Konzertbericht: Bülent Ceylan – Die Clubtour – 29.09.2026 LKA Stuttgart

Geschrieben und fotografiert von Frank Weichert

 

Bülent Ceylan im LKA Longhorn Stuttgart – Vom Comedian zum Metalhead

Stuttgart, 29. September 2026 – Es gibt Abende, an denen selbst der September noch einmal alles gibt. Bei angenehmen Temperaturen und bestem Wetter strömte das Publikum am Dienstagabend gut gelaunt zum LKA Longhorn in Stuttgart. Vor der Halle zeigte sich bereits, wie breit Bülent Ceylan mittlerweile aufgestellt ist: Vom jungen Metalhead bis zum langjährigen Comedy-Fan war so ziemlich jede Altersklasse vertreten. Die Stimmung war entspannt, ausgelassen und vor allem eines: voller Vorfreude auf einen Abend, an dem Comedy und Metal erneut aufeinandertreffen sollten.

Doch wer Bülent Ceylan bereits auf seiner ersten musikalischen Tour oder bei den Konzerten dazwischen erlebt hat, konnte an diesem Abend eine bemerkenswerte Entwicklung feststellen.

Denn aus dem Comedian, der seine Songs immer wieder mit längeren Comedy-Passagen unterbrach, ist mittlerweile ein Musiker geworden, der seine Band und vor allem die Musik deutlich stärker in den Mittelpunkt stellt.

Die Musik übernimmt das Kommando

Als Bülent Ceylan gemeinsam mit seiner Band die Bühne betritt, wird schnell klar: Hier steht heute nicht einfach ein Comedian mit musikalischer Unterstützung vor dem Publikum. Mit „Diktatürk“ und „Stumpf ist Trumpf“ geht es direkt ordentlich zur Sache. Gitarrenriffs, wuchtige Drums und ein entsprechend druckvoller Sound bestimmen das Geschehen.

Natürlich bleibt Bülent Ceylan Bülent Ceylan. Immer wieder gibt es kleine Spitzen, spontane Kommentare und typische Interaktionen mit dem Publikum. Schließlich gehört die Comedy zu seiner DNA. Doch im Vergleich zu seinen früheren musikalischen Tourneen ist die Gewichtung eine andere geworden.

Die großen Comedy-Blöcke zwischen den Songs sind weitgehend verschwunden. Stattdessen lässt Ceylan die Musik für sich sprechen. Die Songs bekommen Raum, die Band steht stärker im Fokus und die Show entwickelt sich zunehmend zu einem echten Rockkonzert.

Oder anders gesagt: Die Comedy ist inzwischen das Salz in der Suppe – die Musik ist der Hauptgang.

Vom Normalo zum Metaller

Einen nicht unerheblichen Anteil daran hat natürlich die Band. Julia Lange und Tobi Stulz an Gitarre und Backing Vocals, Hannes Merten am Bass und Marcel Vojvodic am Schlagzeug liefern über den gesamten Abend hinweg das musikalische Fundament.

Dabei lässt sich fast schon eine kleine Metamorphose beobachten. Bei der ersten Tour standen da noch vermeintliche „Normalos“ neben Bülent Ceylan auf der Bühne, die damals irgendwie deplaziert wirkten, obwohl sie musikalisch absolut top waren. Aber in der Zwischenzeit ist in allen der Metalhead zum Vorschein gekommen. Die Gitarren werden härter, die Bewegungen größer, das Outfit und die Attitüdewerden  zunehmend metallischer.

Was zunächst wie ein kleiner Running Gag wirkt, entwickelt sich zu einem festen Bestandteil der Show: Aus der Begleitband eines Comedians wird eine bestens eingespielte Metal-Combo.

Und Bülent selbst? Der steht mittendrin und macht keinen Hehl daraus, wie sehr ihm diese Welt am Herzen liegt.

Bissig, laut und manchmal überraschend emotional

Mit „Leck mich Tag“, „Fünf vor Zwölf“ und „Keiner kommt hier lebend raus“ geht es musikalisch abwechslungsreich weiter. Die Songs zeigen, dass das aktuelle Album „B.L.N.T.“ durchaus unterschiedliche Facetten besitzt. Mal bissig, mal gesellschaftskritisch, mal mit dem für Ceylan typischen Augenzwinkern.

Mit „Wir haben gelebt“ wird es anschließend etwas ruhiger und emotionaler. Ein Song, der zeigt, dass zwischen all den harten Gitarren durchaus Platz für nachdenkliche Momente bleibt.

Danach darf es wieder ordentlich krachen. Bei „Lange Haare“, „Randale und Radau“ und „Wenn Metaller traurig sind“ dürfte endgültig auch der letzte Zweifler verstanden haben, dass Bülent Ceylan seine musikalische Seite längst nicht mehr als Nebenschauplatz betrachtet.

Gerade „Wenn Metaller traurig sind“ passt dabei perfekt zum Abend. Mit einem Augenzwinkern, aber musikalisch durchaus ernsthaft, liefert Ceylan seine ganz eigene Liebeserklärung an die Szene.

Kein Comedian mit Metalband mehr

Was diesen Abend im LKA Longhorn letztlich so interessant macht, ist genau diese Entwicklung.

Bülent Ceylan muss inzwischen nicht mehr ständig beweisen, dass er auch Metal kann. Er macht es einfach. Die Musik steht im Vordergrund, die Band bekommt den nötigen Raum und Ceylan selbst präsentiert sich immer stärker als Musiker und Metalhead.

Natürlich gibt es weiterhin die bekannten Comedy-Momente. Ein Bülent-Ceylan-Konzert ohne Humor wäre schließlich ungefähr so vorstellbar wie ein Metal-Konzert ohne Gitarren. Aber die Comedy unterstützt inzwischen die Show, anstatt sie zu dominieren.

Das Ergebnis ist eine gelungene Mischung aus Rockkonzert, Metalshow und genau der Portion Humor, die man von Bülent Ceylan erwartet.

Das Publikum im LKA sah das offenbar ganz ähnlich. Die Stimmung blieb bis zum letzten Song hervorragend, und als Ceylan und seine Band nach dem regulären Set noch einmal auf die Bühne zurückkehrten, wurde noch einmal ordentlich nachgelegt.

Mit „Brüder“, „Wolfsherz“ und „Ein Hoch auf die beschissenen Zeiten“ ging der Abend schließlich seinem Ende entgegen.

Die gemeinsam mit Metal-Ikone Doro Pesch aufgenommene Single gehört sicherlich zu den besonderen Momenten des neuen Albums. Auch ohne Doro als Gast auf der Stuttgarter Bühne funktioniert der Song hervorragend und sorgt für einen kurzen Moment des Innehaltens. Die Nummer zeigt gleichzeitig, wie ernst Ceylan seine musikalische Entwicklung inzwischen nimmt.

Nach knapp zwei Stunden war Schluss.

Was bleibt, ist der Eindruck einer Show, die sich seit den ersten musikalischen Gehversuchen von Bülent Ceylan deutlich weiterentwickelt hat. Der Comedian ist nach wie vor da – und das ist auch gut so. Aber mittlerweile steht da eben auch ein Musiker, der seine Liebe zum Rock und Metal nicht nur als Gag benutzt, sondern sie hör- und spürbar lebt.

Bülent Ceylan ist auf dem Weg vom Comedian mit Metalambitionen zum waschechten Metalhead mit Comedy-Hintergrund. Und Stuttgart durfte diesen Wandel an diesem Abend einmal mehr live miterleben.

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