Lost Pearls: Bands, die mehr Anerkennung verdient hätten: Joker aus Düsseldorf

Wenn der Chefredakteur sich plötzlich darüber bewusst wird, dass er (fast) der Älteste im Team ist, definitiv der Gesichtsälteste, und in Erinnerungen schwelgt, was es doch so in der Anfangszeit des Heavy Metals für (vermeintlich) geile Bands gab, die nie den „verdienten“ Durchbruch geschafft haben. Einige kamen über den Demo-Status nicht heraus, andere haben zwar Platten veröffentlicht, allerdings verrotteten die in den Plattenläden.
Diese „Lost Pearls“ müssen unbedingt wieder ans Tageslicht und so wurde die Idee ans Team kommuniziert, die dann auch begeisterten Anklang fand.
In loser Abfolge werdet Ihr nur immer wieder Reviews präsentiert bekommen. Wir hoffen, dass wir Euch da auch einige Überraschungen präsentieren können.

 

Sein Gastspiel bei Rage betrachtete Rudy Graf immer nur als „temporäre Unterstützung befreundeter Musiker“. Somit war auch für Peavy klar, dass Rudy nur so lange an Bord bleiben würde, bis sich ein passender Ersatz an der zweiten Gitarre eingefunden haben würde.
Parallel arbeitete der geschasste Warlock Musiker an seiner eigenen Band Joker, und das meiner Meinung nach sehr gut. Songs schreiben war immer sein Ding und die Tracks entsprachen zu jener Zeit voll dem, was angesagt war. Zudem hatte Rudy viele Jahre eine große und loyale Fan Base, die ihn immer weiter pushte.
Ich kümmerte mich in den Achtzigern um die Belange von Joker und führte mit jeder Menge Labels Verhandlungen. Rudys Traum war ein Deal, bei einem Independent Label mit Major Vertrieb im Rücken. Also bestmögliche Betreuung seitens Label mit großer Reichweite beim Vertrieb. Das damalige No Remorse Records erfüllte diese Konstellation, allerdings führte das Gespräch mit Label Boss Charly Rinne in eine Sackgasse.
Dagegen zeigte RCA Interesse und schließlich kam die EMI mit einem Vertragsangebot um die Ecke. Da es aber nicht das war, was Rudy im Sinn hatte, verspielte er die Chance, was bekanntlich dazu führte, dass Joker weiterhin ohne Deal dastanden. Leider wie zu oft, stand sich Rudy Graf selbst im Weg und warf eine große Chance weg. (Jörg)

Geschrieben von: Klaus S.
Band: Joker
Album: Demo 1 / Demo 2
Genre: Hard Rock/Heavy Metal
Plattenfirma: –
Veröffentlichung: 1989

 

Bei JOKER handelt es sich um eine Hard Rock Band aus Düsseldorf, die im Jahr 1988 von Ex-Warlock Gitarrist Rudy Graf nach seinem kurzen Intermezzo bei Rage gegründet wurde. Er begann, eigene Songs zu komponieren und versammelte einiger Musiker aus der lokalen Szene um sich, zum Beispiel der spätere Helloween/Mekong Delta Drummer Ulrich „Uli“ Kusch. Die Band nahm Anfang 1989 ihr erstes Demo auf, auf dem sich Beate Degen und Xaver Drexler (ex-Capital Rose/Forced Entry/STS 8 Mission) den Gesang teilten. Auf dem Ende desselben Jahres aufgenommenen zweiten Demo wirkte dann der ehemalige Midnight Darkness/Bornchild-Sänger Jörg Reuter mit, doch die Band löste sich im darauffolgenden Jahr aufgrund von Besetzungswechseln auf.

Das erste, was mir auffällt, ist die recht gute Produktion der Songs. Da es sich hier um Demo-Aufnahmen handelt, war damit nicht unbedingt zu rechnen. Die Songs bewegen sich irgendwo im Grenzbereich aus Hard Rock und Heavy Metal, wobei die Gewichtung mal zur einen, mal zur anderen Seite wechselt. Überhaupt klingen die Tracks für meinen Geschmack nicht nach einer deutschen Band – vielleicht vom Gesang mal abgesehen, musikalisch hätte es sich durchaus auch um eine US Band handeln können – als Beispiel sei das mit einer Mundharmonika versehene „Living In The Dark“ genannt.

Bei „Fool For Your Love“ – mit Beate Degen an den Vocals – entfernen JOKER sich ein wenig vom vorherrschenden Sound hin zu einer bluesigen Easy-listening Nummer, die nicht so recht in die übrige Tracklist passen will. Dies gilt auch für das folgende „Dancing In The Moonlight“. Hatten die ersten acht, allesamt von Xaver Drexler eingesungenen Stücke noch richtig Ecken und Kanten, klingt dieser Song eher etwas weichgespülter, so als würde man mit dem Teil Richtung Radio Airplay schielen. „Catch Your Fall“ und „Life Wire“ gibt es gleich in doppelter Ausführung, wobei die Versionen mit Xaver für mich die gelungeneren sind. Interessanterweise wird „Live Wire“ bzw. „Life Wire“ einmal mit „v“ und einmal mit „f“ geschrieben, ob das nun Absicht oder ein Fehler war, entzieht sich meiner Erkenntnis.

Eigentlich schade, dass JOKER letztlich nie ein Album veröffentlicht haben, denn vor allem die ersten acht Songs hätten sich damals nicht vor der Konkurrenz zu verstecken brauchen. Ob sie den Durchbruch geschafft hätten, werden wir leider nie erfahren, aber wer Gelegenheit hat an diese Aufnahmen zu kommen, sollte auf jeden Fall mal ein Ohr riskieren.
Von mir gibt es 8 von 10 Hellfire Punkten.

 

Tracklist:

01 Catch Your Fall
02 Live Wire
03 Wild Boys
04 Living In The Dark Intro
05 Living In The Dark
06 Hear The Voices
07 Turn It Down
08 Feelin‘ In My Heart
09 Fool For Your Love
10.Dancing In The Moonlight
11 Cool Down
12 Catch Your Fall
13 Life Wire

 

Mehr Infos:

The Corroseum
JSPics
Metal Archives

 

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