
Stand Atlantic
Bericht: Tim Karow
Bilder: Tim Braff
15.05.2026. Das legendäre Britische Festival namens Slam Dunk findet seinen Weg endlich nach Deutschland und hat sich natürlich in den Ruhrpott wiedergefunden. Oberhausen war der Austragungsort, und als Headliner wurden Paleface Swiss und Knocked Loose angekündigt.
Schon vor Einlass standen schwarze Shirts und auch Kutten vor der Turbinenhalle Oberhausen. (Pinke Kutten natürlich auch). Da die Sonne gut schien, liefen nicht nur die ein oder andere Schweißperle, sondern auch das ein oder andere Bier in den Rachen. Die Vorfreude war da. Überall hörte man Gespräche über Running Orders, Lieblingsbands und die Frage wie man diese Hitze eigentlich überleben soll. Die erst erfrage kam auf, da der Timetable erst sehr spät veröffentlicht wurde. Dies sorgte zwar für Furore der Fans , änderte am Ende aber nichts an der Stimmung als sie einmal drinne waren. Die Leute wollten einfach dieses Festival erleben !

Holywatr
Um 17:30 Uhr eröffneten Holywatr die Stage 1 und brauchten keine zehn Minuten um die Halle komplett wachzurütteln. Die Mischung aus Nu Metal, Emo und Shoegaze funktionierte live überraschend brutal. Besonders Sänger Holy war permanent in Bewegung. Kein Stillstand. Kein Durchatmen. Schon beim dritten Song entstand der erste Circle Pit des Tages. Bei dieser Temperatur eigentlich Wahnsinn. Aber genau das machte den Auftakt so stark. Niemand hatte Lust sich zurückzuhalten.
„Fade“ sorgte dann endgültig dafür dass die Menge komplett drin war. Der Breakdown schlug ein wie ein Vorschlaghammer. Dazu diese elektronischen Spielereien im Hintergrund. Das hatte richtig Charakter.
Nach Holywatr hieß es erstmal Bühnenwechsel. Stage 2 fühlte sich danach fast wie ein kleiner Safe Space an. Weniger Chaos. Weniger Hitze. Shoreline lieferten ein solides Set ab auch wenn der Sound stellenweise etwas dünn wirkte. Trotzdem funktionierte die Atmosphäre. Die Leute wirkten entspannter. Mehr Kopfnicken statt kompletter Eskalation. Genau dieser Kontrast tat dem Festival erstaunlich gut.
Kurz vor Boston Manor kippte das Wetter komplett. Plötzlich Regen. Überall improvisierte Regenschirme aus halb aufgestellten Pavillons oder Merch-Beuteln. Andere blieben einfach draußen stehen und genossen die Abkühlung.
Typischer Ruhrpott-Moment. Irgendwie chaotisch aber gleichzeitig perfekt.
Als nächste Band kam Boston Manor. Boston Manor bewiesen eindrucksvoll warum sie aktuell zu den spannendsten Alternative-Bands gehören. „Floodlights on the square“ zog die Halle sofort rein. Bei „Container“ sang gefühlt jede zweite Person jede Zeile mit. Henry Cox hatte das Publikum komplett unter Kontrolle ohne dabei künstlich zu wirken.
Richtig wild wurde es bei „Sliding Doors“. In der Hallenmitte brach plötzlich alles auseinander. Moshpit. Crowdsurfer. Springende Menschen überall. „Halo“ und „Passenger“ waren dann endgültig Gänsehaut-Momente. Die komplette Turbinenhalle bewegte sich gleichzeitig. Genau diese Momente machen Festivals unvergesslich.
Die nächste Band, Hawthorn Heights war meine Entdeckung des Tages. Es gibt Bands die sofort Erinnerungen auslösen sobald der erste Ton erklingt. Hawthorne Heights gehören definitiv dazu.
Schon bei „This Is Who We Are“ wurde laut mitgesungen. Die Band wirkte extrem locker und hatte sichtbar Spaß auf der Bühne. Kein aufgesetztes Rockstar-Gehabe. Einfach ehrliche Freude.
Als „Ohio Is For Lovers“ erklang wurde aus der Halle plötzlich ein riesiger Emo-Chor. Wirklich jeder sang mit. Für alle die Emo- und Post Hardcore mögen, ist es eine klare Empfehlung !
Der erste der beiden Headliner waren die Schweizer Jungs namens Paleface Swiss. Paleface Swiss waren für mich persönlich einer der Hauptgründe überhaupt hinzugehen. Meine Güte gingen sie ab !
Diese Band kam auf die Bühne als wollten sie die Turbinenhalle einfach abreißen. Direkt bei „I Am A Cursed One“ explodierte alles. Flammen schossen hoch. Menschen flogen durch die Gegend. Die ersten riesigen Walls of Death entstanden.

Paleface Swiss
Dabei verlor ich übrigens direkt meinen Schuh. Das Beste daran ? Sofort bildete sich ein Kreis und mein Schuh wurde tatsächlich zurückgebracht. Genau deshalb fühlt sich Hardcore manchmal wie Familie an.
„Hatred“ und „Nail To The Tooth“ sorgten danach für permanenten Ausnahmezustand. Es wurde durchgehend gemosht. Irgendwann wusste niemand mehr ob das Schweiß oder Kondenswasser war.
Zwischendurch zeigte Zelli bei „Everything Is Fine“ dann plötzlich wie stark seine cleane Stimme eigentlich ist. Ein kurzer emotionaler Moment bevor es wieder komplett eskalierte.
Nach „Please End Me“ war ich körperlich komplett zerstört. Pflaster inklusive.
10 von 10 Erfahrung.
Stand Atlantic brachten danach nochmal frische Energie rein. Bonnie Fraser hatte die Halle komplett im Griff und wirkte dabei unglaublich sympathisch. Vieles habe ich leider verteilt, doch das was ich mitbekommen habe, war klasse !
Besonders beeindruckend war wie laut die Leute bereits den neuen Song „Velcro“ mitsangen. Von hinten sahen selbst die Pits plötzlich irgendwie fröhlich. Dann wurde es ernst.
Kurz nach 10 Uhr Abends stieg die Spannung auf das maximale hinauf. Als Knocked Loose die Bühne betraten änderte sich die komplette Atmosphäre in Sekunden. Das riesige Kreuz im Bühnenbild hat ordentlich was her gemacht. Und dann „Blinding Faith“. Ab da gab es kein Halten mehr.
Bryan Garris klang live absolut wahnsinnig. Diese Vocals schneiden sich wirklich durch jede Wand. Bei „Mistake Like Fractures“ bewegte sich praktisch die komplette Halle gleichzeitig.
Das Grammy-nominierte „Suffocate“ wurde komplett abgefeiert bevor plötzlich Henry Cox von Boston Manor auf die Bühne kam und bei „Billy No Mates“ unterstützte. Unerwartet aber cool !
Natürlich durfte auch „Counting Worms“ nicht fehlen. Beim legendären „Arf Arf“ explodierte wirklich alles.
Mein persönlicher Sieger des Abends blieb aber der Typ der auf einem Crowdsurfer gecrowdsurft ist. Das musst du erstmal schaffen. Diese Jungs haben es drauf, zurecht vorband von Metallica !
Auch abseits der Bühnen hatte das Festival erstaunlich viel zu bieten. Merch gab es ausreichend. Shirts gegen Spenden, wo man viele klasse Shirts bekommen konnte. Monster Energy verteilte kostenlose Drinks und bot sogar Gratis-Tattoos an, wenn man unter anderem das Monster-Logo oder Bandmotive wie von Paleface Swiss sich aussucht .
Natürlich konnten wir uns es nicht verkneifen, eine Runde FIFA zu spielen. Und ja. Mein VfB Stuttgart wurde beim Zocken leider von Tim Braff komplett zerstört. Vielleicht ist der Effzeh ja doch besser ?
Irgendwann gegen Ende des Abends liefen dann hunderte verschwitzte Menschen mit kostenlosen Energy Drinks Richtung Ausgang. Komplett kaputt. Komplett glücklich.
Falls das Slam Dunk Germany nächstes Jahr nicht zurückkommt wäre das wirklich eine verdammte Schande.













