Legenden gehen nie so ganz – Zum zweiten Todestag von Lemmy Kilmister

Ich war zum Motörhead Interview geladen und wartete in der Lobby eines noblen Kölner Hotels. Da ich das letzte Interview des Tages hatte, blieb mir noch ein wenig Zeit an meinen Fragen zu basteln. Wie wenig mir das nützte, sollte ich dann wenig später erfahren. Die Promoterin holte mich ab und führte mich in eine große Suite. Dicke Rauchwolken waberten mir entgegen, der Tisch stand voller Flaschen mit alkoholischen Getränken und ein paar Gläsern. Dahinter konnte ich im fahlen Licht Lemmy und Phil Campbell erkennen. 

Direkt nachdem die Promoterin die Tür geschlossen hatte, erklärte mir Lemmy, dass er keinen Bock auf ein weiteres stupides Interview in diesem lausigen Hotelzimmer habe. Ich solle ihm die Stadt zeigen, wir könnten uns unterwegs unterhalten. Und so begann ein lustiger Abend in der Kölner Altstadt, welcher am frühen Morgen auf der Polizeiwache endete. Natürlich habe ich keine meiner eigentlichen Fragen gestellt, dafür aber nette Gespräche über Politik, Religion, Videospiele und Pornos geführt. Und einen neuen Freund gefunden, welcher leider vor zwei Jahren, viel zu früh gestorben ist. Ich finde, dass dies ein guter Zeitpunkt ist um einen Rückblick auf die Karriere dieses Ausnahmemusikers zu schreiben. 

Am 24. Dezember 1945 erblickte Lemmy als Ian Fraser Kilmister in England das Licht der Welt. Er wuchs in recht armen Verhältnissen im England der Nachkriegszeit auf. Früh bekam er mit wie das Land von Wirtschaftskrisen und Arbeitslosigkeit geschüttelt wurde, dass die Politik nicht in der Lage war die großen Probleme in den Griff zu bekommen. 

Als Lemmy 10 war, heiratete seine Mutter erneut, einen ehemaligen Profifußballer und Unternehmer. Aber auch das änderte nichts mehr an Lemmys Grundhaltung. Mit 15 verließ er ohne Abschluss die Schule, mit 16 zog er zu Hause aus und hielt sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Unter anderem war er Roadie bei Jimi Hendrix. 

Anfang der 70er Jahre heuerte Lemmy als Bassist bei Hawkwind an. Aufgrund seines Lebensstils warf man ihn 1975 dort raus. Dies war die Geburtsstunde von Motörehead, die Lemmy sofort im Anschluss gründete. Und die Welt sollte nie mehr so sein wie vorher. Eigentlich wollte er die Band Bastard nennen, jedoch riet sein damaliger Manager davon ab. Diese Idee hat nun der ehemalige Motörehead Gitarrist Phil Campbell aufgegriffen und seine neue Band Phil Campbell And The Bastard Sons genannt.

Bereits das erste offizielle Album, vorher wurde bereits On Parole aufgenommen, erschien aber aufgrund eines Rechtsstreits erst später, sollte die Musikszene für immer verändern. Lemmys extrem ausgefallener Gesang, seine Art Bass zu spielen, dazu seine Show bei Liveauftritten…. Daneben dann, abseits der Bühne sein ausschweifendes Leben, viele Zigaretten, Unmengen an Alkohol…. ein Leben in Extremen. 

Im Laufe seiner Karriere hat Lemmy hunderte von Songs geschrieben, tausende Konzerte gespielt, mit Unmengen bekannter Musiker auf der Bühne gestanden. Auch heute, zwei Jahre nach seinem Tod, ist der Musiker der Inbegriff des Rock ‘N’ Roll. Und, um es mit seinen Worten zu sagen: “Egal ob ich in den Himmel oder die Hölle komme, auch da wird es eine Bühne geben auf der ich spielen kann!” Diese kann er nun zusammen mit Freunden wie, dem erst kürzlich verstorbenen Malcom Young, oder auch David Bowie rocken.

Unvergessen sind Songs wie Motörehead, Ace Of Spades, Overkill, Bomber, Need No Religion, um nur einige zu nennen. Und um ihn zu ehren: Lasst uns einen Wodka nehmen, mit einem Spritzer Orangensaft, und seine Musik besonders laut hören!

Gernot Sieger

 

 

 

 

 

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