
Geschrieben von Tim Braff
In Extremo und die Burg Satzvey passen wie die Faust aufs Auge; beides durfte ich zum ersten Mal erleben und wurde nicht enttäuscht. Die Burg Satzvey ist die bislang schönste Location, bei der ich ein Konzert besuchen durfte. Im Vorfeld kann man sehr gut auf dem Burggelände die Zeit bis zum Konzert totschlagen und einiges kaufen und anschauen.
Am besten zur Location passt einfach In Extremo. Nicht nur die Band schätzt die Burg, sondern auch das Publikum der Region In Extremo, was man an einem wunderschönen Abend gemerkt hat.
Zunächst hat Doppelbock eröffnet und die Stimmung aufgelockert mit Gesangszeilen wie „Ich lieg wieder vorm Getränkemarkt – weil ich so gern Getränke mag“, die als Ohrwurm hängen bleiben. Ihr Mix aus Humor und Folk Rock kam ziemlich gut im Publikum an und hat den ein oder anderen Lacher erzeugt. Ihren Job als erste Band des Abends haben sie gut absolviert.
Fabula war dann die zweite Band und die letzte Vorband des Abends. Sie haben mit ihrem sogenannten „Drum’n’Pipes“-Sound das Publikum mit mittelalterlichen Klängen umhüllt und ihre Bühnenpräsenz ordentlich unter Beweis gestellt. Durch die ein oder andere Aufforderung ihres Frontmanns zum Nachahmen wurde das Publikum optimal aufgewärmt für In Extremo.
Nach den ersten Klängen von “Ólafur“, die sich langsam aufgebaut haben, erfolgte ein regelrechter Knall durch Pyrotechnik, der das Publikum nochmal geweckt hat, falls es in der Zwischenzeit eingeschlafen sein sollte.
Die Stimmung war von Anfang an gut und locker. Allgemein wirkte das Publikum sehr herzlich und hat die Band mit einer soliden Stimmung empfangen.
In der ersten Hälfte haben die Folk-Metaler schon einige ihrer Hits und Fanfavoriten gespielt. Vor allem bei „Spielmannsfluch“, „Troja“ und „Weckt Die Toten“, die alle drei ziemlich am Anfang gespielt wurden, fand ich die Performance der Band großartig. Das Publikum hat am Anfang von der Lautstärke her noch Potenzial nach oben gehabt, wurde aber von Song zu Song immer offener und hat die gute Stimmung anschließend auch durch Lautstärke präsentieren können.
Untermalt wurde die erste Hälfte durch eine unzählige Menge an Pyrotechnik, die von Feuer und Böllern bis hin zu vielen anderen Arten von Feuerwerk gereicht hat.
Emotionale Highlights hat man in der Mitte des Sets geliefert bekommen mit “Liam” und “Feine Seele”, die durch Melancholie Mitsing-Momente, Tränen und Lichtermeere erschaffen konnten. Auch wenn die Band eigentlich für Spaß und eine gewisse Party bekannt ist, können sie auch authentisch und gleichwertig ernste Songs performen und so ihr Konzert vielseitiger gestalten.
Stimmungstechnisch war gegen Ende hin ihr Hit “Sternhagelvoll” das Highlight – eine gigantische Hymne muss man eigentlich sagen. Das Publikum hat einen lautstarken Chor gebildet und immer wieder den Refrain gesungen, auch als das Lied eigentlich schon vorbei war. Kurz vor der Zugabe war das quasi schon die Krönung des Abends; und zwar eine Gelungene!
Beendet wurde In Extremos Auftritt mit einem beachtlichen Feuerwerk, wo einige Raketen an den Samstag des diesjährigen Wacken Open Airs erinnern ließen. Neben ihrer durchweg starken Auftrittsleistung haben sie auch optimal Show- und visuelle Elemente geboten, die sehr eindrucksvoll waren. Wenn eine gute Performance mit guter Stimmung belohnt wird und zudem visuell etwas zu bieten hat, dann kann man nur von einem großartigen Konzert und Abend sprechen.
In Extremo auf der Burg Satzvey hat schon im Vorhinein einen tollen Abend versprochen und diesen auch geliefert. Zwischen einer guten Stimmung, einer wunderschönen Location und starken visuellen Eindrücken befindet sich das großartige Verhältnis zwischen Band und seinen Fans; in Satzvey, Mechernich kam sie perfekt zur Geltung. Das Einzige, was gefehlt hat, um den Abend noch ein wenig unvergesslicher zu machen, wäre die Performance ihres Klassikers “Herr Mannelig” gewesen, den sie leider nicht gespielt haben. Auf diesen Song hatten sich einige Besucher gefreut, wurden dahingehend dann aber enttäuscht. Trotzdem war es ein Abend, den man so schnell nicht vergessen kann!
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