
© Linkin Park
Geschrieben von Tim Braff
Band: Linkin Park
Album: Unshatter Film Soundtrack (Live in São Paulo)
Genre: Nu-Metal, Alternative Rock, Hard Rock
Plattenfirma: Warner Records
Veröffentlichung: 25.09.2026
Meine absolute Lieblingsband bringt ein Live-Album auf den Markt. Selbstverständlich bin ich größter Fan der Neuerscheinung und zugleich der größte Kritiker, denn Linkin Park hat in der Vergangenheit richtig starke Live-Alben veröffentlicht mit besonderen Momenten, sodass die Messlatte sehr hoch liegt.
Nachdem die Band vielleicht das größte Comeback der Musikgeschichte hingelegt hat, gehören sie vermutlich zu den allergrößten Musikern aller Zeiten. In so einer vergleichsweise kurzen Bandgeschichte haben sie so viele Rekorde gebrochen und unzählige Zielgruppen geprägt, dass man ihnen das zusprechen muss.
Jetzt haben sie das erste Live-Album seit dem Comeback veröffentlicht und das gleich aus São Paulo, welches sowieso für eine atemberaubende Kulisse bekannt ist. Meine Erwartungen könnten kaum höher sein.
Track für Track:
Die Eröffnung des Live-Albums liefert das Intro „Inception/Intro“. Aufbauende Klänge, große Lautstärke der Fans und klangliche Anspielungen an ihre Hits wie „Castle of Glass“ oder „Numb“ bieten einen atmosphärischen Einstieg ins Live-Album. Viele sind nicht so begeistert von Interludes, insbesondere wenn diese Live vermarktet werden, aber mich holt man damit ab, weil das höchst-authentisch ist. Als Einstieg ist das gut gelungen.
Der erste richtige Song ist dann „Somewhere I Belong“. Nach dem schnellen Einzählen von Mike Shinoda hört man dann die nostalgischen Klänge der 2000er und ich als Fan kriege selbstverständlich Gänsehaut. Objektiv betrachtet gehört „Somewhere I Belong“ zu den besten von Emily performten Songs der alten LP-Ära. Rein auf die Performance beschränkt ist das einwandfrei. Vor allem die hohe Stimmung Südamerikas hört man bereits hier heraus.
Weiter geht es mit ihrem Comeback-Hit „The Emptiness Machine“. Während ich den Song an sich als Studioversion richtig gerne mag, finde ich den Song live etwas enttäuschend. Zwar ist das Publikum lautstark am Mitsingen, aber live hat Linkin Park andere Songs, die weitaus mehr scheppern. Zudem finde ich Mikes Gesang der ersten Strophe zwar gut gemacht, aber auf der Aufnahme etwas unter dem Niveau, welches Linkin Park sonst vorgibt. Dafür brilliert Emily Armstrong wiederum. An sich ist auch dieser Song eine Ansage, aber für Linkin Parks Verhältnisse nicht ansatzweise im oberen Drittel vertreten.
Jetzt folgt „Creation/Interlude“, der wie der Name schon verrät, als Interlude in „The Catalyst“ übergeht. Das passt perfekt zur Atmosphäre.
„The Catalyst“ gehört zu den experimentelleren Songs ihrer Diskographie, liefert aber dennoch trotz elektronischer statt rockiger Elemente live immer einen besonderen Moment in ihrer Show. Wenn live ein Song zur Originalversion einen merkbaren Unterschied aufweist, dann definitiv dieser. Zum Einen wird er live etwas gekürzt und zum Anderen sind die Stimmen live mit Effekten robotisch klingend, was ich als sehr passend empfinde, denn die Atmosphäre des zugehörigen Albums „A Thousand Suns“ wird dadurch live besser getroffen als auf der Platte selbst. Highlight dieses Songs bildet selbstverständlich die Bridge am Ende mit den hymnischen „Lift Me Up – Let Me Go“-Chören der Band mit Unterstützung des Publikums; das ist jedes Mal aufs Neue ein Gänsehautmoment.
Weiter macht der Song „Waiting For The End“, der auf der gleichen Platte wie „The Catalyst“ zu finden ist. Dieser ist nicht nur der Lieblingssong von Mike Shinoda, sondern mein persönlicher emotionaler Endgegner. Bei allen 3 Konzerten, die ich seit dem Comeback von Linkin Park von ihnen besucht habe, kamen mir bei diesem Song die Tränen, weil Songtext und Songstimmung nun mal ziemlich traurig sind. Vor allem die teils depressive Stimmung des Songs im Kontext von Chester Benningtons Suizid ist dabei für viele Fans ein Tränengarant. Auch hier würde ich wieder von einem emotionalen Höhepunkt der Platte sprechen.
Der Song „Casualty“ bricht dann die etwas emotionalere Stimmung und bringt härtere Metal-Momente und die Schmacht nach Mosh-Pits. Während der Song auf Aufnahme schon der aggressivere Song von „From Zero“ war, klingt er live erstens tiefer und zweitens basslastiger, sodass er richtig dreckig dem Live-Album eine gewisse Kantigkeit liefert. Sowas mag ich gern.
Mit „Two Faced“ geht das Verlangen nach Mosh-Pit weiter. Live ist das einer meiner absoluten Favoriten, weil da die Crowd richtig am Kochen und in Bewegung ist. Leider kann das eine Aufzeichnung davon nicht so gut auffangen. Dadurch kann dieser Track auf diesem Live-Album seinen Möglichkeiten nicht entsprechen. Am nächsten dran kommt dabei der Breakdown, der auch live zum Headbangen anregt. Spätestens da wird einem auch bewusst, wie stark jeweils die Vocals von Mike und Emily sind.
„Break Collapse/Interlude“ lässt dann wieder etwas Ruhe einkehren, präsentiert aber auch zugleich die herausragende Stimmung des Publikums, was ich am liebsten die ganze Zeit loben möchte, da dieses komplett abgegangen ist.
Jetzt folgt eine verkürzte Variante von ihrem Hit „Lost“ als Ballade. An sich ist das schön gestaltet worden für einen Live-Moment, aber ich bevorzuge die Nu-Metal-Variante dieses Songs. Dennoch merkt man, wie stark Emily als Sängerin eigentlich ist.
Nun folgt der Hit „What I’ve Done“. Beim Hören wird man selbstverständlich ans Outro des ersten Transformers-Films erinnert. „What I’ve Done“ gehört immer zum Pflichtprogramm der Band und das merkt man hier vor allem an der Lautstärke des Publikums. Dieses ist der Star dieses Tracks, auch wenn Emily auch hier gesanglich überzeugend auftritt.
Linkin Parks emotionale Seite geht nun mit „Leave Out All The Rest“ weiter. Mit einem alternativen Beginn auf Piano & mit Mike-Solo und einem folgenden Gitarrensolo beginnt dieser Track für mich spannender als auf Aufnahme. Dazu singt Mike Shinoda die Strophen und beweist, dass er als Sänger extrem unterschätzt ist. Sein Gesang ist einwandfrei und bildet einen guten Kontrast zu Emilys Gesang in den Refrains; dazu finde ich bei „Leave Out All The Rest“ Emilys Gesang nicht so überzeugend wie auf den anderen Tracks.
Jetzt folgt „Over Each Other“. Persönlich mag ich den Song nicht so gern. Zwar präsentiert Emily hier eine gute gesangliche Leistung, die ich nicht klein reden möchte, aber auch als Live-Version ist dieser Song mir etwas zu lasch; sowohl emotional als auch von der Härte her.
„Numb“, hier gespielt mit einem „Numb/Encore“-Intro, gehört immer zu den lautesten Songs ihrer Setlist. Wer ein lautstark mitsingendes Publikum hören möchte, muss sich diesen Live-Track anhören, denn das Publikum erzeugt einen absoluten Gänsehautmoment. Dabei geht beinahe die gesangliche Perfektion von Emily, die mit ihrem eigenen Gesangsstil diesen Song echt gemeistert hat. Dass dieser Song ein Highlight des Live-Albums bilden würde, war ja irgendwo klar; trotzdem wurde ich hier nochmal positiv überrascht.
Sofort folgt dann der nächste Hit mit „In The End“ und auch hier ist das Publikum sensationell. Dadurch wird jedes Lob meinerseits langsam aber sicher redundant.
Darauf folgt mein Lieblingssong mit „Faint“. Egal in welcher Form – ich liebe diesen Song. Alles daran finde ich herausragend. Diese Meinung vertrete ich auf Aufnahme, als Cover-Version und auch hier live.
Den letzten Abschnitt leitet das Interlude bzw. das Intro der Zugabe „Resolution/Intro“ ein. Auch hier passt es wieder optimal ins Soundgefüge.
Den ersten Track der Zugabe macht dabei „Papercut“, der live richtig scheppert. Mike Shinoda zeigt hier, wie authentisch Rap in Rock und Metal klingen kann. „Papercut“ büßt live nicht einen Funken an seinem lässigen Charakter ein und präsentiert wirklich jedes Element der Band in bester Form. In São Paulo gehört dieser Track zu den Highlights.
„Heavy Is The Crown“ ist von allen Songs auf „From Zero“ quasi das neue „Faint“. Einerseits ist der Songaufbau sehr ähnlich, andererseits ist die Energie die Selbe; dazu ist das auch mein Lieblingssong ihrer 2024er Platte. Live geht „Heavy Is The Crown“ auch richtig ab. Während Mikes Rap, Emilys Gesang und die Instrumente der Band einen richtigen Abriss live verursachen, bringt die Bridge mit Emilys 16 Sekunden langen Schrei den beeindruckendsten Moment des Live-Albums. Definitiv einer der besondereren Songs des Live-Albums.
Den Abschluss bildet, wie gewohnt bei Linkin Park, „Bleed It Out“. Hier übertrifft Mike nochmal seine herausragende Rap-Performance auf „Papercut“ und würdigt den Abschluss mit einer wahren 10/10. Das Snippet in der Bridge von „A Place For My Head“ ist immer einer meiner favorisierten Momente von Linkin Park und auf diesem Live-Album passt das perfekt rein. Der Abschluss sitzt 1A!
Fazit: Linkin Park präsentiert ein wirkliches starkes Live-Album aus São Paulo; jede Band könnte sich glücklich schätzen, so ein Live-Album veröffentlichen zu können. Mike und Emily brillieren technisch als Sänger und vor allem das Publikum lässt die Stimmung kochen. Wenn man jedoch „Live in Texas“ (als Vorprogramm von Metallica in 2003) oder „Live in Nottingham“ (aus dem 20th Anniversary von Meteora) anschaut, kann das neue Live-Album sich diesen leider nur hinten anordnen.
Der „Unshatter Film Soundtrack“ ist wirklich ein starkes Live-Album, erreicht aber meiner Meinung nach nicht das Niveau der absoluten Elite von Linkin Park. Trotzdem freue ich mich auf den Konzertfilm, den ich kommenden Mittwoch im Kino sehen werde!
8 von 10 Hellfire-Punkten!
Tracklist:
01 Inception/Intro
02 Somewhere I Belong
03 The Emptiness Machine
04 Creation/Interlude
05 The Catalyst
06 Waiting For The End
07 Casualty
08 Two Faced
09 Break Collapse/Interlude
10 Lost
11 What I’ve Done
12 Leave Out All The Rest
13 Over Each Other
14 Numb
15 In The End
16 Faint
17 Resolution/Intro
18 Papercut
19 Heavy Is The Crown
20 Bleed It Out
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