
Wenn der Chefredakteur sich plötzlich darüber bewusst wird, dass er (fast) der Älteste im Team ist, definitiv der Gesichtsälteste, und in Erinnerungen schwelgt, was es doch so in der Anfangszeit des Heavy Metals für (vermeintlich) geile Bands gab, die nie den „verdienten“ Durchbruch geschafft haben. Einige kamen über den Demo-Status nicht heraus, andere haben zwar Platten veröffentlicht, allerdings verrotteten die in den Plattenläden.
Diese „Lost Pearls“ müssen unbedingt wieder ans Tageslicht und so wurde die Idee ans Team kommuniziert, die dann auch begeisterten Anklang fand.
In loser Abfolge werdet Ihr nur immer wieder Reviews präsentiert bekommen. Wir hoffen, dass wir Euch da auch einige Überraschungen präsentieren können.
Den ersten Kontakt mit Culprit hatte ich eines Mittwoch Abends, als auf BFBS der Song „Players“ der Amis gespielt wurde, der auf einem Sampler veröffentlicht wurde. Das Ding hat mich umgehauen und lief bei mir (Tape) in Dauerschleife. Der Song stammte vom ersten Demo von 1982, und diese Version wurde auch für den Sampler genutzt.
Die Veröffentlichung des Debüt Albums konnte ich kaum erwarten, und als das Teil bei meinem LP Dealer im Regal stand, ging es augenblicklich in meinen Besitz über. Leider musste ich feststellen, dass die Album Version von „Players“ offensichtlich neu aufgenommen worden war und nicht gerade in einer besseren Version. Das turnte mich ziemlich ab, obwohl das Album als Ganzes wirkliche Killer Songs enthielt.
Das Label, Shrapnel Records wurde von Mike Varney gegründet, der ein Fan der Gitarrenfrickler. Yngwie Malmsteen, Marty Friedman, Jason Becker, Paul Gilbert, Racer X, Tony MacAlpine, Vinnie Moore, Greg Howe, Richie Kotzen wurden allesamt von ihm unter Vertrag genommen; Bands wie Culprit standen bezüglich Promo bei Mike nicht in der ersten Reihe. Bekanntlich haben alle Gitarren Virtuosen eine steile Karriere hingelegt, Culprit leider nicht, obwohl sie meiner Meinung nach extrem viel Potential hatten. Die Band hatte mit dem Label Deal definitiv aufs falsche Pferd gesetzt; aber wer weiß: vielleicht gab es ja gar keine andere interessierte Platenfirma…. (Jörg)

Geschrieben von Hans Dadaniak
Band: Culprit
Album: Guilty as Charged
Genre: Heavy Metal
Plattenfirma: Shrapnel Records
Veröffentlichung: 1983
Direkt der Opener, welcher auch Titelgebend für das Album ist peitscht sofort nach vorne. „Guilty As Charged“ startet mit ruhig um dann sofort mit dem einsetzenden Gitarrensolo das Tempo vorzugeben. Der Gesang von „Jeff L’Heureux“ ist charismatisch und voller Intensivität. Im weiteren Verlauf folgen gute Tempowechsel und weitere Soli. Ein guter Song. Mit vollem Tempo startet dann „Ice In The Back“. Ein Song bei dem sich die Gitarren rasante Duelle liefern und der Gesang in ungeahnte Höhen geht. Schon fast wie ein Vorläufer des „Speed-Metal“.
Und jetzt bitte erstmal so richtig Headbangen. Mit „Steel To Blood“ kommt für mich der erste Hammersong auf diesem Album. Stampfende Riffs geben diesem Song die richtige Atmosphäre. Dazu dann „I Am“, ein Song der sich erst mal von den bisherigen Songs absetzt. Ein toller Song, aber es scheint so als sei er mehr für das massentaugliche Publikum gemacht.
„Ambush“ schlägt in die gleiche Kerbe. Der Song startet ruhig im Vergleich zu den anderen Songs, aber genau macht hier das Flair aus. Wenn der Song dann auf einmal Fahrt aufnimmt geht es fast schon wieder in den Bereich vom „Speed-Metal“. Gut umgesetzt. Das Intro zu „Tears Of Repentance“ kommt sprachlich daher und hebt sich somit schon mal ab. Danach geht es gesanglich und soundtechnisch in die vollen. Starke Gitarrenduelle geben dem Song etwas Besonderes.
Mit „Same To You“ schlägt die Band eine neue Seite auf. Eine melodische Einleitung mit einem Schrei, der aus den Tiefen des Universums kommt und dann gekonnte Riffs, dazu ausdrucksstarker Gesang. Und wie immer starke Soli. Jetzt zu „Fight Back“. Ein gradliniger Song der sich vollkommen in das Album einreiht, jedoch für mich keinen Höhepunkt darstellt. Mit „Player“ endet das Album. Eine starke (Halb)Ballade. Die ruhe und Sanftheit die dieser Song am Anfang mit sich bringt und nach der Hälfte ungefähr Tempo aufnimmt und sich zum Ende hin wieder ein starkes Gitarrenduell liefert bildet einen grandiosen Abschluss.
Ein starkes Album bei dem meine Anspieltipps „Guilty As Charged, Steel To Blood, Tears Of Repentance und Players“ sind.
Tracklist:
01 Guilty As Charged
02 Ice In The Back
03 Steel To Blood
04 I Am
05 Ambush
06 Tears Of Repentance
07 Same To You
08 Fight Back
09 Players
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