das ist der Reiz. MassatacK zeigen hier, dass sie sich nicht für rohe Qualität entschuldigen, sondern sie feiern.
„Circle of Madness“ ist das vorletzte Ausrasten: Ein Speed-Metal-Brecher mit nervöser Energie, irre kreisenden Gitarren und wildem Gesang. Der Track ist wie ein Moshpit aus Gedanken, Wahnsinn und Riffgewalt.
Und dann kommt „Nilson“, ein Song, der aus dem Nichts ein Gefühl von persönlichem Verlust erzeugt. Ob es um eine echte Person geht oder nur eine musikalische Huldigung ist, bleibt offen. Der Song ist spürbar emotionaler und schwerer, fast balladesk, zumindest im Maßstab von MassatacK.
Der Abschluss „Hate“ bringt nochmal alles zusammen: Zorn, Härte, Geschwindigkeit. Keine Kompromisse. Nur Ausbruch. Der perfekte Abschluss für ein Album, das alles sein will, außer angepasst.
Late Arrival mag spät gekommen sein, aber es schlägt ein wie eine Eisenfaust. Dieses Album ist laut, schmutzig, ungezügelt und voller Persönlichkeit. Es klingt, als hätte eine Truppe wilder Bastarde alle Metal-Klischees mit Whiskey übergossen, angezündet und dann auf Band gebrannt. Wer Hochglanzproduktionen und makellosen Gesang sucht, ist hier fehl am Platz. Wer aber rohen, authentischen Metal mit Speed, Dreck, Humor und Haltung sucht, findet in MassattacK einen verbündeten Wahnsinn.
Deswegen gebe ich MassattacK 9,5 von 10 Hellfire-Punkten.
Tracklist:
01 Evil
02 Die Like The Rest
03 Hades
04 The Beginning Of The End
05 Flash in the Opacity
06 Schizophrenia
07 Suicide
08 The One Eyed Chainsawman
09 Johnnie Walker
10 Black Death
11 Heavy Metal Strikes
12 MassatacK, Probably the Worst Band in the World
13 Demo van de Week
14 Circle of Madness
15 Nilso
16 Hate
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