Wenn der Chefredakteur sich plötzlich darüber bewusst wird, dass er (fast) der Älteste im Team ist, definitiv der Gesichtsälteste, und in Erinnerungen schwelgt, was es doch so in der Anfangszeit des Heavy Metals für (vermeintlich) geile Bands gab, die nie den „verdienten“ Durchbruch geschafft haben. Einige kamen über den Demo-Status nicht heraus, andere haben zwar Platten veröffentlicht, allerdings verrotteten die in den Plattenläden.
Diese „Lost Pearls“ müssen unbedingt wieder ans Tageslicht und so wurde die Idee ans Team kommuniziert, die dann auch begeisterten Anklang fand.
In loser Abfolge werdet Ihr nur immer wieder Reviews präsentiert bekommen. Wir hoffen, dass wir Euch da auch einige Überraschungen präsentieren können.
Es gab Anfang der Achtziger in Bad Godesberg die Disco „RockOn“, wo montags immer Hard und Heavy aufgelegt wurde und wo ich jede Menge neues interessantes Material zu hören bekam, welches ich dann gleich am Folgetag im ElPi Bonn in meine Sammlung aufnahm.
Bullet aus Bochum waren so eine Combo, die durch einen geilen Sänger auffiel: Klaus Thiel schaffte offenbar ohne Probleme die höchsten Höhen und die Songs des Debüts „Execution“ hatten allesamt gleichbleibend hohe Qualität. Am Bass war bei der Produktion noch Volker Pechthold am Werk, wurde aber schon 1981 durch einen gewissen Fitty Wienhold abgelöst, der später bei Udo Dirkschneiders U.D.O. einsteigen sollte.
Für damalige Zeiten war „Execution“ kompromisslos und von unglaublicher Qualität, und das, „obwohl“ die Band aus Deutschland stammte. Bullet waren auf dem richtigen Weg, keine Frage. Aber leider kam das Folgealbum „No Mercy“ bei weitem nicht mehr an das Debüt heran. Weder von der Song- noch von der Soundqualität. Und somit waren Bullet leider auch schon wieder Geschichte. (Jörg)

Geschrieben von Tim Braff
Band: Bullet
Album: Execution
Genre: Heavy Metal, Hard Rock
Plattenfirma: Breeze Music
Veröffentlichung: 1981
Die Bochumer Band Bullet gilt als eine der 80er Bands, die mit der Zeit (fast) in Vergessenheit geraten sind.
Ihr Debütalbum „Execution“ hatte für 1981 einen hochmodernen Sound, der danach noch mehrere Jahre im Trend war. Bullet bewegte sich nämlich zwischen dem rohen von AC/DC popularisierten Hard Rock und dem typischen 80er-Jahre Heavy Metal. Thematisch in den Texten merkt man ebenfalls Einflüsse aus dem Glam Metal der 80er, welches häufig Frauen und die Freiheit von Rock’n’Roll thematisiert und das tat auch „Execution“.
Schon mit dem Titeltrack als Opener merkt man, dass das Album den Zeitgeist voll getroffen hat. Wenn Songs dieses Genres zu dieser Zeit wie eine Fahrer-Hymne wirken, haben sie alles richtig gemacht. Der Opener legt dabei die Messlatte hoch an und lädt zu Autobahn-Spaß ein. Genau dieses Gefühl zieht sich durch das gesamte Album. Wenn man beim Autofahren diesen Song auf einer 80er-Playlist spielt, würde man das nicht hinterfragen und man kann es in vollen Zügen genießen, insbesondere beim Fahren. Das ist meiner Meinung nach ein Qualitätsmerkmal der 80er und dieses hat das „Execution“ meiner Meinung nach.
Es ist nicht lediglich ein Song, der sich da positiv hervorhebt, sondern meines Erachtens das gesamte Album. Umso bedauerlicher ist es, dass der Durchbruch ausblieb, aber unverständlich finde ich es auch nicht. Das Album ist qualitativ auf einem Niveau mit zeitgenössischen Werken, macht Spaß beim Hören und traf den Zeitgeist exemplarisch für einen möglichen Klassiker, hat aber kaum Alleinstellungsmerkmale und klingt für mich wie ein typisches Werk aus den 80ern. Es fehlt eine Begründung, warum sie Erfolg gehabt hätten sollen, an Stelle anderer Bands, die einen ähnlichen Sound hatten. Neben dem bereits bedienten Sound der Band, ist der deutsche Musikmarkt auch nicht der Einfachste, um durchzubrechen. Es hat hier dann einfach an etwas Glück gefehlt, dass die Band von mehr Leuten entdeckt worden ist.
Es ist durchaus möglich, dass das Album einen beachtlichen Erfolg hätte feiern können, aber „Execution“ zeigt nunmehr, dass Glück auch zum Erfolgsgeheimnis dazugehört.
Fazit: Bullet haben mit „Execution“ ein beachtliches Werk erschaffen, was durchaus die Qualität für Erfolge gehabt hätte, wenn das nötige Glück vorhanden gewesen wäre. Das Album ist 80er-Jahre in Reinform und das war sowohl Fluch als auch Segen, da es trotz guter Qualität eine mangelnde Alleinstellung hatte. Dadurch ist es auch nachvollziehbar, warum das Album bzw dadurch auch die Band nicht den gewünschten Erfolg erreichen konnte trotz guter Argumente dafür.
Tracklist:
01 Execution
02 Cold Hearted Woman
03 Dancer On A Rope
04 The Devil’s Got You
05 Gimme Some Power
06 You Know How To Love Me
07 Locked A Cage
08 Mister Death
09 Burn On The Flame
10 Breakfast In Heaven
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